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Jugendklimagipfel in New York - "Ich hoffe, dass etwas dabei rumkommt"

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Echte Lösungen statt nur leere Worte will die Bayreuther Studentin Theresa Reß. Mit "hohen Erwartungen" ist sie zum UN-Jugendklimagipfel nach New York gereist.

Gebäude der UN in New York
Gebäude der UN in New York, wo die Jugendklimakonferenz stattfinden wird
Quelle: dpa

Der "Youth Climate Summit" im UN-Hauptquartier am Samstag ist ein Vorläufer für den Klima-Sondergipfel zwei Tage später. Dabei kommen junge Aktivisten, Unternehmer und Entscheidungsträger aus aller Welt zusammen, um ihre Ideen zu präsentieren und zu diskutieren. Die Ergebnisse sollen in die Gipfel-Beratungen der Staats- und Regierungschefs mit einfließen. Theresa Reß ist aus mehreren tausend Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählt worden. Von der Gesellschaft fordert sie ein Ende der Bequemlichkeit in Sachen Klimaschutz.

heute.de: Sie nehmen als einer von wenigen hundert jungen Menschen am Jugendklimagipfel teil. Wie kam es dazu?

Theresa Reß: Ich hatte in dem Zeitraum mit der Uni viel zu tun und mir ist der "Summit" erst am Abend vor Bewerbungsende wieder eingefallen. Ich habe mich deswegen sehr schnell beworben, weil ich dachte: Warum nicht? Mehr als absagen können sie nicht. Als die Einladungs-Mail kam, war ich super überrascht! Ich freue mich riesig und bin echt gespannt, wie es wird – also, wie es genau ablaufen wird, was für Leute dort sein werden und was für Ideen und Vorschläge sie einbringen. Und natürlich, welches Ergebnis wir zustande bringen.

heute.de: Mit welchen Gefühlen reisen Sie nach New York?

Reß: Ich habe nicht mit einer Zusage gerechnet, insofern fühlt es sich schon etwas nach einer Anerkennung an, aus so vielen ausgewählt zu werden! Gerade deswegen ist da aber schon auch Druck: Wir fliegen für ein Wochenende um die halbe Welt und das im Namen des Klimawandels. Das ist an sich ja eher etwas widersprüchlich. Persönlich habe ich auch deswegen sehr hohe Erwartungen an das Ergebnis des "Summits". Ich möchte wirklich an praktischen und umsetzbaren Lösungen für die aktuelle Klimaproblematik arbeiten und hoffe, dass dabei auch etwas rumkommt!

heute.de: Was genau wird auf dem "Summit" passieren?

Reß: Ziel ist es unter anderem, eine Erklärung, zu erarbeiten, welche dann beim "Climate Action Summit" der UN am 23. September vorgetragen und in die Lösungsfindung miteinbezogen wird. Dafür arbeiten wir bis zum 21. September an einem Entwurf. Dieser ist ab dann für die Bearbeitung geschlossen, und das "Reviewing" beginnt. Dabei wird die Erklärung von Vertretern der einzelnen Gruppen überprüft und fertiggestellt. Am 21. September findet daneben auch der eigentliche "Youth Summit" statt, an dem wir uns treffen, austauschen und gemeinsam an konkreten Lösungen arbeiten.

Daneben finden noch themen-spezifische Meetings statt, wobei in Gruppen gearbeitet wird. Ich werde zum Beispiel im Bereich "nature-based solutions" aktiv sein, also "naturbasierten Lösungen". Dabei geht es darum, die natürlichen Vorteile der Natur zu nutzen, um Herausforderungen oder Probleme zu lösen. Das kann zum Beispiel sein, die Regenwälder und natürlichen Waldflächen zu erhalten, um durch deren CO2-Speicher-Fähigkeit die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre zu reduzieren. In der Erklärung wird derzeit zum Beispiel gefordert, dass bis 2030 etwa 30 Prozent der Lösungen für den Klimawandel aus naturbasierten Lösungen bestehen sollten. Derzeit sind diese leider noch sehr schwach in den Klimazielen vertreten, haben aber ein Riesenpotenzial.

heute.de: Welche Ideen haben Sie im Gepäck?

Reß: Meine Ideen versuche ich jetzt schon, so gut es geht, in unseren Entwurf einzuarbeiten! Vielen Vorschlägen der Anderen stimme ich stark zu und es gibt viele ähnliche Meinungen. Ab und an gibt es allerdings auch Uneinigkeiten, was natürlich zu erwarten ist. Alle kommen aus verschiedenen Ländern und haben unterschiedliche Prioritäten oder Meinungen. Besonders bei der Suche nach Lösungen ist der Austausch von solchen Erfahrungen aber superwichtig! Vielleicht gibt es in anderen Ecken der Welt ja schon Lösungen für Probleme im eigenen Land – und umgekehrt. Das sollte viel mehr genutzt werden.

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28 min
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heute.de: Es soll ein internationaler Dialog werden, auch einer zwischen den Generationen und mit Verantwortlichen aus der Politik. Was wird das im besten Fall bringen?

Es darf sich niemand zieren, weil er sich nicht die Hände dreckig machen will. Natürlich wird das im einen oder anderen Bereich zu Einschränkungen führen. Letzten Endes kommen wir aber nur so ans Ziel.
Theresa Reß

Reß: Dafür, dass wir mit unseren Flügen so viel CO2 erzeugen, muss schon etwas beim "Summit" rumkommen. Ich erwarte aber auch von der Politik, dass endlich mehr Verantwortung übernommen und vor allem an praktischen Lösungen gearbeitet wird. Es ist ja ein "Action Summit", also hoffe ich, dass auch tatsächlich Aktion stattfindet und Handlungen beschlossen werden. Dabei darf sich niemand zieren, weil er sich die Hände nicht dreckig machen will. Natürlich wird das im einen oder anderen Bereich zu Einschränkungen führen und die Bürger müssen eventuell in ihrer Bequemlichkeit etwas zurückstecken. Letzten Endes kommen wir aber nur so ans Ziel.

heute.de: Was würden Sie den Mächtigen der Welt gerne mit auf den Weg geben?

Reß: Wir brauche keine neuen Ziele, sondern endlich praktische Lösungen, um dem Klimawandel entgegenzuwirken!

heute.de: Denken Sie, dass man Ihnen – auch über den Klimagipfel hinaus – zuhören und Sie ernstnehmen wird?

Reß: Ich hoffe es sehr! Letzten Endes schätze ich, ist es doch immer abhängig davon, wie sehr man sich Gehör verschaffen möchte. Greta Thunberg zum Beispiel kann man vieles unterstellen, aber sie hat es auf jeden Fall geschafft, dass man ihr zuhört! Dafür waren am Anfang auch kein Studium und keine Teilnahme an irgendeinem Gipfel nötig. Von daher sage ich einfach mal: Ja, das ist auf jeden Fall mein Ziel!

heute.de: Der Klimawandel ist als Thema im Moment sehr präsent. Manche sagen: ein Hype, der auch wieder vorübergehen wird. Wie sehen Sie das?

Reß: Ich glaube tatsächlich, dass viele Unternehmen, Marken oder Organisationen das Thema Umweltschutz und Klimawandel zurzeit auch für eigene Zwecke nutzen! Grün ist ja auf jeden Fall "in" und das wird sicher von vielen bewusst ausgenutzt. Ich würde mir aber wünschen, dass hinter den Worten auch mehr aktuelle Taten stehen! Was den Hype angeht, so kann es sein, dass er mit der Zeit vielleicht etwas nachlässt, der Klimawandel aber nicht. Er wird ein Thema bleiben, solange wir nicht maßgeblich etwas an unserem Verhalten ändern!

heute.de: Am Montag gibt es den Gipfel in New York, im Dezember in Chile den Weltklimagipfel. Glauben Sie, dass sich die Länder der Welt zusammenraufen und echte Entscheidungen treffen werden?

Reß: Dass hoffe ich zumindest. Zugegebenermaßen gab es ja schon viele internationale Umweltkonferenzen und Gipfel. Und doch sind die Ergebnisse insgesamt noch stark ausbaufähig! Ich bin aber optimistisch, dass dieses Jahr vielleicht wirklich entscheidende Ergebnisse zustande kommen werden.

Das Interview führte Mark Hugo, ZDF-Umweltredaktion.

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