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Gamescom 2017 - Videospiele - eine Vorschau auf die Zukunft

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Auf der Gamescom in Köln tummelt sich alles, was Rang und Namen hat in der Welt der Videospiele. Der Chef des Spieleverlags Ubisoft, Yves Guillemot, ist auch mit von der Partie. Videospiele "können gesellschaftlichen Wandel begreifbar machen, noch bevor er passiert", sagt er im Interview mit heute.de.

Computerspiele sind "Kulturgut, Innovationsmotor und Wirtschaftsfaktor von allergrößter Bedeutung". Mit diesen Worten eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel die Gamescom, eine der größten Messen dieser Branche weltweit.

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heute.de: Sie sind der CEO des größten europäischen Spieleverlags. Geht es der Branche gut?

Yves Guillemot: Ja, der Branche geht es sehr gut. Weil wir neue Arten von Videospielen erschaffen. Deshalb befindet sich unsere Industrie im Wachstum.

heute.de: In Deutschland beginnt die Politik, die Spielebranche zu entdecken. Wie nimmt man diese Entwicklung im Ausland wahr?

Guillemot: Ubisoft sucht verstärkt in Deutschland nach Talenten. Hier gibt es inzwischen gute Bildungseinrichtungen und viel Know-How. Es gibt immer mehr Nachwuchstalente, und das erlaubt es uns, immer bessere Spiele in Deutschland herzustellen.

heute.de: Deutschland ist ein großer Absatzmarkt für Spiele, aber deutsche Studios stellen vergleichsweise wenige davon her. In Frankreich werden viele Spiele verkauft und auch viele produziert. Was machen wir falsch? 

Guillemot: Die Konkurrenz aus Ländern wie Kanada ist sehr stark. Dort wird das Wachstum der Branche nachhaltig gefördert, weil diese Länder erkannt haben, dass auch andere Industriezweige von dem Know-How profitieren. Kanada wurde zum Vorreiter. Dann folgten Frankreich und Großbritannien. Und ich hoffe, dass Deutschland die Schlüsselfunktion unserer Branche ebenfalls erkennt, damit wir noch größere Spiele in Deutschland herstellen können.

heute.de: Einer der großen Titel von Ubisoft, der auf der Gamescom gezeigt wird, ist das Actionspiel "Far Cry 5". Darin bekämpft der Spieler einen rechtsradikalen Kult, was man als Anspielung auf die Diskussion um die sogenannte Alt-Right-Bewegung in den USA verstehen kann. Vor drei Jahren erschien mit "Watch Dogs" ein Hacker-Spiel, exakt auf dem Höhepunkt der Diskussion um Snowden und um die NSA. Sind diese Anspielungen bewusst gewählt? Wollen Sie mit Ihren Videospielen gesellschaftliche Diskussionen abbilden?

Guillemot: Videospiele haben das gleiche Potenzial wie andere kulturell relevante Medien: Sie können gesellschaftlichen Wandel begreifbar machen, noch bevor er passiert. Und wir beschäftigen uns mit allen möglichen Themen. Es gibt keine Tabus. Als wir "Watch Dogs" entwickelten, wollten wir auf die möglichen Herausforderungen aufmerksam machen, die moderne Technologien mit sich bringen. Wir müssen uns dieser Herausforderungen bewusst sein. Und es kann helfen, solchen möglichen Zukunftsszenarien in einem Videospiel zu begegnen, bevor sie möglicherweise Realität werden. Es ist unsere Aufgabe, eine Vorschau auf die Zukunft zu präsentieren und auf mögliche Probleme hinzuweisen, damit wir besser gegen sie gewappnet sind.

heute.de: Spiele in der virtuellen Realität, die den Spieler komplett umgeben, sind erneut ein Trend auf der Gamescom. Ihr Virtual-Reality-Spiel "Star Trek: Bridge Crew" verbindet mehrere Spieler über das Internet und weist ihnen verschiedene Funktionen auf der Brücke des Raumschiff Enterprise zu. Sie müssen dazu miteinander kommunizieren und sind gefordert, ganz in ihre Rolle zu schlüpfen und fast schon schauspielerische Fähigkeiten zu beweisen. Werden Menschen in Zukunft öfter auf so eine Art und Weise zusammen spielen?

Guillemot: Ich denke ja. Es geht darum, seine Rolle zu spielen und dabei mit anderen Menschen zu kommunizieren. Dieses Spiel ermöglicht es Dir, Deinen Körper und Deine Stimme einzusetzen, um Herausforderungen als Team zu überstehen. Und das wird ja auch im echten Leben immer wichtiger. Es ist reizvoll, so eine Form von Teamwork in einem Videospiel zu erlernen, weil Teamwork in Zukunft eine immer größere Rolle in unserem Leben spielen wird. Das in einem Videospiel zu erlernen ist ideal.

heute.de: Anfang 2018 erscheint mit "Transference" ein weiteres großes Virtual-Reality-Spiel, das in Zusammenarbeit mit der crossmedialen Produktionsfirma von Schauspieler Elijah Wood entsteht. Ermöglicht Virtual-Reality-Technologie, dass Hollywood und die Videospielbranche endlich zueinander finden, voneinander profitieren und neue Unterhaltungsformen finden?

Guillemot: Beide Seiten müssen zusammenarbeiten, um neue Erlebnisse zu schaffen. Genau das versuchen wir mit den zwei Teams aus beiden Branchen. Und sie haben zusammen schon viele originelle Ansätze entwickelt. Wir werden sehen, wie das fertige Spiel aussehen wird. Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass es ein fantastisches Erlebnis wird. Ubisoft besteht aus vielen kreativen Menschen und unsere Spiele sollen die bestmöglichen Erlebnisse bieten. Die Teams in unserer Firma konkurrieren untereinander, um dieses Ziel umzusetzen. Wir wollen unsere Spiele in so viele Haushalte tragen wie möglich.

Das Interview führte Andreas Garbe

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