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"Markt bricht für deutsche Wirtschaft weg"

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Auswirkungen des Iran-Konflikts - "Markt bricht für deutsche Wirtschaft weg"

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Die US-Sanktionen gegen den Iran wirken für deutsche Investitionen dort sehr belastend, so Iran-Kennerin von Bohnstein - trotz großer Nachfrage. Chinesen würden die Lücken füllen.

Porzellanmanufaktur im Iran
Eine Arbeiterin verziert in einem Porzellan-Werk im Iran Schüsseln. Viele deutsche Maschinen sind in der Produktion im Einsatz, auch ein Teil der für die Herstellung benötigten Rohstoffe kommt aus Deutschland.
Quelle: Picture Alliance / dpa

heute.de: Wie erleben Sie den Machtkampf zwischen Teheran und Washington?

Dagmar von Bohnstein: Das belastet natürlich die Wirtschaft. Die ökonomischen Rahmenbedingungen werden zunehmend schwierig. Ich könnte auch sagen: Sie werden immer dramatischer. Deutsche Unternehmen stehen vor der Wahl: Wer ist uns wichtiger, die USA oder der Iran? Denn wenn sie im Iran investieren, können sie Probleme kriegen mit den Amerikanern. Der US-Markt ist in der Regel der größere und der interessantere.

heute.de: Blicken Sie nervös auf den 7. Juli, dem Ende des Ultimatums? Dann entscheidet der Iran, ob er wieder Uran anreichern will.

Von Bohnstein: Der 7. Juli ist für uns gar nicht so entscheidend. Die US-Sanktionen wirken für deutsche Firmen seit letztem Jahr wie ein Vollembargo. Dazu gibt es auch im Land selbst hohe Hürden. Aktuell ist es beispielsweise für ausländische Unternehmen sehr schwierig, mit den verschiedenen Währungskursen klarzukommen. Die größte Herausforderung ist aber, den Zahlungsverkehr mit Deutschland aufrecht zu erhalten. Trotzdem hoffen wir natürlich auf Fortschritte. Wir vertrauen darauf, dass es den Europäern gelingen wird, zwischen den USA und dem Iran zu vermitteln. Die Wirtschaft braucht eine Perspektive. Schon ein Teilerfolg würde die Lage bei uns verbessern.

heute.de: Sind die Erfolge nach dem Lausanne-Abkommen 2016 und der Lockerung der Sanktionen bereits verblüht?

Es gibt Sanktionsgewinnler. Die Profiteure sind entweder inländische Unternehmen. Oder Chinesen, die weniger Rücksicht auf die USA nehmen müssen.

Von Bohnstein: Zum Teil, ja. Die Erwartungen waren zu hoch. Auch hat sich das wirtschaftliche System im Inland leider nicht ausreichend reformiert. Es müssen eine Reihe von Hausaufgaben gemacht werden: ein verbindliches Regelwerk, ein transparentes Finanzsystem und ein entschlossener Kampf gegen Schmuggel und Korruption.

heute.de: Gibt es auch Investoren, die sagen: Uns ist Trump egal, der Wechselkurs der iranischen Währung ist niedrig, wir investieren?

Von Bohnstein: Natürlich ist der Iran gerade so günstig wie schon lange nicht mehr. Es gibt Sanktionsgewinnler. Die Profiteure sind entweder inländische Unternehmen, die keine Konkurrenz aus dem Ausland mehr haben. Oder Chinesen, die weniger Rücksicht auf die USA nehmen müssen. Sie füllen die Lücken, die die Europäer lassen.

heute.de: Was beunruhigt Sie am meisten?

Von Bohnstein: Der Markt bricht für die deutsche Wirtschaft weg. Das ist echt schade. Wir Deutsche haben im Iran einen exzellenten Ruf. Es gibt eine große Nachfrage nach deutschen Produkten. Deutsche Maschinenbauer, unsere Chemieindustrie und die erneuerbaren Energien hätten im Iran großes Potential.

heute.de: Was halten Sie vom alten Spruch "Wandel durch Handel"?

Von Bohnstein: Ich glaube fest daran. Im Moment sind aber den Wirtschaftsvertretern die Hände gebunden. Zurzeit kommt man nur weiter, wenn sich auf politischer Ebene etwas bewegt.

heute.de: Trotz aller Rückschläge: Warum sind Sie vom Iran nach wie vor fasziniert?

Der Iran hat eine reiche Kultur mit großen Sympathien für Deutschland.

Von Bohnstein: In Deutschland haben wir ein völlig verzerrtes Iran-Bild. Ich erlebe hier ein sehr westlich orientiertes, junges Land mit faszinierenden Ideen. Der Iran hat eine reiche Kultur mit großen Sympathien für Deutschland, er wäre ein wunderbarer Partner für uns. Ich lebe seit einem Jahr hier. Das Land ist faszinierend und schön. Wir als Deutsche sollten alles Mögliche tun, um den Iran an uns zu binden.

heute.de: Und die Repressionen?

Von Bohnstein: Zu politischen Fragen kann ich mich nicht äußern. Aber keine deutsche Frau muss einer iranischen Frau Nachhilfe geben in Sachen Emanzipation. Klar, es gibt den Schleierzwang. Aber die iranischen Frauen gehen damit souverän um. Sie sind exzellent ausgebildet, sehr tough und die mutigsten Autofahrerinnen, die ich kenne. Gerade unter den Frauen sehe ich enormes Potential.

Das Interview führte Raphael Rauch.

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