Sie sind hier:

Apothekendirektor zu Engpässen - "Handeln wie auf einem orientalischen Basar"

Datum:

Sie beliefern das Uniklinikum Freiburg sowie 17 weitere Kliniken in der Region mit Medikamenten. Doch Apothekendirektor Hug und seine Mitarbeiter haben immer öfter Lieferengpässe.

heute.de: Herr Hug, wie machen sich die Lieferengpässe bei Medikamenten bei Ihnen in der Apotheke bemerkbar?

Martin Hug: Dass ein Medikament mal nicht lieferbar ist, passiert seit einigen Jahren immer häufiger. Dieses Jahr waren Stand jetzt 371 Arzneimittel in unserem Sortiment von einem Lieferengpass betroffen. Das entspricht rund zehn Prozent der etwa 4.000 verschiedenen Produkte, die wir aktuell im Angebot haben. Früher gab es das in dieser Dimension nicht, doch heute müssen wir immer öfter sagen: Es tut uns leid, das Medikament kriegen wir gerade nicht, wir arbeiten an einer Lösung. Das finde ich langsam bedrohlich und an der Grenze des akzeptablen Rahmens.

heute.de: Finden Sie denn immer eine Lösung?

Das finde ich langsam bedrohlich und an der Grenze des akzeptablen Rahmens.
Martin Hug, Apothekendirektor Universitätsklinikum Freiburg

Hug: Bisher schon. Ich würde mal sagen, dass der Patient im Krankenhaus in 99 Prozent der Fälle gar nicht merkt, wie schwierig es gerade ist, an bestimmte Medikamente zu kommen. Wir versuchen dann, ein Produkt mit dem gleichen Wirkstoff zu bekommen, das nur anders heißt oder eventuell auch anders dosiert werden muss. Das ist dann oft riskant, weil es im hektischen Klinikalltag auch mal zu Beinahe-Unfällen kommen kann.

Der Patient bekommt Medikament x verschrieben, das er soundso oft nehmen soll. Wir können aber nur Medikament y besorgen, das vielleicht höher dosiert ist und deshalb seltener genommen werden muss, als es der Arzt ursprünglich in der Patientenakte verordnet hat.

heute.de: Wie verhindern Sie, dass es zu solchen Problemen für die Patienten kommt?

Hug: Unsere Apotheke ist ein Hochsicherheitsbetrieb, wir arbeiten nach dem Vier-Augen-Prinzip und haben alle eine fundierte pharmazeutische Ausbildung. Kurz: Wir wissen um die Risiken und geben unser Bestes. Vor einigen Jahren gab es in den USA, die auch oft von Lieferengpässen betroffen sind, eine interessante Studie.

Demzufolge kann ein solches Versorgungsproblem tatsächlich Menschenleben kosten. Wenn nicht nur ein Fertigarzneimittel, sondern ein Ausgangs- beziehungsweise Wirkstoff nicht mehr verfügbar ist, müssen Arzt und Apotheker nach einer Alternative suchen - die dann vielleicht nicht genauso wirkt wie die eigentlich verordnete Substanz und eventuell andere oder schwerere Nebenwirkungen hat.

heute.de: Können Sie sich irgendwie gegen die Lieferengpässe absichern?

Hug: Wirklich absichern nicht, aber wir sind natürlich gewarnt und versuchen, besonders vorausschauend zu handeln. Beim ersten Anzeichen, dass ein Medikament knapp wird, reagieren wir sofort. Es handelt sich ja oft auch um lebensnotwendige Medikamente. Wir kaufen im Normalfall etwa 99 Prozent unserer Ware direkt bei den Pharmafirmen und ein Prozent bei den Großhändlern.

Bei Lieferengpässen beginnt das Handeln wie auf einem orientalischen Basar.
Martin Hug, Apothekendirektor Universitätsklinikum Freiburg

Bei Lieferengpässen beginnt das Handeln wie auf einem orientalischen Basar. Hier sind gute Kontakte wichtig, ich habe zum Glück tolle Mitarbeiter, die sich maximal einsetzen. Deshalb führt die Suche bis jetzt noch oft zum Erfolg, aber nur für uns, denn wir verschieben eigentlich das Problem. Neulich zum Beispiel waren bestimmte Thrombosespritzen nicht lieferbar. Wir haben umgehend die letzten Bestände bei drei Großhändlern aufgekauft - und damit natürlich dafür gesorgt, dass die Patienten in den öffentlichen Apotheke Probleme hatten, dieses Präparat zu bekommen. Das ist insgesamt eine sehr unglückliche Situation.

Wie Sie Medikamentenengpässe vermeiden können

Das Interview führte Claudia Füßler.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.