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"Bei uns sind die Kirchen proppenvoll"

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Zum Dreikönigstag - "Bei uns sind die Kirchen proppenvoll"

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Die Heiligen Drei Könige stammen laut Legende aus Arabien. Paul Hinder ist der Bischof von Abu Dhabi. Ein Gespräch über Weihrauch, Jesus' Großeltern und den Bürgerkrieg im Jemen.

Bischof Paul Hinder in Abu Dhabi
2003 ernannte Papst Johannes Paul II Paul Hinder zum Weihbischof im südlichen und nördlichen Apostolischen Vikariat Arabien.
Quelle: Raphael Rauch

heute.de: Was gefällt Ihnen an der Geschichte der Heiligen Drei Könige?

Paul Hinder: Es ist eine fromme, sehr schöne Legende. Sterndeuter aus dem Osten machen sich auf den Weg und folgen dem Stern von Bethlehem. Sie suchen nach Glück. Ich lebe in einer Region, wo Menschen aus der ganzen Welt zusammenkommen. Gutverdienende Geschäftsleute aus dem Westen, arme Bauarbeiter und Dienstmädchen aus Indien, Sri Lanka und den Philippinen. Die Sterndeuter stehen für verschiedene Völker, die unterwegs sind – ein Spiegelbild unserer Migrantenkirche in Arabien.

heute.de: Laut Bibel beschenkten die Sterndeuter Jesus mit Weihrauch, Myrrhe und Gold.

Hinder: Das passt doch gut zum reichen Orient! (lacht) Weihrauch wird hier nicht nur religiös gebraucht, sondern wird in vielen Häusern verwendet. Bei einem Empfang geht jemand mit dem Weihrauch rum und fächert mit den Händen den Duft ins Gesicht. Nach einem Mahl auch mal unter die Kleider, um die Gerüche zu neutralisieren.

heute.de: Woher kommt der Weihrauch?

Hinder: Zu meiner Diözese gehört die Stadt Salalah, das ist im Süden Omans. Schon in der Antike wurden hier mit Karawanen Weihrauch und Myrrhe durch die Wüste ans Mittelmeer transportiert. Und in Salalah ist das Grab von Joachim und Anna, den Großeltern Jesu. Es wird von den Muslimen sehr verehrt.

heute.de: Warum verehren Muslime die Großeltern Jesu?

Hinder: Jesus ist für die Muslime ein wichtiger Prophet. Der Koran erzählt von Maria und der jungfräulichen Geburt. Der entscheidende Unterschied ist: Wir Christen sehen in Jesus den Sohn Gottes. Für Muslime ist das ein schrecklicher Aberglaube. Für sie ist Jesus zwar wichtig, aber nur ein Prophet.

heute.de: Christen sind in den Golfstaaten willkommene Gäste – solange sie nicht missionieren. Ist das für Sie schwierig?

Hinder: Nein, das sind nun mal die Spielregeln. Schon aus der Weihnachtsgeschichte wissen wir, dass Jesus von König Herodes bedroht wird. Die Sterndeuter erhalten den Auftrag, einen anderen Weg zurückzugehen. Ich deute das als Auftrag zu strategischem Verhalten: Man muss sich den Verhältnissen auch mal anpassen.

heute.de: Unterscheiden sich die Gottesdienste in Abu Dhabi von denen in Europa?

Hinder: Bei uns sind die Kirchen proppenvoll. Wir sind eine junge Gemeinde, weil viele Inder und Philippiner Mitglied sind. Am ersten Weihnachtsfeiertag haben wir ab 4 Uhr morgens den ganzen Tag Gottesdienst in mehr als zehn Sprachen. Am besten besucht ist die Messe auf Tagalog, der Muttersprache der meisten Philippiner.

heute.de: Bekommen die Christen an kirchlichen Feiertagen frei?

Hinder: Eher nicht. Am besten ist es, wenn ein christlicher Feiertag auf einen Freitag fällt, dem Sonntag der Muslime. Im Allgemeinen schauen die Arbeitgeber darauf, dass Christen zumindest ein paar Stunden frei haben für den Gottesdienst. Am schwersten haben es die Arbeiter auf den Baustellen-Camps, die weit weg von der Stadt wohnen.

heute.de: Spüren Sie etwas von der Friedensbotschaft, für die Weihnachten und das Dreikönigsfest stehen?

Hinder: Spirituell ja, geopolitisch nein. Zu meiner Diözese gehört auch der Jemen. Dort ist ein Kloster, wo tapfere Schwestern seit Jahren ausharren und mitten im Bürgerkrieg Nächstenliebe leben. Ich brauche keine Heiligen-Legenden. Die Schwestern im Jemen sind für mich lebende Heilige.

Das Interview führte Raphael Rauch. Dem Autor auf Twitter folgen: @raphael_rauch

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