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Weltraumrecht - "Die Regeln sind so weich wie Pudding"

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US-Präsident Trump bringt immer wieder eine Weltraumpolizei ins Spiel. Doch schon die jetzigen Regeln im Weltraum seien viel zu lax, kritisiert der Jurist Stephan Hobe.

Computergrafik von Weltraumschrott in der Erdumlaufbahn
Computergrafik von Weltraumschrott in der Erdumlaufbahn
Quelle: dpa

heute.de: US-Präsident Donald Trump spricht von "Space Troopers", die im Weltraum für Ordnung sorgen sollen. Wie realistisch sind diese Pläne?

Stephan Hobe: Ich halte eine Weltraumpolizei für unrealistisch. Für mich leuchten hier die alten Ideen von Ronald Reagan und "Star Wars" auf.

heute.de: Ist die Idee von Verkehrsschildern im Weltall ebenso reine "Science Fiction"?

Hobe: Bislang wurde der Weltraum vor allem für Forschungszwecke genutzt. Doch sobald eine wirtschaftliche Nutzung ins Spiel kommt, wird der Verkehr im Weltraum stark zunehmen. Dann geht es darum, Kollisionen zu vermeiden, denn ein Zusammenstoß bringt einen Kaskaden-Effekt mit sich: Wenn ein Weltraumstück zertrümmert wird, dann zerfällt es in große Teile und kleine Partikel, die dann alle in der Umlaufbahn weiteren Schaden anrichten können.

heute.de: Wie gravierend ist das Problem?

Hobe: Das ist kein akademisches, sondern ein sehr praktisches Problem. 50 Jahre seit Sputnik haben im Weltraum Spuren hinterlassen. Die von Kommunikationssatelliten genutzten Umlaufbahnen sind voller kleiner Partikel. Schon ein Partikel mit der Größe eines Zentimeters kann sehr gefährlich sein. Um Kollisionen zu verhindern, brauchen wir aber keine Verkehrsschilder, sondern eine bessere Regulierung.

heute.de: Wie sieht die Regulierung bisher aus?

Hobe: Nehmen wir einen Satelliten, der auf eine Umlaufbahn gesetzt werden soll: Der wird mit einer Rakete in den Weltraum transportiert. Dort öffnet sich die Ladeluke und der Satellit fliegt raus. Schon auf dem Weg zum Orbit ist es wichtig, dass die Rakete nicht mit einer anderen Rakete kollidiert. Es ist also wichtig zu wissen: Wann und wo soll ein Objekt gestartet werden, wie viel Treibstoff ist an Bord, wann ist die Rückkehr auf die Erde oder auf die Friedhofsumlaufbahn vorgesehen? Dafür haben wir Regeln, aber die sind so weich wie Pudding.

heute.de: Die Tätigkeit im Weltraum ist doch teuer - wer kann sich da laxe Regeln leisten?

Hobe: Die internationale Staatengemeinschaft! Es gibt zwar eine Registrierungspflicht: Jeder Staat muss einen Raumflugkörper in einem nationalen Register anmelden, bevor der startet. Und die Informationen müssen dann an den Generalsekretär der Vereinten Nationen weitergegeben werden. Aber die Registrierungspflicht ist viel zu weich formuliert, man kann sich um die Verpflichtung der Anzeige drücken, ohne dass etwas passiert. Manche Staaten geben Informationen über einen Satelliten erst weiter, wenn er auf die Friedhofsumlaufbahn gerät, wenn es also eigentlich eh schon egal ist.

heute.de: Kommt eine stärkere Regulierung, sobald der Weltraum stärker von der Privatwirtschaft genutzt wird?

Hobe: Vielleicht, Juristen denken in den Kategorien von möglichem Schadenersatz. Wenn ein intakter Satellit mit einem Partikel zusammenstößt und kaputt geht, dann möchte eine Partei von einer anderen Partei einen Schadenersatz. Aber man kann nicht wirklich nachweisen, wer für den kleinen Partikel verantwortlich ist. Deswegen wäre eine Prämie für die Nutzung des Weltraums sinnvoll: Jeder zahlt in einen Fonds ein und aus diesem Fonds können Geschädigte dann entschädigt werden. Aber niemand hat Lust, so eine Prämie zu zahlen, Weltraumunternehmen sind ja so schon teuer genug. Wenn wir aber nichts tun, müssen am Ende die Staaten und damit die Steuerzahler haften.

heute.de: Wie optimistisch sind Sie, dass sich auf internationaler Ebene etwas ändert?

Hobe: Das ohnehin schwache Völkerrecht erweist sich ein weiteres Mal als schwächlich. Das Recht ist nur so stark, wie die Politik es erlaubt - und wir leben gerade nicht in einer Hochphase des Multilateralismus. Die Großmächte besinnen sich auf sich selbst - und gucken, ob sie überhaupt Partner brauchen. Ein anderes Problem ist das kurzfristige Denken. Wir tun uns ja schon mit dem Umweltschutz auf der Erde sehr schwer, obwohl wir wissen, dass sich das langfristig auszahlt. Ähnlich ist es im Weltraum. Wahrscheinlich ist der Leidensdruck noch nicht groß genug - und deshalb wird sich im Weltall so schnell wohl nichts ändern.

Das Interview führte Raphael Rauch.

Dem Autor auf Twitter folgen: @raphael_rauch

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