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Waldbrandgefahr in Deutschland - "Der Mensch löst die meisten Katastrophen aus"

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Hitze, Trockenheit, Wind - da brennen Wälder schnell. Aber die Hauptursache ist: der Mensch. Was und wo es besonders gefährlich ist, sagt Bremens Feuerwehrchef Karl-Heinz Knorr.

heute.de: Wie groß ist die Waldbrandgefahr derzeit in Deutschland?

Karl-Heinz Knorr: Sie ist sehr hoch. Das ist den hohen Temperaturen, der anhaltenden Trockenheit und den teilweise starken Winden geschuldet. Auf den Getreidefeldern, die noch nicht notgeerntet wurden, und in Wäldern mit Gräsern und niedrigem Baumbestand können schon kleine Brandherde ausreichen, um große Feuer zu entzünden.  

Waldbrandgefahr durch brennende Zigarette
Etwas Blöderes kann man vor allem derzeit kaum tun: eine noch brennende Zigarette auf den Waldboden werfen.
Quelle: dpa

heute.de: Gibt es bestimmt Gebiete, die besonders gefährdet sind?

Knorr: Die Waldbrandgefahr ist in ganz Deutschland derzeit sehr hoch. Es gibt aber regionale Unterschiede, beispielsweise die Nadelbaumbestände in Brandenburg sind besonders stark gefährdet. Bei Misch- und Laubwäldern ist die Gefahr etwas kleiner.  

heute.de: Sind die Stadtränder und die großen Parks oder Friedhöfe in den Städten auch gefährdet?

Knorr: Auch dort können Feuer ausbrechen. Ein Vorteil ist aber, dass die Flächen in den Städten im Vergleich zu großen Waldgebieten wie beispielsweise in Hessen, Brandenburg oder der Heide überschaubar sind. Außerdem werden in den stadtnahen Parks die Brände schnell entdeckt, und die Feuerwehr kommt meist schnell und ungehindert hin. Oft gibt es in den Parks Teiche, aus denen die Feuerwehr Wasser schöpfen oder Hydrantenleitungen, aus denen sie Wasser entnehmen kann. Der Schaden in Städten wird von den Menschen allerdings oft als größer empfunden als bei einem Waldbrand.

heute.de: Wird das Wasser knapp?

Knorr: Es gibt einzelne Landkreise, die bereits Rationierungen angeordnet und beispielsweise Autowaschen und das Gießen in den Gärten verboten haben. Das sind präventive Maßnahmen. Es gibt aber noch kein Gebiet in Deutschland, wo Trinkwasser knapp geworden ist oder Notfallpläne greifen müssen.

heute.de: Wie schnell entsteht so ein Waldbrand?

Knorr: Das hängt von der Art des Baumbestandes und der Topgrafie des Geländes ab. Junge Nadelbäume mit sehr niedrigem Wuchs stehen schneller in Flammen als sehr alte hohe Buchen oder Eichen. Wenn die kleinen Bäume auch noch am Hang stehen und die darüber liegenden Pflanzen stark erhitzen und entzünden und der Wind entsprechend hineinfährt, kann sich so eine Feuerwalze rasend schnell entwickeln.

Solange es genug Sonne gibt, freuen sich die Winzer über gesunde Reben. Binnenschiffer dagegen beklagen Niedrigwasser in den Schifffahrts-Flüssen: Sie könnten auf die Trockenheit gerne verzichten, um stärkere Ladungen transportieren zu können.

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heute.de: Was sind Auslöser für Waldbrände?

Knorr: Leider sind es häufig Menschen, die durch unachtsames Verhalten Waldbrände auslösen. Es gibt tatsächlich Menschen, die selbst jetzt noch an Feldrändern grillen. Ganz schlimm sind auch Frauen und Männer, die ihre Zigarettenkippen einfach wegwerfen. Das ist einerseits sowieso eine Umweltsauerei. Und darüber hinaus und besonders jetzt ist das brandgefährlich.

heute.de: Kann eine im Wald liegende Glasscherbe auch Ursache eines Waldbrandes werden?

Knorr: Das kann nicht ausgeschlossen werden. Aber sie wird als Ursache einer Feuersbrunst oft überbewertet. Maschinen, wie ein Auto, das mit einer sehr heißen Auspuffanlage auf eine Wiese gestellt wird, oder defekte Landmaschinen können auch Brände auslösen.

heute.de: Wie gut ist die Feuerwehr in Deutschland vorbereitet?

Knorr: Sie ist sehr gut vorbereitet, weil wir ein sehr dichtes Netz an Einsatzkräften mit guter Ausstattung haben. Wir haben hierzulande mehr als eine Million Feuerwehrmänner und -frauen. In fast jedem kleinen Ort gibt es eine funktionierende Freiwillige Feuerwehr.

heute.de: Und die Ausstattung ist ausreichend?

Knorr: Ja. Probleme gibt es bei Unterstützung aus der Luft. Die Feuerwehren selbst haben gar keine Hubschrauber. Die Polizei verfügt teilweise über Hubschrauber. Wir müssen auf die Bundeswehr zurückgreifen. Aber die Zahl der verfügbaren großen Hubschrauber, die auch nennenswerte Lasten transportieren können, reicht oft nicht aus. In dieser Hinsicht war Deutschland vor Jahrzehnten schon mal besser aufgestellt.

heute.de: Wieso müssen die Hubschrauber große Lasten transportieren können?

Knorr: Bei einem Waldbrand sind 500 Liter Wasser aus der Luft nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wir brauchen bei einem Brand in einem Park ja keine Unterstützung aus der Luft. Da kann die Feuerwehr mit ein oder zwei Löschfahrzeugen hinfahren und das Feuer löschen. Hubschrauber brauchen wir in schwer zugänglichen Gebieten, wie beispielsweise in den Alpen, wo es an den Berghängen keine echten Wege mehr gibt und wegen der Hanglagen auch keine Flugzeuge eingesetzt werden können.

Die größten Wasserbehälter, die bei den Feuerwehren stationiert sind, fassen 5.000 Liter Wasser. Dafür gibt es nur einen einzigen Hubschraubertypen, die CH53. Das ist das größte Gerät, das die Bundeswehr als Hubschrauber fliegt. Viele dieser Maschinen befinden sich allerdings im Auslandseinsatz oder sind nicht einsatzklar.

Ursache für sich rasch ausbreitende Flammen sind auch ungepflegte Wälder. Der Portugiese Joao Nunes suchte eine Lösung und fand sie: aus Unterholz wird Biotreibstoff.

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Das Interview führte Katharina Sperber.

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