Sie sind hier:

Investitionen in Atomwaffen - Friedensnobelpreis enthält schmutziges Geld

Datum:

Peinlicher Vorwurf gegen den Friedensnobelpreis: Die Millionen der Alfred-Nobel-Stiftung sind unter anderem in „sehr viele“ Atomwaffen-Hersteller investiert. Das ergaben Recherchen des ZDF und der Organisation Facing Finance.

Nach Recherchen der zum diesjährigen Friedensnobelpreisträger "Ican" gehörenden NGO "Facing Finance" sind die Millionen der Alfred-Nobel-Stiftung zu einem erheblichen Teil in Fonds angelegt, die in Kohle, Tabak, Waffen und sogar Atomwaffen investieren.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Es ist ein Vorwurf, der an einem Nimbus kratzt: Nach Recherchen des ZDF und der Organisation Facing Finance sind die Millionen der Alfred-Nobel-Stiftung unter anderem in "sehr viele" Atomwaffen-Hersteller investiert. Facing Finance gehört zu den 468 Organisationen, die als Anti-Atomwaffenbündnis Ican den diesjährigen Friedensnobelpreis erhalten. Die Nichtregierungsorganisation empfiehlt, das Preisgeld nicht anzunehmen oder zu stiften.

Anlagen in Kohle, Tabak und Rüstung

Andreas Kynast
Andreas Kynast, ZDF-Hauptstadtstudio Quelle: ZDF/Jule Roehr

Die finanzmarktkritische Organisation Facing Finance hat den Jahresbericht der Nobelpreisstiftung untersucht und unter den aufgeführten Investitionen Anlagen in Kohle, Tabak und Rüstung gefunden. "Die Stiftung ist unter anderem in Atomwaffenhersteller investiert und zwar in sehr viele", sagt Thomas Küchenmeister, Vorstand von Facing Finance, dem ZDF heute journal: "Wir finden, dass das für eine Stiftung, die den Friedensnobelpreis vergibt, ein No-Go ist. Das darf einfach nicht sein."

Unter den Unternehmen, in die die Stiftung etwa über Indexfonds investiert, sind zum Beispiel Textron, Lockheed Martin und Raytheon. "Alle drei Firmen sind Teil des US-amerikanischen Atomwaffenprogramms", sagt Thomas Küchenmeister: "Wer in diese Firmen investiert, investiert in die Modernisierung von Atomwaffen. Und gerade das sollte man gerade als Nobelpreisstiftung nicht tun."

Signal an die Nobelpreisstiftung gefordert

Küchenmeister beobachtet, dass seit einigen Jahren immer mehr Investoren auf Anlagen in Waffen verzichten. Dazu zähle auch der größte Investor der Welt, der norwegische Pensionsfonds: "Insofern ist es umso erstaunlicher, dass das norwegische Friedensnobelpreiskomitee diesem Vorbild nicht folgt."

Facing Finance gehört als Teil der internationalen Anti-Atomwaffenkampagne ICAN zu den diesjährigen Empfängern des Friedensnobelpreises. Küchenmeister rät davon ab, das Preisgeld anzunehmen: "Zumindest sollte man einen Teil des Preisgelds an japanische Opfer von Atomwaffen spenden." Das sei angemessen und würde ein starkes Signal an die Nobelpreisstiftung senden, damit sie in Zukunft auf solche Investments verzichten.

Politiker fordern alternative Geldanlagen

Als "hochpeinlich für die Nobel-Stiftung" bezeichnet der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold die Investitionen. Die Nobel-Stiftung habe einen noblen Zweck, "aber dann sollte man auch das eigene Geld ökologisch und sozial verantwortlich anlegen", sagt Giegold dem ZDF. Inzwischen hätten sich viele private Unternehmen dazu entschlossen, ihre Investitionen ohne fossile Energiequellen und ohne Nuklearindustrie anzulegen: "Das kann die Nobelstiftung auch."

Auch der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Niels Annen, fordert das Nobel-Komitee auf, "das Geld anders zu investieren". Das Komitee habe für den Frieden in der Welt viel Gutes bewirkt: "Nun geht es um seine Glaubwürdigkeit", sagt Annen dem ZDF.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.