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US-Finanzmarkt - Der Klimawandel als Spekulationsobjekt

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David Burt hat während der Finanzkrise 2008 gegen den US-Hypothekenmarkt gewettet. Nun setzt er wieder gegen den Markt: mit Häusern, die mit dem Klimawandel unterzugehen drohen.

Häuser an der Küste in Boston, Massachusetts, USA
Häuser an der Ostküste der USA: Viele solcher Immobilien könnten versinken - darauf setzt Finanzspekulant Burt.
Quelle: imago

Wie damals, während der Finanzkrise 2008, hat David Burt seinen Vollzeitjob aufgegeben, um sich ganz auf seine neue Wette konzentrieren zu können. Er warf seinen Job als Portfoliomanager beim eine Billion Dollar schweren Vermögensverwalter Wellington Management 2018 hin, um die Investmentgesellschaft DeltaTerra Capital zu gründen. Sie will Kunden beim Management von Klimarisiken unterstützen. Und Vorteile nutzen, wo immer der Markt diese Gefahren noch nicht eingepreist hat.

Seine erste Anlagestrategie zielt auf Residential Mortgage Backed Securities (RMBS) ab, mit privaten Wohnimmobilien besicherte Wertpapiere. Hier konzentriert sich der Finanzprofi auf Regionen, die dem Klimawandel besonders ausgesetzt sind - etwa Texas und Florida. Damit reiht sich Burt ein in eine bislang noch überschaubare Zahl von Investoren, die der Ansicht sind, dass das Klimarisiko an den Finanzmärkten unterschätzt wird.

Klimawandel größeres Risiko als Hypothekenblase?

"Das Versagen des Marktes, die Klimawissenschaft in die Investmentanalyse zu integrieren, hat ein Phänomen der Fehlpreisbildung geschaffen, das möglicherweise größer ist als die Hypothekenkreditblase Mitte der 2000er Jahre", schrieb Burt in einer Präsentation für potenzielle Kunden. Die meisten großen Investoren stehen den Folgen des Klimawandels für ihre Portfolios skeptisch gegenüber. Oder sie argumentieren, dass sie ausreichend diversifiziert seien, um sich keine Sorgen machen zu müssen.

Es hat sich etwas aufgebaut. Und wenn die Korrektur kommt, wird sie wahrscheinlich umfangreicher sein als die Leute erwarten.
David Burt, Spekulant

Burt und drei weitere Investoren sagten in Interviews, dass sie das Klimarisiko für real halten. Forschung und Daten zeigten, dass Hurrikane, Überschwemmungen und andere Katastrophen eine weitaus größere Bedrohung darstellten als dies derzeit in den Hypothekenpapieren eingepreist sei. "Ich glaube nicht, dass es neue Klimaeffekte braucht, um zu solchen Schlussfolgerungen zu kommen", sagt Thomas Graff, der den Bereich Fixed Income beim Finanzhaus Brown Advisory leitet. Graff trennte sich von riskanteren RMBS, nachdem der Hurrikan Harvey 2017 Houston getroffen hatte.

Risiko in US-Flutgebieten völlig unterschätzt

Klimaforscher und Investoren sagen, veraltete Flutkarten der Regierung trügen dazu bei, dass Risiken auf dem US-Hypothekenmarkt unterschätzt würden. Diese Karten bestimmen die Prämien für staatlich geförderte Hausratversicherungen. Aufgrund von Budgetkürzungen wurden mehr als drei Viertel der Karten seit mindestens fünf Jahren nicht mehr aktualisiert, so die First Street Foundation, eine Organisation, die eine öffentlich zugängliche Datenbank mit aktuellen Informationen zu Hochwasserrisiken entwickelt.

Veraltete Karten bedeuten, dass weitaus weniger Menschen eine Flutversicherung haben müssen, obwohl wesentlich mehr als gefährdet gelten, sagen Investoren und Forscher. Die University of Bristol schätzt die tatsächliche Zahl auf etwa das Dreifache der 13 Millionen Amerikaner, die derzeit in ausgewiesenen Flutgebieten leben. Die Lücken sind offensichtlich: Laut Analysehaus CoreLogic waren etwa 70 Prozent aller Schäden an Häusern, die während der Überschwemmungen von Harvey überflutet wurden, nicht durch eine Versicherung abgedeckt.

Burt setzt auf erhebliche Kostensteigerungen

Die Regierung bietet die meisten Hochwasserschutz-Versicherungen in den Vereinigten Staaten an. Die Lücken bedeuten, dass das Risiko nicht angemessen bewertet wird. Die Kosten für eine durchschnittliche Versicherung in der risikoarmen Green Bay (Wisconsin) sind dreimal so hoch wie in Gulfport (Mississippi), einer vom Hurrikan Katrina verwüsteten Stadt, betont Burt.
Die Bundesbehörden wollen einige dieser Probleme mit einer größeren Risiko-Neubewertung zum 1. Oktober 2020 beheben.

Ich wette, dass viele regionale Märkte als Reaktion auf steigende Kosten im Zusammenhang mit den geografischen Risiken starke Preisrückgänge erfahren werden.
David Burt, Spekulant

Burts Wette ist, dass dies zu erheblichen Kostensteigerungen führen wird. Das könnte die Hauspreise drücken und zu Hypothekenausfällen führen. Das wiederum dürfte die Schwankungen der RMBS-Preise erhöhen. Burt erwartet eine Korrektur, die in den nächsten sechs bis 18 Monaten beginnen könnte. "Ich wette, dass viele regionale Märkte als Reaktion auf steigende Kosten im Zusammenhang mit den geografischen Risiken starke Preisrückgänge erfahren werden", sagt Burt.

Seine These birgt viele Risiken. In den vergangenen Jahren haben sich die RMBS-Preise nach Katastrophen wie Harvey wieder erholt. Der Staat hat sich mit Hilfsmaßnahmen eingeschaltet, wenn Schäden nicht durch eine Hochwasserschutzversicherung gedeckt waren. Burt glaubt dennoch an seinen Erfolg. So könnte der Wiederaufbau ausfallen, wenn es zu einem wirtschaftlichen Abschwung komme. "Es hat sich etwas aufgebaut", sagt Burt. "Und wenn die Korrektur kommt, wird sie wahrscheinlich umfangreicher sein als die Leute erwarten."

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