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IOC-Entscheidung - Russlands Sportler dürfen nur unter neutraler Flagge starten

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Das IOC hat Russland wegen des Doping-Skandals von den Winterspielen 2018 ausgeschlossen. Allerdings dürfen die russischen Sportler unter neutraler Flagge teilnehmen.

Olympische Ringe und russische Fahne
Olympische Ringe und russische Fahne Quelle: ap

Wegen Staatsdopings dürfen bei den nächsten Olympischen Winterspielen keine Athleten unter russischer Flagge antreten. Russland werde von den Spielen im südkoreanischen Pyeongchang im Februar ausgeschlossen, russische Athleten dürften aber unter strengen Auflagen unter der olympischen Flagge antreten, teilte das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Dienstagabend in Lausanne mit.

Lebenslanges Verbot für Vize-Regierungschef Mutko

Witali Mutko
Witali Mutko Quelle: ap

Gegen den lange Zeit für den Spitzensport zuständigen russischen Vize-Regierungschef Witali Mutko wurde ein lebenslanges Olympia-Verbot ausgesprochen. Russlands Dopingprogramm sei ein "beispielloser" Angriff auf Olympia, erklärte der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach. Er bedauere alle "sauberen Athleten" anderer Länder, die Opfer der russischen Manipulation geworden seien.

Dem IOC liegen Beweise vor, dass russischen Sportlern mit einem staatlich unterstützten Dopingprogramm zu Medaillengewinnen verholfen wurde. Zentrale Erkenntnisse finden sich im sogenannten McLaren-Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), der nach dem kanadischen Juristen Richard McLaren benannt ist. Ausgelöst wurde der Skandal im Mai 2016 durch den Whistleblower Grigorij Rodtschenkow, den ehemaligen Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors.

Bach: "Ein beispielloser Angriff auf die Olympische Bewegung"

Das IOC hatte zwei Ausschüsse eingesetzt, um die Dopingvorwürfe gegen Russland noch genauer zu untersuchen. Eines der Gremien unter Vorsitz des Schweizers Samuel Schmid untersucht die Verstrickungen des Staates in das Doping-Programm. Ein anderer Ausschuss unter dem IOC-Mitglied Denis Oswald prüft die individuelle Beteiligung von Athleten und verhängte bereits eine Reihe von Sanktionen: Das russische Olympia-Team bei den Winterspielen 2014 im russischen Sotschi musste elf von 33 Medaillen zurückgeben und verlor damit seinen Spitzenplatz im Länder-Vergleich.

"Es war ein beispielloser Angriff auf die Integrität der Olympischen Bewegung und des Sports", sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Darum habe das IOC-Exekutivkomitee ausgewogene Sanktionen für die systematische Manipulation ausgesprochen. "Dies soll einen Strich unter die schädigende Episode ziehen und als Katlaysator für einen von der WADA geleiteten effektiveren Anti-Doping-Kampf dienen", sagte Bach weiter. IOC-Ermittler Samuel Schmid sagte: "Wir haben einen solchen Betrug noch niemals gesehen."

Es tue ihm sehr leid für alle Athleten, die unter dieser Manipulation gelitten hätten, ergänzte Bach: "Wir werden nun mit der IOC-Athletenkommission nach Möglichkeiten suchen, um die Momente wieder aufleben zu lassen, die sie auf der Ziellinie oder auf dem Podium verpasst haben."

Putin: "Erniedrigung"

Vor der Entscheidung des IOC hatte Russlands Staatschef Wladimir Putin vor einer "ernsthaften Schädigung der olympischen Bewegung" gewarnt. Es gebe "zwei Optionen". "Entweder Russland zu zwingen, unter neutraler Flagge anzutreten, oder es überhaupt nicht zu den Olympischen Spielen zuzulassen", erklärte Putin. "Jede ist eine Erniedrigung für das Land". Die nun gefällte IOC-Entscheidung überschattet auch Russlands Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr. Der nun auf Lebenszeit ausgeschlossene Mutko steht dem Organisationskomitee der Fußball-WM vor.

In Südkorea wird es also keine russisches Mannschaft, keine russische Hymne und keine russische Flagge geben. Das russische olympische Komitee ROC wurde suspendiert, russische Sportler dürfen nur als neutrale Athleten starten - wenn sie nachweisen können, dass sie nicht Teil des Dopingsystems waren. Die Entscheidungen darüber treffen nicht wie vor den Sommerspielen 2016 in Rio die Fachverbände, sondern die neu geschaffene unabhängige Behörde für Doping-Testverfahren ITA.

NADA-Chefin: "Traurig, dass dies notwendig war"

Die deutsche Nationale Anti Doping Agentur (NADA) hat die Sanktionen gegen Russland begrüßt. "Die Entscheidung ist ein klares Signal für den sauberen Sport. Das IOC hat umfangreiche Maßnahmen erarbeitet. Die Entscheidung stellt einen Wendepunkt mit einer deutlichen Aussage des IOC für faire Wettbewerbe dar: Doping wird nicht toleriert", sagte die NADA-Vorsitzende Andrea Gotzmann.

Genugtuung verspürt Gotzmann aber nicht. "Von Zufriedenheit kann man aber nicht sprechen. Es ist traurig, dass eine solche Entscheidung notwendig war. Wir müssen unsere Arbeit nun noch weiter intensivieren für die Chancengleichheit aller Athletinnen und Athleten", sagte Gotzmann.

Chronologie des russischen Dopingskandals seit 2014

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