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Ackerbrände im Irak - Hunderte Felder vernichtet - viele mit böser Absicht

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Nach Jahren der Dürre im Irak könnten Bauern wieder große Ernten einfahren. Doch mehr als 300 Brände zerstörten bei vielen die Hoffnung auf Erholung. Hunderte Familien flohen.

Feldbrände im Irak
Quelle: ZDF

Die Erde ist schwarz, überall Asche. Das, was sich Taher Abdullah Jassim anschauen muss, war einmal sein Weizenfeld. "Ein Kurzschluss hat das Feuer ausgelöst. Die Regierung sorgt sich nicht darum, die Stromversorgung zu modernisieren", sagt er.

Dieses Feld, rund 200 Kilometer nördlich von Bagdad, ist nur ein Beispiel. Zwischen Anfang Mai und Mitte Juni haben viele Ackerflächen im Nordirak gebrannt, vor allem Weizen und Gerste, zwei der wichtigsten Getreidesorten. Laut Regierung wurden rund 10.000 Hektar zerstört. Der irakische Zivilschutz spricht sogar von mehr als 45.000 Hektar. Eine Fläche, die 63.000 Fußballfeldern entspricht. Oft fehlt es an Löschgeräten, die Feuerwehr ist nicht immer rechtzeitig zur Stelle.

Feuer als Waffe

Stromunfälle sind dabei nur ein Teil des Problems. Dutzende der Feuer wurden absichtlich gelegt, auch von Mitgliedern der Terrormiliz "Islamischer Staat". Sie wollen Schutzgelder erpressen oder sich dafür rächen, dass Väter ihre Söhne nicht in den Kampf schicken.

Feldbrände im Irak
Quelle: ZDF

Mancher Landwirt vermutet jedoch noch andere Kräfte am Werk: schiitische Milizen, die nicht der Führung in Bagdad unterstehen, sondern deren Loyalität dem iranischen Regime gilt. Seit Jahren hat das Nachbarland seinen Einfluss im Irak ausgeweitet. Dazu haben ausgerechnet die USA beigetragen, als sie 2003 Diktator Saddam Hussein stürzten und Iran damit das Einfallstor öffneten. Heute ist der Irak nach China der wichtigste Handelspartner Irans, dessen Einfluss bis ins irakische Parlament reicht. Der Handel mit Strom, Gas und Lebensmitteln hat ein Volumen von 12 Milliarden US-Dollar, bald sollen es 20 Milliarden sein. Geld, das Iran angesichts der Sanktionen der USA dringend benötigt.

Eine Entwicklung, die irakische Landwirte mit Argwohn beobachten. Sie fühlen sich von ihrer Regierung im Stich gelassen, werfen ihr vor, Gemüse und Lebensmittel aus anderen Staaten zu fördern, anstatt die heimische Produktion zu unterstützen: Gemüse und Obst aus Iran oder der Türkei, Zwiebeln aus Georgien, irakische Datteln konkurrieren mit iranischen. Vor allem die günstigen Preise für die Importware machen Landwirten und Händlern zu schaffen.

Wenn wir Aprikosen verkaufen, bieten sie auch die Aprikosen aus dem Ausland an. Will jemand das Land zerstören?
Abdul, irakischer Händler

"Wenn wir Tomaten auf dem Markt anbieten, warum kommen dann auch die importierten?", beschwert sich Abdul, ein Händler auf einem Markt in Bagdad. "Wenn wir Aprikosen verkaufen, bieten sie auch die Aprikosen aus dem Ausland an. Will jemand das Land zerstören?"

Die Einnahmen reichen kaum noch

3.000 Dinar (etwa 2,20 Euro) hat Abdul einmal für ein Kilo Aprikosen verlangt, inzwischen muss er sie wegen der Billigkonkurrenz aus dem Ausland für 250 Dinar verkaufen. Allein die Transportkosten liegen bei 1.000 Dinar für eine Gemüsebox. Die Unsicherheit, wie er künftig die Miete für seinen Laden bezahlen soll, ist groß. Andere haben bereits aufgegeben.

Die Serie der Brände beginnt immer dann, wenn der Irak ankündigt, dass er bei einem bestimmten Produkt selbst genug hat.
Ali Al-Bedeery, Parlamentsmitglied im irakischen Landwirtschaftsausschuss

Dass nun so viele Ackerflächen auf einmal brennen, bietet den Nährboden für zahlreiche Vermutungen und Verschwörungstheorien. "Die Serie der Brände beginnt immer dann, wenn der Irak ankündigt, dass er bei einem bestimmten Produkt selbst genug hat", erklärt Ali Al-Bedeery, Parlamentsmitglied im Landwirtschaftsausschuss. Er vergleicht die Brände mit terroristischen Aktionen und glaubt, dass die Feinde Iraks mit internationaler Unterstützung wirtschaftliche Stabilität und Wohlstand seines Landes verhindern wollen.

Frustration kann schnell in Gewalt umschlagen

Das zeigte sich vergangenen Sommer, als es im Südirak zu heftigen Protesten kam. An den Demonstrationen gegen Korruption, fehlendes Trinkwasser und den iranischen Einfluss in der Region beteiligten sich auch Bauern, die der Regierung vorwarfen, sie zugunsten anderer Staaten schädigen zu wollen. In Basra steckten Demonstranten das iranische Konsulat in Brand, verbrannten iranische Flaggen. Auch weil Teheran bei extremer Hitze die Stromversorgung gedrosselt hatte. Die Begründung damals: Der Bedarf sei wegen der Hitze im eigenen Land gestiegen. Der Irak hätte zudem eine Stromrechnung nicht bezahlt.

Viele der betroffenen Landwirte wissen indes nicht, wie ihre Zukunft aussieht. Das Feuer schädigt die Böden oft nachhaltig. Und es geht nicht nur um ihr eigenes Schicksal. Millionen von Menschen sind von der Ernte der Bauern abhängig, um sich zumindest mit dem Nötigsten zu versorgen. Und so ist die Konfliktpalette noch länger geworden: Der Kampf um Ressourcen wie sauberes Trinkwasser und Nahrung dürfte Auseinandersetzungen im Irak und der gesamten Region künftig weiter verschärfen.

Tom Palluch ist ZDF-Reporter.

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