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Trumps Iran-Entscheidung - US-Rückzug verunsichert deutsche Firmen

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Geht es nach dem US-Botschafter Grenell, müssen deutsche Firmen nach dem US-Ausstieg aus dem Atom-Deal ihre Geschäfte mit Iran sofort beenden. Wäre das wirklich so schlimm?

Deutsche Unternehmen bangen um den vielversprechenden Iran-Handel. "Die deutsche Industrie bedauert den Rückzug der USA aus dem so mühselig und langwierig verhandelten Atomabkommen zutiefst", kommentierte Dieter Kempf, der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Die Hoffnungen der Unternehmen liegen nun bei der EU. Sie soll einen Weg finden, den Atom-Deal zu retten und neue Embargos zu umgehen. Der Hintergrund ist klar: Das Atomabkommen öffnete ihnen einen lange versperrten Markt.

Mitte der 2000er-Jahre lieferten deutsche Unternehmen Waren im Wert von rund fünf Milliarden Euro nach Iran. Doch dann brach der Handel ein: Die Weltgemeinschaft zog die Daumenschrauben an, verhängte Ein- und Ausfuhrverbote. Darunter fielen Waffen, Anlagen, die zum Bau der Atombombe verwendet werden könnten, oder auch Telekommunikationssysteme. Zudem durften deutsche Unternehmen nicht mehr in die Öl- und Gasindustrie investieren. Lieferungen in beide Richtungen wurden entsprechend kontrolliert.

2012 verschärfte die EU ihre Sanktionen nochmals: Sie verbot nun auch Exporte für den Schiffbau, die Lieferung bestimmter Metalle und Materialien für die Öltechnologie. Die deutschen Ausfuhren schrumpften 2013 auf rund 1,8 Milliarden Euro.

Gesamtwirtschaftlich unbedeutender Handelspartner

2016 erholten sich die Handelsbeziehungen zu Iran. Das Atomabkommen mit Iran, das ein Jahr zuvor zustande gekommen war, erlaubte die Lockerung der Sanktionen. Der Wert deutscher Exporte stieg wieder - 2017 lag er bei 3,4 Milliarden Euro. Peanuts, verglichen mit der Summe aller deutschen Exporte: 2017 betrugen diese 1.279 Milliarden Euro. Gesamtwirtschaftlich gesehen ist Iran für Deutschland bislang ein unbedeutender Handelspartner. Iran hat hier momentan mehr zu verlieren. Das Land habe "aufgrund seiner Ölexporte wesentlich mehr profitiert als das deutsche Exportgeschäft", sagt Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. (BGA).

Freilich hängt an den wirtschaftlichen Beziehungen mehr als bloße Exportzahlen aus der Vergangenheit. Deutschland ist einer der wichtigsten europäischen Handelspartner Irans. Die Politik hofft, dass sich das unberechenbare Land auch durch wirtschaftliche Verflechtungen zähmen lässt. Sie sieht, so wie die Wirtschaft, das riesige Potential Irans - immerhin ein Land mit etwa 80 Millionen Einwohnern, der Großteil jung und gut gebildet.

"Das Land braucht innovative Produkte", fasst es Gunter Wilken vom Softwareunternehmen Vienna Advantage zusammen. Deswegen hoffen nun alle darauf, dass zumindest die EU einen Weg findet, die frisch geknüpften Bande hinter dem Atom-Deal zu retten. Kanzlerin Angela Merkel betonte denn auch: "Wir werden diesem Abkommen verpflichtet bleiben."

US-Botschafter fordert Abbruch der Geschäftsbeziehungen  

Die Sorgen der Unternehmen wird das aber kaum lindern, denn wer weiter mit Iran handelt, wird sich den Zorn der USA zuziehen. Der frischgebackene US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, forderte schon einmal vorsorglich, deutsche Unternehmen sollten ihre Geschäfte mit Iran sofort einstellen.

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Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), ereiferte sich zwar, dass es nicht Grenells "Aufgabe sein kann, deutschen Firmen Anweisungen zu geben oder zu drohen". Und auch Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire bezeichnete es als "nicht hinnehmbar", dass sich die USA als "Wirtschaftspolizist für die Welt" aufführten. Angesichts eines US-Präsidenten, der deutschen Autobauern und Stahlkochern aus ganz anderen Gründen Strafzölle abknöpfen will, erscheint das aber eher wie das Pfeifen im Walde.

Handeln: Entweder mit USA oder Iran

Zumal der Iran-Handel auch schon vor Donald Trumps Aufkündigung des Atom-Abkommens einem Eiertanz glich. So erklärt Frank-Michael Rösch, Geschäftsführer der niedersächsischen BBR Rail Automation, dass sein Unternehmen seit 2011 versuchte, Geschäfte in Iran zu machen. Mit dem Wegfall der Sanktionen intensivierte das Unternehmen für Verkehrstechnik seine Bemühungen. Gleichzeitig handelte das Unternehmen aber auch in den USA: "In dieser Situation wollten wir das Geschäft nicht durch Aktivitäten gefährden, wo wir nicht wissen, inwieweit das im Einklang mit amerikanischen Vorstellungen ist."

Für Rösch hieß es: entweder Iran oder USA. Das war für ihn "schwer nachvollziehbar, weil es auch eine ganze Reihe von großen amerikanischen Firmen gibt, die sehr gute Geschäfte mit Iran machen". Letztlich entschied sich sein Unternehmen aber für das US-Geschäft. Es versprach mehr Umsatz.

Diese Firmen sind von Iran-Sanktionen betroffen:

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