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Iran vor US-Sanktionen - Teheran trotzt dem Druck aus Washington

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Die einen zeigen sich unbeeindruckt - wie die Regierung in Teheran. Andere aber haben Angst vor der Zukunft. Ab Montag sollen die US-Sanktionen den Iran mit voller Härte treffen.

Demonstration vor der US-Botschaft in Teheran, Iran
Demonstration vor der US-Botschaft in Teheran, Iran
Quelle: ap

"Seit 40 Jahren leben wir mit den Sanktionen, und wir hatten keine Probleme damit. Und jetzt haben wir auch keine", sagt Schahbanu Jafari trotzig. Verhüllt in einen langen, schwarzen Tschador ist sie mit ihrer Schwester zur Großdemonstration in Teheran gekommen. Tausende wurden in Bussen aus dem ganzen Land von Irans Führung vor die ehemalige US-Botschaft gekarrt.

Jedes Jahr wird dort an die Erstürmung der Botschaft im Revolutionsjahr 1979 erinnert. Damals begann die Todfeindschaft zwischen den USA und der neuen religiösen Führung des Iran unter Ayatollah Chomeini. Doch heute, angesichts der neuen US-Sanktionen gegen den Iran, wurden ein paar Busse zusätzlich aufgeboten, um die Propagandaveranstaltung zu einem Fanal gegen den Erzfeind zu machen.

"Maximaler Druck" erwartet

Der gibt sich hart und unnachgiebig. Maximaler Druck bedeute eben maximaler Druck - so beschrieb US-Außenminister Mike Pompeo am Freitag in Washington, was die Führung in Iran ab Montag erwartet. Aber eben nicht nur die Führung, sondern tatsächlich ein ganzes Volk.

Ab 6 Uhr mitteleuropäischer Zeit werden alle Regierungen, Firmen und Einzelpersonen, die mit dem Iran Öl-, Bank- oder Geschäfte im Schifffahrtssektor machen, von den Vereinigten Staaten bestraft. Dies seien, so erklärten es Pompeo und US-Finanzminister Mnuchin unisono, die notwendigen Ergänzungen der bereits seit Juni geltenden Strafmaßnahmen. Sie sollten den Iran zwingen, sich wieder "wie ein normaler Staat zu verhalten".

Teheran gibt sich nach außen unberührt

Ziel der Sanktionen ist es, die Haupteinnahmequelle der iranischen Volkswirtschaft, das Öl, schrittweise zum Erliegen zu bringen. Ausgenommen vom Ölhandel seien zunächst acht Staaten, denen es weiter erlaubt sei, aus besonderen Gründen Öl aus dem Iran zu beziehen. Darunter befindet sich scheinbar auch der Nachbar Türkei. Für die EU, betonte Mnuchin, gelte diese Ausnahmeregelung nicht. Man sei zudem mit den Europäern im Gespräch, um zu verhindern, dass diese das Sanktionssystem unterlaufen, indem sie ein gesondertes Finanzierungssystem schaffen, um eigenen Firmen weiter den Handel mit dem Iran zu ermöglichen.

Tausende protestieren gegen die USA und Israel

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Die USA erhöhen merklich den Druck, doch die Führung in Teheran gibt sich zumindest nach außen unberührt. Beim Freitagsgebet in der Teheraner Universität drohte der Vorbeter den USA erneut mit Gegenmaßnahmen, beschuldigte sie des Vertragsbruchs und versprach, dass sich das iranische Volk dem Druck nicht beugen werde. Das Volk aber zürnt wegen des wachsenden Drucks und einer sich dramatisch verschlechternden Wirtschaftslage weniger der Regierung in Washington, als eher der Halsstarrigkeit der eigenen Politiker.

Wirtschaft lange auf Talfahrt

Lange vor der Ankündigung von US-Präsident Trump im Mai, aus dem Atomabkommen auszusteigen und die seit 2015 ausgesetzten Sanktionen gegen Teheran in zwei Schritten wieder zu reaktivieren,  befand sich die iranische Wirtschaft und mit ihr die iranische Währung auf Talfahrt. Korruption, Misswirtschaft und die teuren militärischen Engagements des Iran in Syrien, im Jemen oder im Libanon hatten die Unzufriedenheit vieler BürgerInnen steigen lassen. Im Januar regte sich Protest, erneut drohte eine innenpolitische Krise, doch dann kam Trump, und seitdem kämpfen viele Iraner mehr ums tägliche Überleben als gegen die eigene politische Führung.

Der Wert des iranischen Rial ist seit Jahresbeginn dramatisch gefallen und liegt nun bei rund 160.000 Rial für einen Euro. Die Preise für viele Güter des täglichen Lebens sind gestiegen, vor allem, wenn dafür Rohstoffe oder Bauteile aus dem Ausland eingeführt werden müssen.

Menschen sehen Flucht als Ausweg

"Wir sehen nicht, wie wir unseren Kindern eine bessere Zukunft im Iran bieten sollen, wenn das Leben täglich schwerer wird", sagt die Oberärztin Bahar Mehrabi im nordiranischen Tabriz. Der Wert ihres für iranische Verhältnisse guten Arztgehaltes von ehemals rund 500 Euro im Monat sei um die Hälfte gesunken. "Wir gehören zum Mittelstand", sagt Bahar, "wie geht es dann erst denen, die viel weniger haben als wir?" Sie schmiedeten Pläne, ins Ausland zu gehen. Das täte zwar weh, sagt sie, "aber wir werden bald keine andere Chance haben als zu gehen".

Jörg Brase ist Leiter des ZDF-Studios in Istanbul und berichtet dabei regelmäßig aus dem Iran.

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