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Iran: Krise trotz Wachstum - Der Aufschwung kommt nicht bei allen an

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Die wirtschaftliche Situation in Iran ist prekär, die Bevölkerung protestiert. Doch eine schnelle Abhilfe gibt es nicht, so Iran-Experte Adnan Tabatabai im makro-Interview.

Seit der Lockerung der Sanktionen sprudelt das Öl in Iran wieder. Die Wirtschaft wächst. 2018 wird ein Plus von 3,8 Prozent erwartet. Doch nicht alle profitieren. Jeder Fünfte gilt weiterhin als arm.

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makro: Wie stark leidet Iran an einer Wirtschaftskrise und wie äußert sich diese Krise?

Adnan Tabatabai: Die Wirtschaft Irans steht zwar vor keinem Kollaps, aber vor einer Reihe gravierender Probleme. Hier sind zunächst systemische zu nennen: Der Finanz- und Bankensektor ist nach vielen Jahren der sanktionsbedingten Isolation kaum international anschlussfähig. Internationale Transaktionen sind selbst nach dem Nuklearabkommen nur bedingt möglich, und die iranische Währung Rial bleibt sehr schwach.

Die Inflationsrate hat sich zwar stark verbessert, bleibt aber bei etwa zehn Prozent. Übertragen auf die Bevölkerung äußert sich das in einer geringen Kaufkraft des durchschnittlichen Bürgers und einer hohen Arbeitslosigkeit besonders unter jungen Menschen. Das darauf erwachsende Empfinden der sozialen Ungerechtigkeit mündet dann bisweilen in Protestwellen, wie wir sie zu Beginn dieses Jahres gesehen haben.

makro: Mit welchen Wirtschaftsreformen will Staatspräsident Rohani Armut, Arbeitslosigkeit und Inflation bekämpfen?

Tabatabai: Viele Wohlfahrtsorganisationen, auch staatlich finanzierte, nehmen sich der Armen an. Aber es wird keine nachhaltige Armutsbekämpfung betrieben. Die Arbeitslosigkeit möchte Hassan Rohani vor allem über die Investitionen aus dem Ausland etwa in Infrastrukturprojekte, der Öl- und Gasindustrie, Transport und Tourismus erreichen. Doch bis diese neu angesetzten Projekte Arbeitsplätze generieren, vergehen bisweilen Jahre.

Es wird zudem versucht, die Hochschullandschaft enger mit der Industrie zu vernetzen, um der Asymmetrie von hochqualifizierten Hochschulabsolventen und einer sehr geringen Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes entgegenzuwirken. Die Senkung der Inflationsrate von knapp 40 auf rund zehn Prozent ist eine der wenigen Erfolge der Rohani-Regierung.

makro: Wirtschaft, Staat und Islam sind stark verflochten. Wie sehr fördert das die Korruption?

Tabatabai: Hier sind religiöse Stiftungen zu nennen. Sie werden sehr stark staatlich bezuschusst - natürlich auch aus machtpolitischer Erwägung. Und selbst, wenn diese Stiftungen nicht korrupt sind, so sind sie auf jeden Fall steuerbefreit und nicht reportpflichtig. Aus den Stiftungen sind richtige Unternehmen erwachsen, die profitabel wirtschaften, aber keinerlei Steuern zahlen. Hier gehen horrende Staatseinnahmen verloren. Dem möchte Hassan Rohani etwas entgegensetzen. Natürlich wehren sich die Nutznießer und stellen ihrerseits Forderungen. Das erfordert einen zähen Aushandlungsprozess, der seinerseits den Genesungsprozess der iranischen Wirtschaft verlangsamt.

makro: Präsident Rohani überraschte kürzlich mit dem Vorhaben, Staatsunternehmen zu privatisieren - auch Firmen, die vom Militär und den mächtigen Revolutionsgarden kontrolliert werden. Religionsführer Ali Chamenei soll sich ähnlich geäußert haben. Wie glaubwürdig ist das?

Tabatabai: Ich halte das durchaus für glaubwürdig. Denn auch dem Revolutionsführer und der Führungsriege der Revolutionsgarden ist am wirtschaftlichen Wachstum des Landes etwas gelegen. Schließlich wären auch sie machtpolitisch und wirtschaftlich Nutznießer davon. Es stellt sich aber die Frage, welche Umstrukturierungen im Land notwendig sind, damit dieses an Auslandsinvestitionen geknüpfte Wachstum erfolgen kann. Privatisierung muss mehr Fairness und Transparenz bedeuten. Doch die wird nur erreicht, wenn die bisherigen Profiteure ausreichend Anreize dafür bekommen, ihre unangefochtene Position im Markt herzugeben. Der Privatisierungsprozess ist hoch kompliziert und läuft daher sehr schwerfällig.

makro: Im Maschinenbau kommt bereits jede zweite Anlage aus China. Auch im Öl- und Gasgeschäft ist China einer der größten Investoren. Braucht Iran den Westen noch?

Tabatabai: Iran kann mit seinen Wirtschaftspartnern aus dem Osten - also Russland, China und Indien zweifelsohne überleben. Doch man ist dann abhängig von ihnen. Das Nuklearabkommen und die wirtschaftliche Öffnung gen Westen zielen im Kern darauf ab, mit West und Ost Handelsbeziehungen pflegen zu können. Dies würde das Land natürlich auch politisch unabhängiger machen. Doch mit der Haltung der USA zum Nuklearabkommen scheuen westliche Unternehmen weiterhin vor dem iranischen Markt zurück. Dies bietet chinesischen und indischen Firmen einen Vorsprung im Markteintritt.

Das Interview führte Eva Schmidt

Knapp 44 Prozent der Iraner sind unter 25 Jahren. Viele davon sind arbeitslos, haben kein Geld für Essen. Deswegen protestiert gerade die Jugend gegen das Regime und fordert bessere Lebensbedingungen.

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