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Konflikt mit dem Iran - Krieg oder kein Krieg? Trumps Zwickmühle

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Trump steckt im Dilemma. Ein Militärschlag gegen den Iran könnte seine Wiederwahl gefährden, kein Militärschlag seinen Ruf als starker Mann. Eine Analyse.

US-Flugzeugträger im Persischen Golf. Archivbild
US-Flugzeugträger im Persischen Golf.
Quelle: Seaman Nicholas Boris/US Navy/dpa

Was zuletzt passiert ist

  • Am 13. Juni werden (nicht zum ersten Mal) mutmaßliche Angriffe auf Tanker gemeldet, die im Golf von Oman vor der Küste des Irans Notrufe absetzen. Die Hintergründe sind unklar, es gibt gegenseitige Schuldzuweisungen aus Teheran und Washington.
  • Die Spannungen spitzen sich in der Nacht zum Donnerstag dramatisch zu, nachdem der Iran eine amerikanische Aufklärungsdrohne abgeschossen hatte. Über den genauen Abschussort machen der Iran und die USA unterschiedliche Angaben.
  • Als Reaktion genehmigt Trump Vergeltungsschläge gegen Iran, rudert im letzten Moment aber zurück.

Es war wohl haarscharf. US-Präsident Trump genehmigt einen Militärschlag gegen den Iran, zieht dann - in letzter Minute sozusagen - wieder zurück und begründet dies später damit, dass 150 zu erwartende Todesopfer bei einem Vergeltungsschlag der USA in keinem Verhältnis zum Abschuss einer unbemannten US-Drohne durch den Iran stünden.

Für die einen ist Trumps Rückzieher ein weiterer Beleg für die Unberechenbarkeit dieses US-Präsidenten. Für andere war die Entscheidung, nicht eisern an bereits Beschlossenem festzuhalten und einen folgenschweren Militärschlag nicht vorschnell zu befehligen, höchst umsichtig.

Nur eine Inszenierung?

"Unser Militär ist einsatzbereit", twittert Trump am Freitag. "Ich bin nicht in Eile." Auch denkbar, dass der Präsident seine Last-Minute-Entscheidung inszeniert hat, um dem Iran einmal mehr zu signalisieren, dass er jeder Zeit zuschlagen kann - wenn nicht heute, dann vielleicht morgen oder nächste Woche.

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Donald Trump möchte keinen Krieg mit dem Iran - das hatte er in der Vergangenheit immer wieder betont. Das passt zu seiner Linie, die er seit Beginn seiner Präsidentschaft verfolgt, nämlich die Einsätze von US-Soldaten im Nahen Osten zu beenden: Im Irak, in Syrien und Afghanistan hat Trump während seiner bisherigen Amtszeit bereits Truppen reduziert.

Krieg würde Wiederwahl gefährden

Es war auch ein Versprechen an seine Wähler, an seine treue Basis, Schluss zu machen mit der Rolle als Weltpolizei. "America First" bedeutet schließlich, sich in erster Linie um sich selbst zu kümmern. Trump möchte wiedergewählt werden: Erst am Dienstag hatte er in Orlando, Florida, offiziell seinen Wahlkampf eingeläutet - ein Militärschlag würde die "Mission Wiederwahl 2020" gefährden.

Außerdem weiß Trump: Selbst eine kurze US-Militäraktion gegen den Iran könnte die gesamte Region in Mitleidenschaft ziehen. Nicht nur, dass der Iran in der Lage wäre, im Gegenzug US-amerikanische Stützpunkte in seiner Nachbarschaft zu treffen. Auch der Ölhandel am Persischen Golf käme durch einen Krieg zum Erliegen - mit wohl schweren Auswirkungen auf den Ölpreis. Auch Verbraucher in den USA wären betroffen.

Trump in der Zwickmühle

Auf der anderen Seite will Trump aber seinen Ruf als "starker Mann" nicht gefährden. Reagiert er auf die Provokationen des Iran zwar mit scharfer Rhetorik, aber nicht mit deutlichen Taten, könnte das Regime in Teheran dies als Signal verstehen, das US-Militär folgenlos angreifen zu können.

Ein Militärschlag ist also keine gute Option, nichts tun ebenso wenig. Also könnte Trump versuchen, seinen Gegner mit weiteren Wirtschaftssanktionen noch mehr zu strangulieren. Aber ob das hilft, um den Iran in dieser bedrohlichen Lage zum Einlenken zu bringen, um ihn vielleicht sogar zu bilateralen Verhandlungen mit den USA zu bewegen? Kaum vorstellbar: Das Regime in Teheran ist nicht dafür bekannt, unter Druck nachzugeben. 

Geht es nach Trump, gibt es keinen Krieg. Aber er will ein aus seiner Sicht besseres Atomabkommen, Iran soll sein Atomprogramm einschränken und sich aus regionalen Kriegen zurückziehen. Doch bis jetzt haben der US-Präsident und seine Regierung kein Rezept gefunden, mit dem das sicher gelingen kann.

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