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Gegen Atomabkommen verstoßen - Iran will Uran stärker anreichern

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Der Iran setzt sich über einen weiteren Teil des Atomvertrags von 2015 hinweg - mit der stärkeren Anreicherung von Uran. Grund seien US-Präsident Trumps Sanktionen.

Iran hat angekündigt, gegen weitere Auflagen des Atomabkommens verstoßen zu wollen. Das Land nahm leistungsstarke Zentrifugen zur Urananreicherung in Betrieb.

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Der Iran hat Gaszentrifugen in Betrieb genommen, die Uran deutlich stärker anreichern können, als im Atomvertrag von 2015 vereinbart. Es werde an moderneren und schnelleren Zentrifugen gearbeitet, um die Urananreicherung schneller und effektiver zu machen, gab der Sprecher der iranischen Atomorganisation (AEOI), Behrus Kamalwandi, am Samstag bekannt. "

Die Zusammenarbeit mit der internationalen Atombehörde werden wir aber auch in dieser neuen Phase weiterführen und auch den Zugang von IAEA-Inspektoren zu den Anlagen nicht einschränken", sagte Kamalwandi.

Schrittweise aus Abkommen zurückgezogen

Der Iran hat sich schrittweise aus dem internationalen Atomabkommen von 2015 zurückgezogen und jetzt die dritte Phase eingeleitet. Nach Angaben von Präsident Hassan Ruhani soll die iranische Atomenergiebehörde alles in Angriff nehmen, was für den Ausbau der nationalen Atomtechnologie und für die Forschung notwendig ist.

Die USA waren 2018 einseitig aus dem Atomabkommen ausgestiegen. Sie wollen den Iran mit Sanktionen zwingen, ein neues Abkommen mit härteren Auflagen auszuhandeln. Die anderen Vertragspartner, darunter auch Deutschland, Frankreich und Großbritannien, versuchen, die Vereinbarung zu retten.

Kurz vor Atomwaffen-Reinheit

Die Regierung in Teheran versichert zwar, sie wolle das Abkommen trotz des Ausstiegs der USA im vergangenen Jahr retten, missachtet aber mittlerweile selbst drei zentrale Auflagen darin. Eine begrenzt die Lagerbestände von angereichertem Uran, eine zweite beschränkt die Uran-Anreicherung auf maximal 3,67 Prozent.

Auf 20 Prozent angereichertes Uran - der Wert, den Teheran mit seinen jetzt eingesetzten Zentrifugen erreichen könnte - ist nach Ansicht von Experten nur noch einen technischen Schritt von der für Atomwaffen erforderlichen Reinheit von 90 Prozent entfernt. Uran anzureichern bedeutet, die Konzentration des Isotops Uran-235 zu erhöhen. Das ist jene Atomart, die eine nukleare Reaktion antreiben kann. Anreicherung bedeutet im Grunde, Atome eines anderen Isotops, Uran-238, zu entfernen.

Größten Teil des Weges geschafft

Wenn Uran abgebaut wird, kommen typischerweise auf jedes Uran-235-Atom etwa 140 Atome des unerwünschten Isotops, wie Christopher Chyba von der Universität Princeton erklärt. Eine Anreicherung auf einen Anteil von 3,67 Prozent spaltbaren Materials bedeutet, für jedes Uran-235-Atom 114 unerwünschte Uran-238-Atome zu entfernen.

Die Reinheit auf 20 Prozent zu erhöhen, bedeute, 22 weitere unerwünschte Isotope pro Uran-235-Atom zu entfernen, sagt Chyba. Für eine weitere Steigerung auf 90 Prozent Reinheit müssten dann nur noch vier weitere pro Uran-238-Atom entfernt werden. Wenn man eine Reinheit von 20 Prozent erreicht habe, habe man den größten Teil des Wegs zu 90 Prozent geschafft, sagt er.

Höhe der bisherigen Anreicherung unbekannt

Der Oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, sagte Berichten zufolge schon im Mai, 20 Prozent zu erreichen sei der schwierigste Teil. "Die nächsten Schritte sind einfacher als dieser Schritt", wurde Chamenei zitiert. Es ist nicht bekannt, dass der Iran bislang auf mehr als 20 Prozent angereichert hat. Der Sprecher der Atomenergiebehörde, Behrus Kamalwandi, hat gesagt, eine Anreicherung bis zu 20 Prozent sei für den Betrieb eines Forschungsreaktors in Teheran nötig.

Laut Matthew Bunn von der Harvard-Universität kann die für eine Erreichung von 3,67 Prozent eingesetzte Zentrifugentechnik auch eingesetzt werden, um die Anreicherung auf 90 Prozent hochzutreiben. Wenn der Iran einmal über eine ausreichende Menge auf 20 Prozent angereichertes Uran verfüge, würde es nur noch Wochen bis zum Bau einer Bombe dauern, wenn das Land sich dafür entscheide. Die für eine Bombe erforderliche Menge hochangereicherten Urans "könnte die Größe einer sehr großen Grapefruit haben", sagt er.

Atomabkommen verzögerte Entwicklung

Der Iran hat nach eigener Darstellung nie Atomwaffen angestrebt. Westlichen Regierungen und Experten zufolge war er aber vor dem Atomabkommen von 2015 in der Lage, innerhalb weniger Monate genug Uran für eine Bombe anzureichern. Die US-Regierung des damaligen Präsidenten Barack Obama, die das Atomabkommen aushandelte, sagte, sie habe durch die in der Vereinbarung verankerten Auflagen diese Frist auf ein Jahr oder länger ausgedehnt.

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