ZDFheute

Irischer Premier: Briten haben Irland unterschätzt

Sie sind hier:

Countdown zum Brexit - Irischer Premier: Briten haben Irland unterschätzt

Datum:

Kurz vor dem Brexit zieht Irlands Premier Varadkar Bilanz zu den Gesprächen mit London. EU-Chefunterhändler Barnier warnt unterdessen vor dem nächsten Abgrund.

Irischer Premier Leo Varadkar vor der EU-Flagge am 24. Januar 2020
Irischer Premier Leo Varadkar: EU sitzt am längeren Hebel.
Quelle: Reuters

Der irische Premierminister Leo Varadkar glaubt, dass viele Briten die Rolle Irlands bei den Brexit-Verhandlungen unterschätzt haben. Es habe die Vorstellung gegeben, Deutschland, Frankreich und Großbritannien würden den kleineren Ländern erzählen, wo es langgehe, sagte Varadkar in einem BBC-Interview. "Das ist nicht, wie das 21. Jahrhundert funktioniert, und das ist ganz bestimmt nicht, wie die EU funktioniert", sagte der irische Regierungschef, der sich am 8.
Februar einer Neuwahl in seinem Land stellt.

Die Frage, wie die Grenze zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Republik Irland künftig trotzdem offen bleiben kann, war lange Zeit das kniffligste Problem bei den Austrittsverhandlungen.

Neuer Brexit-Abgrund im Dezember?

Varadkar empfing am Montag in Dublin EU-Chefunterhändler Michel Barnier. Der Franzose kündigte an, bereits am kommenden Montag den 27 Mitgliedsstaaten einen Mandatsentwurf für die anstehenden Verhandlungen über das künftige Verhältnis mit London vorzulegen.

Leo Varadkar (l.) und Michel Barnier in Dublin
EU-Chefunterhändler Michel Barnier (r.) warnte vor einem Scheitern der Gespräche.
Quelle: dpa

Er warnte vor einem Scheitern der Gespräche. Die müssen bis Ende der Übergangsphase am 31. Dezember 2020 abgeschlossen sein. Ohne Einigung drohe ein neuer Brexit-Abgrund, so Barnier. Großbritannien wird die Europäische Union am 31. Januar um 24 Uhr (MEZ) verlassen, mehr als dreieinhalb Jahre nach dem Austrittsvotum der Briten in einem historischen Referendum.

Varadkar: EU sitzt am längeren Hebel

Der Durchbruch in der strittigen Irland-Frage war nach einem persönlichen Gespräch zwischen Varadkar und dem britischen Premierminister Boris Johnson im vergangenen Oktober zustande gekommen. Johnson stimmte dabei einer Lösung zu, die Warenkontrollen zwischen Nordirland und dem Rest Großbritanniens vorsieht. In der Öffentlichkeit bestreitet der Brite das inzwischen, doch es stehe "schwarz auf weiß" in dem Abkommen, so Varadkar.

Auch bei den anstehenden Verhandlungen über die künftigen Beziehungen zwischen Brüssel und London sei die EU am längeren Hebel, machte Varadkar deutlich. "Wir haben eine Bevölkerung und einen Markt von 450 Millionen Menschen, Großbritannien hat rund 60 Millionen, wenn das zwei Mannschaften wären, die gegeneinander Fußball spielen würden, wer hätte dann das stärkere Team?"

Gespräche könnten schwierig werden

Varadkar zeigte sich jedoch besorgt, ob die veranschlagte Zeit für ein Handelsabkommen bis zum Ende des Jahres ausreichen wird. Brüssel fordert von Großbritannien im Gegenzug für ein Freihandelsabkommen Garantien für gleiche Wettbewerbsbedingungen. London will sich aber den EU-Standards für Umweltschutz, Arbeitnehmerrechte und staatliche Wirtschaftshilfen nicht mehr unterwerfen.

Von britischer Seite sollen die Gespräche von einer Task-Force unter der Leitung des britischen Chefunterhändlers David Frost geführt werden. Das Brexit-Ministerium in London wird mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU am 31. Januar aufgelöst, wie ein Regierungssprecher jetzt bestätigte. Mit dem Abschluss des Austrittsabkommens habe das Amt sein Mandat erfüllt, schrieb der amtierende Brexit-Minister, Stephen Barclay, vor wenigen Tagen in einem Gastbeitrag für den "Daily Express".

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.