Sie sind hier:

"Ophelia" steuert auf Irland zu - Der Sturm, der nicht sein dürfte

Datum:

Klar, Wirbelstürme der Hurrikan-Kategorie erreichen Europa nicht. Das war schon immer das, was man gehört hat. Und es ergab bisher Sinn: Die Temperaturen sind eigentlich zu kühl in Europas Gewässern. Doch nun ist "Ophelia" da - und versetzt vor allem Irland in Unruhe.

Hurrikan "Maria" hat auf Puerto Rico mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern große Schäden verursacht. Fast überall ist der Strom ausgefallen. Dabei wurden zahlreiche Häuser zerstört.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Damit überhaupt ein Hurrikan entstehen kann, sind verschiedene Voraussetzungen nötig. Aber wenn das Wasser nicht warm genug ist, passiert gar nichts. Das Wasser allerdings ist derzeit zwei bis drei Grad zu warm, mehr als normal.

So weit, so gut. Aber woher kommt "Ophelia", dieser außergewöhnliche Sturm? Zum ersten Mal taucht der Sturm auf Satellitenbildern am 9. Oktober auf - als tropisches Tief im Anfangsstadium, mitten auf dem Atlantik. Der Keim ist gelegt. Zu diesem Zeitpunkt berechnen verschiedene Vorhersage-Modelle bereits eine nordöstliche Verlagerung. Also keine Zugbahn, wie man es oft in diesem Jahr hatte, in Richtung Westen, Nordamerika oder in den Golf von Mexiko. Bereits die ersten Analysen zeigen: "Ophelia" zieht nach Europa und wird zwischenzeitlich bis auf Hurrikan-Stärke 1 anwachsen.

"Ophelia" wächst zum Hurrikan der Kategorie 3

Am selben Tag, wir schreiben immer noch den 9. Oktober, zieht "Ophelia" an und wird zum tropischen Sturm. Zwei Tage später ist der Wirbelsturm offiziell ein Hurrikan der Kategorie 1.

Bis dahin ist die Zugbahn nicht ganz klar, wobei von den Modellen eine nordöstliche Komponente favorisiert wird. Zwei Tage dümpelt der Sturm nahezu ortsfest als Hurrikan auf dem Atlantik und bewegt sich wenig vom Fleck. Dann die erste Überraschung. Der Sturm hat Kategorie 2 erreicht, stärker als bisher berechnet. Immerhin hält er sich an die vorberechnete Bahn Richtung Azoren.

Wird er die Inselgruppe treffen? Die Modelle sagen nein, das ist schon mal die gute Nachricht. Allerdings passiert auf dem Weg zwischen Azoren und Kanaren etwas anderes. Der Hurrikan verstärkt sich weiter, bildet ein wohldefiniertes Auge aus und rotiert mittlerweile als Kategorie-3-Hurrikan. Der Kurs deutet auf die iberische Halbinsel. Hätte man keine Wettermodelle, könnte man annehmen, Portugal steht vor einer Katastrophe. Zu diesem Zeitpunkt gibt es allerdings kein Modell, das ein Auftreffen auf Portugal oder Spanien berechnet, das ist schon mal beruhigend. Vielmehr soll der Wirbelsturm von der Strömung erfasst werden und nach Norden abdrehen. Tatsächlich passiert genau das, dabei schwächt sich der Wirbelsturm auf Kategorie 2 und dann auf 1 ab.

Sturm steuert auf Irland zu

Doch die Gefahr ist nicht gebannt. Nun kommt die Verwandlung von einem tropischen Wirbelsturm in eine außertropische Zyklone, von den Windgeschwindigkeiten im Fall von "Ophelia" nur unwesentlich von einem Hurrikan der Kategorie  1 zu unterscheiden. Das, was jetzt übrigbleibt, ist ein sehr gefährlicher Orkan, mit Windgeschwindigkeiten von etwa 150 Kilometern pro Stunde in Böen, der heute ab den frühen Nachmittagsstunden auf Irland trifft.

Der Zusammenhang mit dem Klimawandel ist hier erdrückend. Monatlich veröffentlichen NOAA, Copernicus ECMWF und NASA GISS, um nur einige zu nennen, Daten über die globale Mitteltemperatur. Es gibt nur eine Richtung. Die Temperatur steigt und steigt. Was bisher nicht sein durfte, wird möglich - und es erwarten uns noch weitere böse Überraschungen, auf die wir uns einstellen müssen. Höhere Wassertemperaturen fachen diese Art von Stürmen weiter an, indem wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Und das ist der Treibstoff für die Stürme.

"Ophelia" ist eine Klasse für sich

Zusammengefasst kann man sagen. "Ophelia" ist außergewöhnlich weit im Osten entstanden und ist historisch der einzige Hurrikan, der die Stärke 3 so weit im Osten auf dem Atlantik erreicht hat und auch in europäische Gewässer eingedrungen ist. "Ophelia" ist eine Klasse für sich.

Es war bisher allerdings die glimpfliche Variante, kein Treffer auf den Azoren und ein rechtzeitiges Abbiegen nach Norden, weshalb auch die Iberische Halbinsel verschont wurde. Allerdings werden die Iren in den nächsten Stunden einen der heftigsten Stürme, vielleicht sogar den historischen Sturm erleben.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.