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Papst beendet Irland-Reise - Franziskus benennt Versagen der Kirche

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Er war gekommen, um die Familien zu stärken; doch am Ende bestimmte das Thema Missbrauch in der katholischen Kirche den Besuch von Papst Franziskus in Irland.

Sexueller Missbrauch und Gewalt gegen Kinder haben die Kirche im katholischen Irland in Verruf gebracht. Bei seinem Besuch verurteilt Papst Franziskus die Übergriffe und bittet um Vergebung. Reicht das den Opfern?

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Mit einem ausführlichen Schuldbekenntnis für Vergehen der Kirche hat Papst Franziskus am Sonntagnachmittag seinen Besuch in Irland beendet. Er bat um Vergebung für das Versagen der katholischen Kirche. Wie in einer Litanei zählte er die verschiedenen Formen des Missbrauchs auf, durch die Vertreter der katholischen Kirche schuldig wurden: den sexuellen Missbrauch, den Missbrauch von Macht und Gewissen, den Missbrauch in Ordenseinrichtungen, die Zwangsarbeit von Heimkindern, das Vertuschen und Schweigen der Hierarchie sowie die Praxis, Neugeborene in Mütter-Kind-Heimen ihren Müttern gegen deren Willen wegzunehmen und zur Adoption freizugeben. In dieser Ausführlichkeit ist die Vergebungsbitte von Franziskus bisher einmalig.

Missbrauchsskandal bestimmendes Thema

Eigentlich stand bei der 24. Auslandsreise von Franziskus das katholische Familientreffen im Mittelpunkt. Doch am Ende war der Missbrauchsskandal das bestimmende Thema. In dieser Massivität gab es das bisher bei keiner Auslandsreise dieses Papstes. In Irland hatte 2010 bereits Benedikt XVI. versucht, die Bischöfe zu einer rückhaltlosen Aufklärung der Vorfälle zu drängen. Franziskus bescheinigte ihnen bei einem Treffen am Sonntagabend, dass sie bei dem Thema in den vergangenen Jahren "entschieden vorangegangen" seien. Doch die Betroffenen und viele Iren sehen das anders.

Premierminister Leo Varadkar machte zum Auftakt des Papstbesuchs am Samstagmorgen gleich deutlich, dass sich die Zeiten in Irland verändert hätten. Mit dem Besuch solle ein neues Kapitel im Verhältnis zwischen katholischer Kirche und irischer Gesellschaft begonnen werden, erklärte er. Zwar werde die Kirche da nicht mehr im Zentrum stehen, aber immerhin ein wichtiger Player sein, so Varadkar. Er forderte Franziskus ganz konkret auf, seinen Einfluss zu nutzen, um für "Gerechtigkeit und Wahrheit" in den Missbrauchsfällen der katholischen Kirche in Irland und weltweit zu sorgen.

Papst kritisiert "Versäumnis der kirchlichen Autoritäten"

Franziskus nahm den Ball auf und sparte nicht mit Kritik an den eigenen Reihen. Er kritisierte "das Versäumnis der kirchlichen Autoritäten - Bischöfe, Ordensobere, Priester und andere -, mit diesen abscheulichen Verbrechen angemessen umzugehen". Aber als bei einem Treffen mit Opfern am Samstagnachmittag diese erklärten, dass es endlich einer klaren Struktur bedürfe, um auch die Verantwortlichen in der Hierarchie zur Rechenschaft zu ziehen, wiegelte der Papst ab. Das berichtete Marie Collins, selbst Opfer sexuellen Missbrauchs und einige Jahre Mitglied in der Päpstlichen Kinderschutzkommission, nach dem Treffen.

Protest gegen den Papst während seines Irland-Besuches
Demonstranten protestieren mit Schildern gegen den Papst. Franziskus hatte während des zweiten Tags seines Irland-Besuches für den massenhaften Missbrauchs von Kindern um Vergebung gebeten.
Quelle: dpa

Der Papst habe darauf verwiesen, dass es bereits solche Untersuchungen gebe. Er sicherte Collins allerdings zu, dass bei den Verfahren und möglichen Rücktritten von Bischöfen künftig mehr Transparenz herrschen soll. Das Treffen dauerte gut 90-Minuten. Nach Angaben der Teilnehmer habe der Papst geschockt auf Berichte reagiert, wonach Tausende Babys in katholischen Einrichtungen starben oder gegen den Willen der Mütter zur Adoption freigegeben wurden. Franziskus soll die Vertuschung solcher Vorgänge als "großen Mist" bezeichnet haben. Die Teilnehmer zeigten sich nach der Begegnung zufrieden. Entscheidend ist für sie, dass der Papst den Worten auch Taten folgen lässt.

Schwere Bürde liegt auf der Papstreise

Der Besuch des Papstes in Irland sorgte weltweit für Aufmerksamkeit. Medial, war er auch im Land selbst präsent. Aber selten war im Stadtbild ein Papstbesuch so wenig sichtbar wie im katholischen Irland: kaum Fahnen in den Farben des Vatikans, keine großen Willkommensplakate, überschaubare Menschenmengen entlang der Fahrstrecke des Papstes. Der Empfang am Flughafen in Dublin am Samstagmorgen war schlicht und leise, weder jubelnde Jugendliche noch Tanzaufführungen in landestypischen Trachten. Es wird an allen Stellen deutlich, dass eine schwere Bürde auf dieser Reise liegt.

Bei den Teilnehmern des Weltfamilientreffens werden die Tage in Dublin in guter Erinnerung bleiben. Sie haben durch den Papst Ermutigung erfahren, mahnende Worte oder gar Verurteilungen, wie das bei früheren Begegnungen dieser Art der Fall war, blieben aus. Franziskus rief die katholischen Familien vielmehr dazu auf, Vorbild für andere zu sein. Er sieht in ihnen "Bollwerke des Glaubens und der Güte (…) in den Winden und Stürmen, die in unserer Zeit wüten".  Ob es Franziskus allerdings auch gelungen ist, die Iren davon zu überzeugen, dass die katholische Kirche es ernst meint mit der Aufarbeitung der dunklen Kapitel ihrer Geschichte, wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen. Denn entscheidend ist, dass er handelt.  

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