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Krise zwischen Iran und USA - Ischinger: Jetzt können nur noch die Welt-Chefs helfen

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Dass Trump dem Iran droht, hält Wolfgang Ischinger für einen Fehler. Der Chef der Münchener Sicherheitskonferenz sagt: Um den Konflikt zu lösen, sind nun Merkel und Macron gefragt.

"Wenn es in der Region des Iran militärisch brennen sollte, leidet die ganze Welt, leidet insbesondere auch Europa", so der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger.

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7 min
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Der Streit zwischen den USA und Iran hat die nächste Stufe erreicht. Obwohl Trump am Mittwoch noch gesagt haben soll, dass er keinen Krieg will, twitterte er gestern Nachmittag: "Wenn der Iran kämpfen will, wird das das offizielle Ende des Iran sein. Droht nie wieder den Vereinigten Staaten!" Auslöser war ein Bericht über den Iran auf Fox News, den der US-Präsident kurz vor seinem Tweet gesehen habe.

Die nächste Eskalationsstufe also - in einer Krise, die die ganze Welt bewegt. Im ZDF Morgenmagazin ordnet Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, den Konflikt ein. Er erklärt, welche Rolle Deutschland spielt und was seiner Meinung nach jetzt die Lösung im Konflikt wäre.

ZDF: Trumps berühmt-berüchtigte Twitter-Diplomatie hält die Welt wieder in Atem. Wie brenzlig ist die Situation am Golf?

Wolfgang Ischinger: Es ist schon sehr, sehr besorgniserregend. Und ich finde es wirklich unpassend, wenn der Präsident, sozusagen am Sonntagnachmittag - bloß weil er grad auf Fox News etwas über Iran gesehen hat, angeblich - drei Minuten später dann diesen Tweet loslässt, der im eklatanten Gegensatz zu dem steht, was er ja in den letzten Tagen sehr deutlich gemacht hat: Nämlich dass er, erfreulicherweise - es gibt ja auch mal Good News aus Washington - in der Tat keinen Krieg mit dem Iran will, dass die Administration das nicht will.

Das schien ja die Lage etwas zu beruhigen, und jetzt dieser Tweet.

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ZDF: Obwohl man auch gleichzeitig sagen muss, dass dieses Hü und dieses Hott auch die Linie ist von Trump.

Ischinger: Ja, das ist die Taktik der Verunsicherung, das hat er anscheinend im Immobiliengeschäft gelernt: den Gegner erstmal in die Defensive - und dann wieder ein freundliches Wort.

ZDF: Ordnen Sie uns das bitte ein: Welche Absichten verfolgen die USA in dieser Causa, und welche Absichten verfolgt der Iran?

Ischinger: Was die USA versuchen, ist den Iran zu Verhandlungen zu bringen, die über das Nuklearabkommen, das wir alle gemeinsam mit den USA mit dem Iran abgeschlossen haben, hinausgehen. Da hat, muss man zugeben, Donald Trump ja einen Punkt.

Das Nuklearabkommen deckt nur die Systema Nuklearentwicklung ab und eben nicht Aktivitäten in der Region, Unterstützung terroristischer Taten. Da muss man sagen, das ist ein richtiger Punkt.

Die Frage ist nur: Wie kommen wir dahin? Und da würde ich sagen, macht die amerikanische Diplomatie den Fehler, dass sie militärischen Druck ausübt ohne eigentlich einen diplomatischen Plan zu haben. Unser Approach wäre: Diplomatie zu versuchen, also ins Gespräch zu kommen, und notfalls ein bisschen mit Militär zu drohen - aber nicht umgekehrt.

ZDF: Was Deutschland, was Europa da leisten - dazu vielleicht gleich. Aber noch mal zu den Amerikanern und zur Diplomatie: Da ist ein nationaler Sicherheitsberater wie Bolton, der so als Falke gilt, ja sicherlich auch nicht der Richtige, um ihn sozusagen wieder auf den anderen Pfad zu bringen.

Ischinger: Na ja, vielleicht überlegt man sich in Washington, das spekuliere ich jetzt, so ein bisschen: Good Cop - Bad Cop, nicht wahr? Bolton droht. Und er ist ja bekannt dafür, dass er schon bevor er Sicherheitsberater geworden ist, den Iran militärisch bedrohen und das Problem militärisch angehen wollte. Das ist keine Überraschung.

Karte: Iran
Konfliktreiche Region: der mittlere Osten.
Quelle: ZDF

ZDF: Eine hoch eskalative Situation, und man muss sich jetzt auch fragen: Wer könnte eigentlich noch Interesse daran haben, dass diese Situation zwischen Iran und den USA weiter eskaliert? Es hat ja diverse Anschläge gegeben, auf Öltanker, auf Pipelines in den letzten Tagen und Wochen.

Ischinger: Wir müssen ja sehen, dass diese Region voll ist von tatsächlichen und potenziellen Instabilitäten.

Da gibt's den Konflikt: Iran gegen Saudi-Arabien; da gibt es das ungelöste Israel-Palästina-Problem; da gibt's das Problem, dass Katar und Saudi-Arabien im Clinch liegen.

Also es gibt eigentlich keine Region auf der ganzen Welt, die ich kenne, in der so viele kleine Pulverfässer in so unmittelbarer geostrategischer Nähe zueinander sitzen. In einer Gegend, die für uns auch lebenswichtig ist, denn alle diese Öltanker fahren durch den Golf, durch die Straße von Hormus. Wenn's dort militärisch brennen sollte, leidet die ganze Welt und natürlich insbesondere auch Europa.

ZDF: Wie kann jetzt Deutschland, wie kann die EU diesen Konflikt vielleicht friedlich beeinflussen?

Ischinger: Es geht zunächst einmal um die Frage: Können wir das Nuklearabkommen retten? Aus deutscher Sicht, aus Sicht der Bundesregierung, ist das Nuklearabkommen besser als kein Nuklearabkommen. Wenn man das retten will, so denke ich, dann ist vielleicht der letzte Weg, um das zu machen, die Sache zur Chefsache zu machen.

Also, ich könnte mir vorstellen, dass wenn der französische Präsident, der chinesische Präsident, Putin, Frau Merkel, sozusagen alle Unterzeichner des Nuklearabkommens, den Iran an den Tisch bitten, dass Präsident Ruhani es dann schwerer hätte, das einfach abzulehnen, als er das jetzt gegenüber Trump getan hat. Weil er sagt, er kann mit Trump nicht reden, solange er militärisch bedroht wird.

Von uns wird er ja nicht militärisch bedroht, wir wollen ja das Abkommen retten. Also, da sehe ich die letzte Chance - ich hoffe, ich bin da nicht zu optimistisch - vielleicht doch noch mit dem Iran wieder in ein vernünftiges Gespräch zu kommen. Das wird aber nur auf oberster Ebene funktionieren, nach meinem Dafürhalten.

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