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Islam-Konferenz in Berlin - Islamverbände: Politik sucht Ansprechpartner

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Der Einfluss aus dem Ausland, die Ausbildung von Imamen, die vielen Ansprechpartner - zur Islam-Konferenz werden Forderungen nach mehr Klarheit laut.

Archiv: Ein Rednerpult mit der Aufschrift "Deutsche Islam Konferenz" steht am 27.11.2012 in Berlin
Viel zu diskutieren: Islam-Konferenz
Quelle: dpa

Vor dem Auftakt der Deutschen Islam-Konferenz heute in Berlin wünschen sich Politiker mehr Klarheit im Dialog mit den Muslimen in Deutschland. "Der Staat braucht einen Ansprechpartner auf muslimischer Seite, wie wir ihn bei anderen Religionsgemeinschaften - etwa mit dem Zentralrat der Juden - haben", forderte die Integrationsbeauftragte Annette Widmann-Mauz in der "Bild"-Zeitung. Auf NDR-Info forderte die CDU-Politikerin die Bildung eines Dachverbands, der die Diskussionen innerhalb der Islamverbände und Gemeinden kanalisiere.

Gesundheitsminister Jens Spahn nannte es problematisch, dass es keine zentrale Institution gebe, die auch für säkulare und liberale Muslime sprechen könne. Die bestehenden Verbände sollten sich zudem unabhängig von finanziellen Zuwendungen oder Einflüssen aus dem Ausland machen, forderte der Kandidat für den CDU-Vorsitz. Der Grünen-Politikers Cem Özdemir warf Parteien und Staat vor, sich vor allem auf die überwiegend aus dem Ausland gesteuerten Islam-Verbände zu stützen. Diese repräsentierten aber nicht die große und liberale Mehrheit der Muslime in Deutschland.

Umstrittener Einfluss aus dem Ausland

Widmann-Mauz entgegnete auf NDR Info, es gebe bei den Verbänden auch Reformprozesse - so auch innerhalb des Verbands Ditib. Er wird von der türkischen Religionsbehörde gesteuert. Es sei wichtig, den Gesprächsfaden hier nicht abzubrechen. Viele Gemeinden in Deutschland wollten sich emanzipieren. "Ich glaube, wir müssen diesen Prozess unterstützen."

Innenminister Horst Seehofer rief die Muslime auf, sich von ausländischer Einflussnahme abzukoppeln. So sollten sie "nicht nur Organisation und Finanzierung ihrer Gemeinden selbst in die Hand nehmen, sondern auch die Imamausbildung an ihre Bedürfnisse anpassen", schrieb Seehofer in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Auch Widmann-Mauz erklärte, "wer als Moscheeverband Teil von Deutschland sein will, kann nicht Teil von Riad oder Ankara bleiben". Für sie sei es wichtig, dass verschiedene islamische Strömungen in Deutschland zu Hause sein können.

Tatsächlich werden durch die Verbände bei weitem nicht alle der in Deutschland lebenden Muslime repräsentiert. Dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zufolge lebten Ende 2015 zwischen 4,4 und 4,7 Millionen Muslime hierzulande - die Zahl dürfte durch Zuwanderer weiter gestiegen sein. Nur etwa ein Viertel gab aber in einer Erhebung 2009 an, sich durch einen der großen Dachverbände vertreten zu fühlen. Weitaus größer ist die Zahl der Moscheebesucher. Kritiker bemängeln, dass säkulare Muslime nicht ausreichend repräsentiert würden.

Baustelle Imam-Ausbildung

Auch der Islamismus-Experte und Konferenzteilnehmer Ahmad Mansour kritisierte, die Verbände seien aus dem Ausland gesteuert und repräsentierten nur eine Minderheit. Aber sie würden "von der Politik gehört, als seien sie die einzigen legitimen Stimmen". In der "Stuttgarter Zeitung" rief Mansour zur Förderung von Moscheen auf, die unabhängig von ausländischen Geldgebern sind. Dagegen warnte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, davor, die überwiegend von den Islamverbänden getragenen Moscheegemeinden als Problem zu sehen. Sie seien Teil der Lösung, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Es geht nur gemeinsam und nicht gegeneinander."

Derweil will Innenstaatssekretär Markus Kerber in dieser Wahlperiode Fortschritte bei der Ausbildung von Imamen in Deutschland erreichen. In Deutschland hätten sich über Jahrzehnte hinweg "Strukturen etabliert, bei denen die Gemeinden auf Imame aus dem Ausland zurückgreifen". Die Auflösung werde eventuell Jahre dauern. Bund- und Landesregierungen könnten hier Unterstützung leisten. Es gebe mittlerweile viele hundert deutschstämmige muslimische Theologie-Studenten, die nach dem Studium nicht als Imame arbeiten könnten, so Kerber. Grund sei das Fehlen einer an das Studium anschließenden Praxis-Ausbildung.

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