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Opfer des Klimawandels - Island verabschiedet sich vom Gletscher Okjökull

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Wie verabschiedet man sich von einem Gletscher? Die Isländer haben heute des ersten Gletschers der Insel gedacht, der im Zuge des Klimawandels davongeflossen ist.

Der Klimawandel hat den isländischen Gletscher Okjökull schmelzen lassen
Der Klimawandel hat den isländischen Gletscher Okjökull schmelzen lassen.
Quelle: dpa

Rund 100 Menschen haben sich am Fuße des Okjökull versammelt. Sogar Islands Premierministerin Katrin Jakobsdottir ist gekommen und Mary Robinson, Irlands ehemalige Regierungschefin und heute in Sachen Klima aktiv. In den Ansprachen geht es um den Klimawandel und dass der Tod des Gletschers Anlass sein möge, der globalen Erwärmung endlich in die Speichen zu greifen.

Internationale Trauergemeinde marschiert über schmucklose Steine

Dann setzt sich die internationale Trauergemeinde in Bewegung. In den nächsten zweieinhalb Stunden geht es steil bergauf, dorthin, wo einst die Eismassen des Gletschers lagen. Es ist ein Marsch über Steine – braune, graue, mit Moos überzogene oder einfach schmucklose. Ich beschreibe das deshalb so deutlich, weil man diesen Weg nur mit starrem Blick zum Boden bewältigen kann.

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Wir kraxeln durch unberührte Natur, niemand hat einen Weg gebahnt. Warum auch, es lohnt nicht, diesen Marsch noch einmal zu machen: Wenn ein Gletscher stirbt, bleiben nur Steine übrig, der gigantische Eismantel hat den felsigen Untergrund in Jahrhunderten wie eine Steinmühle behandelt. Was auf den Gletscher folgt, ist eine trostlose, steinige Geröllhalde.

Organisiert haben die Gletscherverabschiedung Wissenschaftler der Rice University von Houston/Texas. Gemeinsam mit Isländischen Gletscherexperten wollen die US-Anthropolgen Cymene Howe und Dominic Boyer die Industrienationen wach rütteln, das Ende des Okjökull-Gletschers hier im Westen Islands sei der Anfang vom Ende der Welt, wie wir sie kennen.

An ihrer Seite haben sie den isländischen Autor Andri Snaer Magnason. In seinem Rucksack schleppt er eine Gedenktafel aus Kupfer den Berg hinauf. In sie hinein haben sie einen "Brief an die Zukunft" prägen lassen, der es unserer Generation einmal unmöglich machen wird, sich gegenüber unseren Nachfahren mit dem Satz "Wir hatten ja keine Ahnung…" aus der Affäre zu ziehen.

Gedenktafel am Fuß des Okjökull-Gletschers
Die Gedenktafel erinnert an den ehemaligen Gletscher Okjökull in Island
Quelle: ZDF

Anders hat sich folgende Inschrift überlegt:

Andri hat eine besondere Beziehung zu Islands Gletschern, seine Großeltern sind auf Hochzeitsreise zu Islands größtem Gletscher gefahren. Dort überraschte sie ein Schneesturm und sie konnten drei Tage und Nächte nicht aus ihrem Zelt heraus. "Ich hab sie gefragt, ob sie Angst hatten und sehr gefroren haben", erzählt Andri. Doch seine Großmutter hatte nur gelacht. "Junge, wir waren auf Hochzeitsreise, das hat uns alles nicht belastet", zitiert Andri, was seine Großmutter ihm als Elfjährigen erzählt hatte.

Jetzt bringt er die Tafel zum Gipfel. Ein kleines Eisfeld, nicht größer als ein paar Fussballfelder ist alles, was vom Gletscher übrig ist. Eiskalt und scharf fegt der Wind hier oben. Man versammelt sich um einen großen Stein, auf ihm soll die Gedenktafel montiert werden. Wieder werden Reden gehalten. Während einer Gedenkminute für Okjökull ist nur der Wind zu hören, jeder soll sich überlegen, was er selbst tun kann, um den Tod weiterer Gletscher zu verhindern und den Klimawandel zu stoppen.

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Nach einer knappen Stunde ist die Zeremonie hier oben vorbei – es geht wieder bergab über die grauen und braunen Steine und das Moos. Es wird nicht viel geredet, bergab muss man sich konzentrieren, um sich nicht Knie und Fussgelenke zu ruinieren. Und so mancher wirkt tatsächlich nachdenklich, was man selbst tun kann, solange die Rettung des Klimas nicht internationaler Konsens ist.

Die Isländer erinnern heute an den Gletscher Okjökull - er ist nur ein Beispiel für bedrohte Naturphänomene weltweit; unser Beitrag über fünf Naturphänomene, die bald nicht mehr da sind:

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