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Klima öffnet neue Handelswege - Islands Megahafen: Die Erschließung der Arktis

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Die Arktis wird in den Sommermonaten zunehmend eisfrei. Das kleine Island will jedoch im Klimawandel nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen sehen.

Der Megahafen am Finnafjord
Der Hafen in Finnafjord
Quelle: bremenports/EFLA

Es ist ein Ort wie das Ende der Welt. Der Finnafjord, isländisch Finnafjördur, ist ein 4,5 km breiter Fjord im äußersten Nordosten Islands. In dieser kargen Landschaft leben die Menschen vom Fischfang. Der Klimawandel bereitet ihnen Sorgen, denn Kabeljau oder Polardorsch ziehen sich weiter in den Norden zurück. Nun wollen zwei Gemeinden gemeinsam mit einem Ingenieurbüro und einer deutschen Entwicklungsgesellschaft einen internationalen Umschlagplatz für Container, einen Seenotrettungshafen für die Arktis und eine Lachszucht bauen.

Neu wirtschaftliche Perspektiven für zwei Gemeinden

Nicht direkt am Finnafjord, sondern hinter der nächsten Bucht leben rund 500 Menschen in den Gemeinden Langanesbyggd und Vopnafjardarhreppur. Gemeinderatsmitglied Siggeir Stefánsson erklärt: "Die Idee haben wir schon seit einigen Jahren, dort hinten einen Hafen zu bauen. Einzigartig an dieser Stelle ist, dass der Fjord sehr tief ist."

20 bis 70 Meter tief geht es dort hinab, ideal für ganz große Containerschiffe. Der Wellengang ist auf dieser Seite Islands besonders niedrig. Für Stefánsson ideale Gegebenheiten. "Es ist ein guter Fjord für sechs Kilometer lange Kajen, mit flachem Hinterland für Industrieanlagen oder Lagerhallen", lautet sein Urteil. Stefánsson ist optimistisch, der Klimawandel birgt für ihn nicht nur Risiken, sondern durchaus auch Chancen.

Klimawandel eröffnet neue Handelsrouten

Stefánsson leitet die Fischfabrik, in der die Menschen am Finnafjord arbeiten. 600 Tonnen Fisch werden hier täglich für den nationalen und internationalen Markt verarbeitet. Die Zukunft der Gegend hängt vom Fischfang ab. Auch in der Fabrik ist das Hafenprojekt Gesprächsstoff. Zwei junge Deutsche, Björn Müller und Christian Bleydorn, arbeiten als Mechaniker hier. "Es ist immer wieder Thema. Wir reden oft über das Für und Wider", sagt Björn Müller. "Aber was ist, wenn wir ein Ölproblem haben, hier draußen auf dem Meer und das Öl ausläuft? Dann haben wir einen Produktionsstopp für mehrere Jahre."

Karte von Island mit Finnafjord
Karte von Island mit Finnafjord
Quelle: ZDF

Wenn in den Sommermonaten die Route durch die Nordwestpassage weitgehend eisfrei und damit befahrbar wird, spart das der Handelsschifffahrt viele Tage auf See. Das war in den vergangenen Jahren häufiger der Fall als im 20. Jahrhundert, ein Hinweis auf die Erwärmung der Arktis. Sie führt dazu, dass das Meereis im Sommer stark zurückgeht. Die Route durch die Nordwestpassage verkürzt der Seeweg zwischen Europa und Asien (Rotterdam - Tokio) um bis zu zehn Tage: die Strecke ist statt 21.100 km nur noch 15.900 km lang. Erstmals waren Nordost- und Nordwestpassage im Sommer 2008 gleichzeitig eisfrei. Kanada beansprucht den Seeweg durch die Nordwestpassage für sich, die USA sehen ihn als internationales Gewässer an. Die Politik hat die ökonomische Bedeutung erkannt.

Isländische Naturschützer haben Sorgen

Während die Gemeinden am Finnafjord ihre wirtschaftliche Zukunft im Hafen sehen, der, strategisch günstig, Island in das Zentrum neuer Handelswege rückt, haben Naturschützer Bedenken. Arni Finsson von der Umweltorganisation INCA meint: "Schon jetzt sorgen wir uns wegen des zunehmenden Schiffverkehrs. Mit dem Hafen kämen noch mehr Schiffe. Der Ölbetrieb der Schiffe ist ein großes Problem". Mehr Schiffe hieße gleichzeitig mehr Verbrennen von Schweröl. Schon jetzt verdunkelt der Ruß der Abgase das Eis, das dann das Sonnenlicht weniger reflektieren kann. In der Folge schmilzt es noch schneller.

Der Megahafen am Finnafjord
Das Konzept des Megahafens in Finnafjord auf Island in der Animation.
Quelle: bremenports/EFLA

Entwickeln soll bremenports den Universalhafen am Finnafjord. Die Hafengesellschaft mit Sitz in Bremerhaven hat langjährige Erfahrung auf diesem Gebiet. Geschäftsführer Robert Howe verteidigt das Konzept, am Finnafjord einen internationalen Verteilhafen für Waren aus Asien, Amerika und Europa zu bauen: "Natürlich ist uns die sensible Region in der Arktis, in Island bewusst. Wir haben dort aber die Chance, einen CO2-neutralen Hafen praktisch von Grund auf zu entwickeln. Wir nutzen dabei die Energiequellen Islands: mit Wasserkraft und Erdwärme sind wir zu 100 Prozent regenerativ." Weitere Überlegungen gehen dahin, eine Anlage zur Gewinnung von Wasserstoff zu entwickeln, dem in der künftigen Entwicklung einer nachhaltigen Schifffahrt eine entscheidende Rolle zukommt. Für Robert Howe ist klar: "Es ist die richtige Idee der Isländer."

2040 soll die Fertigstellung erfolgen

Nun soll es Schlag auf Schlag gehen. Noch in diesem Jahr sollen die Gesellschafterverträge zwischen den isländischen Gemeinden, dem isländischen Ingenieurbüro und dem deutschen Hafenentwickler unterzeichnet werden. Bremenports-Chef Howe rechnet anschließend mit drei bis fünf Jahren Planungszeit. Bereits jetzt stehen internationale Investoren Schlange, wollen dabei sein, wenn sich mit dem Klimawandel im großen Stil Geld verdienen lässt. Die Entwicklungs- und Baukosten summieren sich wohl auf rund zwei Milliarden. 2040 soll er dann fertiggestellt sein: der Megahafen am Finnafjord, Meilenstein eines Jahrhundertprojekts - der Erschließung der Arktis.

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