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Israel in Alarmbereitschaft

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USA-Iran-Konflikt - Israel in Alarmbereitschaft

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Iranische Drohungen nach dem Tod von Top-General Soleimani richteten sich nicht nur gegen die USA. Auch Israel könnte zum Ziel iranischer Racheakte werden.

Archiv: Israelische Soldaten sitzen auf einem artilleriegepanzerten Fahrzeug am 27.03.2019 in Sderot (Israel)
Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran eskaliert: Israel ist Alarmbereitschaft
Quelle: DPA

Rein äußerlich betrachtet läuft alles wie gewohnt in Israel. In der Metropole Tel Aviv gehen die Menschen in die Schule oder zur Arbeit. Die Straßen sind mit Autos vollgestopft, alles wie immer. Den Umgang mit Krisensituationen kennen sie in diesem Land. Daher sind in der Bevölkerung auch nach der Tötung von General Soleimani und der Eskalation im Iran-USA-Konflikt viele recht gelassen.

Vertrauen auf die eigene Armee

Passanten, die wir während Dreharbeiten zu einem Fernsehbeitrag dazu befragen, sind eher erleichtert darüber, dass Soleimani tot ist. "Wenn dieser Mann am Leben geblieben wäre, hätte er mehr Schaden angerichtet", sagt uns ein Israeli. Dass der Iran - wie immer, wenn er Rache schwört - Israel gleich mit auf die Liste möglicher Angriffsziele setzt, überrascht kaum. Vertrauen in die eigene Armee, Vertrauen, dass es auch diesmal eine Lösung geben werde, so die Meinungen auf der Straße.  

Parteiübergreifend wurde in Israel die gezielte Tötung von Soleimani durch die USA ausdrücklich begrüßt. Der Kommandeur von Teherans Al-Kuds-Brigaden galt als der Drahtzieher für das Ziel der iranischen Regierung, den Einfluss in der Region auszuweiten und stand ganz oben auf der Liste der israelischen Feinde.

Archiv: Ein US-Soldat vor dem UN-Hauptquartier am 19.08.2003 in Bagdad
Liveblog

Vereinte Nationen mahnen -
UN: Irak sollte nicht Preis für Rivalitäten anderer zahlen
 

Die Vereinten Nationen rufen im Iran-Konflikt zu "dringender Zurückhaltung" auf. Der Irak solle nicht den Preis für die Rivalitäten anderer zahlen. Alle Entwicklungen im Liveblog.

Ein Lob für US-Präsident Trump gab es von Ministerpräsident Netanjahu. Nach ersten Reaktionen am Wochenende bekräftige Netanjahu am Mittwoch auf einer Konferenz in Jerusalem, Israel stehe ganz an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika. Die USA seien gegen einen Terroristen vorgegangen, der verantwortlich sei für den Tod unzähliger unschuldiger Menschen. Auf Englisch sagt er: "Amerika hat keinen besseren Freund als Israel, und Israel hat keinen besseren Freund als die Vereinigten Staaten von Amerika." Die Achse Jerusalem-Washington hält also. Deutlicher geht es kaum, nachdem in den vergangenen Monaten Trumps militärische Zurückhaltung gegenüber Iran für Irritationen in Israel gesorgt hatte.

Netanjahu warnt mögliche Angreifer

Nach den iranischen Angriffen auf US-Stützpunkte im Irak gibt sich Premier Netanjahu  selbstbewusst. "Jeder, der Israel angreift, wird einen gewaltigen Gegenschlag erhalten", sagt er. "Jeder" bezieht sich dabei nicht nur auf den Iran selbst, sondern schließt auch Irans Verbündete in der Region mit ein. Allen voran die Schiitenmiliz Hisbollah, die - mutmaßlich mit iranischem Geld und Waffen unterstützt - im Libanon quasi direkt vor der eigenen Haustür sitzt und Israel mit mehr als 100.000 Raketen gefährlich werden könnte.

Der Militär- und Sicherheitsexperte Ephraim Kam vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv glaubt nicht, dass die Hisbollah Israel eigenmächtig attackieren wird.

"Es ist wahrscheinlicher, dass die Iraner die Hisbollah oder schiitische Milizen im Irak beauftragen, Angriffe auf US-Streitkräfte im Irak oder gegen Israel auszuführen." Kam hält neben Raketenangriffen und Terroranschlägen auch iranische Cyber-Attacken für möglich. Ihm ist wichtig: "Wir müssen auf alle Möglichkeiten vorbereitet sein."

Gefahr der Eskalation

Dass ein iranischer Angriff auf das Land unmittelbar bevorsteht, davon gehen die meisten Experten nicht aus. Ephraim Kam erwartet jedoch eine außergewöhnliche Reaktion. "Sie müssen zeigen, dass sie nicht nur die Opfer sind, sondern auch Rache üben können", sagt er. Iran könne dabei aber auch viel verlieren. Teheran wisse, so Kam, dass Israel nicht nur ein schlagkräftiger, sondern auch überlegener Gegner sei.     

Trotz allem Selbstbewusstsein hielt sich Israel mit allzu ausschweifenden Äußerungen in den vergangenen Tagen zurück. Premier Netanjahu forderte seine Minister gar dazu auf, keine Kommentare zur Tötung des iranischen Generals abzugeben. Zusätzliches Öl will in dieser überhitzten Lage niemand ins Feuer gießen. Denn eines wissen alle: Die Gefahr einer unkalkulierbaren Eskalation in der Region ist so groß wie lange nicht mehr.

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