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Nach Raketenangriff bei Tel Aviv - Israel verstärkt Truppen an Gaza-Grenze

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Raketen treffen ein Haus bei Tel Aviv, nun rüstet Israels Armee auf. Netanjahu kündigt eine "kraftvolle" Reaktion an. "Er steht vor einem Dilemma", so ZDF-Korrespondentin Albrecht.

Die Rakete wurde aus dem Gaza-Streifen abgefeuert. Sie flog ungewöhnlich weit und traf ein Haus 20 km nördlich von Tel Aviv. Mehrere Menschen wurden verletzt.

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Die Reaktion auf den Raketenbeschuss kam innerhalb weniger Stunden: Eine israelische Armeesprecherin sagte, man wolle zwei Brigaden entsenden, Infanterie und Panzer. Außerdem solle eine begrenzte Anzahl von Reservisten einberufen werden. Eine aus Rafah im südlichen Gazastreifen abgefeuerte Rakete habe das Haus in der Gemeinschaftssiedlung Mischmeret direkt getroffen, sagte die Sprecherin. Nach Angaben von Sanitätern wurden sieben Menschen verletzt, darunter auch kleine Kinder. Das Gebäude wurde schwer beschädigt.

Israel beschuldigt Hamas

Die Armeesprecherin sagte, es handele sich um eine von der im Gazastreifen herrschenden Hamas selbst hergestellte Rakete. Sie habe eine Reichweite von rund 120 Kilometern. "Die Hamas hat diese Rakete abgefeuert", sagte die Sprecherin. "Wir sehen die Hamas als verantwortlich für alles, was im Gazastreifen passiert."

Berichte, denen zufolge das Geschoss möglicherweise versehentlich abgefeuert wurde, wollte sie nicht kommentieren. Auf die Frage, warum die israelische Raketenabwehr Iron Dome die Rakete nicht abgefangen hat, sagte die Sprecherin: "Iron Dome beschützt nur die Gebiete, in denen es aufgestellt ist." Mischmeret liegt rund 30 Kilometer nordöstlich der Küstenmetropole Tel Aviv. Die Entfernung zum Gazastreifen beträgt mehr als 100 Kilometer.

Militante Palästinenser feuern häufig Raketen auf das Grenzgebiet um den Gazastreifen ab. Es ist jedoch ungewöhnlich, dass ein Geschoss so weit entfernt von dem Küstenstreifen einschlägt.

Netanjahu droht mit nachdrücklicher Reaktion

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu will angesichts des Raketenbeschusses seine US-Reise verkürzen. "Es gab hier einen bösartigen Angriff auf den Staat Israel, und wir werden mit Nachdruck reagieren", sagte er nach Angaben seines Büros. "Angesichts der sicherheitspolitischen Vorfälle habe ich beschlossen, meinen Besuch in den USA zu verkürzen." Er wolle direkt nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump zurückreisen, "um unsere Aktionen aus der Nähe zu leiten".

Der überraschende Angriff erfolgte mitten im israelischen Wahlkampf, zwei Wochen vor der Parlamentswahl. Die Partei Die Neue Rechte teilte nach dem Raketenangriff mit: "Netanjahu ist gegenüber der (radikalislamischen Palästinenserorganisation) Hamas gescheitert. Die Freilassung von Terroristen, die Angst davor, die Häuser von Terroristen zu zerstören, die Beschwichtigungspolitik gegenüber den Raketenangriffen im Süden - all dies hat dazu geführt, dass die Hamas keine Angst mehr vor Israel hat."

"Raketen-Angriff stellt Netanjahu vor ein großes Dilemma"

"Ein Raketen-Angriff auf die Region Tel Aviv wird von Israel als höchste militärische Eskalation betrachtet", berichtet ZDF-Korrespondentin Nicola Albrecht aus Tel Aviv. "Gut zwei Wochen vor den Wahlen stellt das Premierminister Netanjahu vor ein großes Dilemma. Er will seit Monaten einen Krieg mit Gaza verhindern, doch ein Premier, der solche Angriffe ignoriert, gilt als schwach. Und genau mit diesem Argument setzen seine politischen Gegner Netanjahu nun unter Druck."

Nicola Albrecht
ZDF-Korrespondentin Nicola Albrecht

Am 14. März hatte es den ersten palästinensischen Raketenangriff auf die Küstenmetropole Tel Aviv seit dem Gaza-Krieg 2014 gegeben. Damals hieß es, die beiden Geschosse seien versehentlich aus dem Gazastreifen abgefeuert worden. Daraufhin hatte Israels Luftwaffe rund 100 Ziele in dem Palästinensergebiet am Mittelmeer bombardiert.

Konflikt hat sich wieder verschärft

Der Konflikt mit der im Gazastreifen herrschenden Hamas hatte sich zuletzt wieder verschärft. An der Grenze zu Israel kommt es wieder verstärkt zu teilweise gewaltsamen Protesten.Im Gazastreifen kam es außerdem zuletzt zu Protesten gegen die harten Lebensumstände in dem blockierten Küstenstreifen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte, die Hamas-Polizei sei brutal gegen die Demonstranten vorgegangen. Mehr als tausend Menschen seien in diesem Monat festgenommen worden. Die Proteste richteten sich unter anderem gegen Steuern, die Hamas erhebt, unter anderem auf Zigaretten und Lebensmittel.

Am Sonntagabend hatten israelische Panzer nach Armeeangaben Hamas-Posten in dem Palästinensergebiet beschossen. Militante Palästinenser hätten zuvor Flugkörper mit Sprengsätzen nach Israel geschickt und Soldaten an der Grenze mit Sprengsätzen beworfen.Seit Beginn von Protesten vor einem Jahr sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums an der Gaza-Grenze mehr als 260 Palästinenser getötet und Tausende verletzt worden. Die Demonstranten fordern unter anderem ein Ende der seit mehr als einem Jahrzehnt andauernden Blockade des Palästinensergebiets am Mittelmeer. Israel und Ägypten begründen die Blockade mit Sicherheitsinteressen.

Die Hamas wird von der EU, Israel und den USA als Terrororganisation eingestuft. In dem Küstenstreifen leben rund zwei Millionen Menschen unter schwierigen Bedingungen. Es mangelt unter anderem an Trinkwasser und Strom.

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