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Proteste im Gazastreifen - Zwei Palästinenser an Gaza-Grenze erschossen

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Steinewerfende Demonstranten, bewaffnete Armee: Kurz vor Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem kommt es zu gewaltsamen Zusammenstößen im Gazastreifen. Zwei Palästinenser sterben.

Palästinensische Demonstranten am 14.05.2018 in Jerusalem
Protest im Gazastreifen
Quelle: reuters

Schon Stunden vor der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem ist es am Montag zu heftigen Protesten der Palästinenser gekommen. Mindestens zwei Palästinenser wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen bei Konfrontationen mit israelischen Soldaten an der Grenze getötet. 147 seien verletzt worden, teilte der palästinensische Rettungsdienst Roter Halbmond mit. Mehr als 90 seien durch Schüsse verletzt worden, mehrere davon lebensgefährlich. Auch ein Journalist sei unter den Verletzten.

Brennende Reifen und US-Flagge

Auch in Ramallah im Westjordanland nahmen rund 5.000 Palästinenser an einem Protestmarsch teil. Sie trugen palästinensische und schwarze Flaggen sowie Schlüssel. Damit wiesen sie auf ihre Forderung nach einer Rückkehr in die Gebiete hin, aus denen 1948 im Zuge der israelischen Staatsgründung Hunderttausende Palästinenser flohen oder vertrieben wurden. Demonstranten verbrannten auch eine US-Flagge.

Zur Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem haben Palästinenser massive Proteste angekündigt. Am Gazastreifen werden Tausende am Grenzzaun erwartet, berichtet Nicola Albrecht aus Jerusalem.

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An der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen setzten zahlreiche Palästinenser Reifen in Brand; dichter schwarzer Rauch stieg in den Himmel. Nach Berichten von Augenzeugen versuchten mehrere Männer, den Grenzzaun zu Israel zu durchschneiden. Israels Armee hat die Zahl ihrer Soldaten an der Gaza-Grenze verdoppelt. Seit Ende März sind dort bei gewaltsamen Konfrontationen von Palästinensern und israelischen Soldaten 55 Palästinenser getötet und Tausende verletzt worden. In Flugblättern, die mit Flugzeugen verteilt wurden, hatte das israelische Militär am Montagmorgen mitgeteilt, dass gegen jeden Versuch vorgegangen werde, den Sicherheitszaun zu beschädigen.

Generalstreik im Gazastreifen

Mit dem "Marsch der Rückkehr" treten die Palästinenser für eine Rückkehrmöglichkeit in ihre Heimatorte ein. Die Höhepunkte der Kundgebungen sind für diese Woche geplant: am Montag, dem Tag der umstrittenen Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem, sowie am Dienstag, dem sogenannten "Nakba-Tag", mit dem die Palästinenser an die Vertreibung im Zuge der Staatsgründung Israels gedenken. Die meisten Bewohner des Gazastreifens sind Nachfahren von Flüchtlingen des Nahost-Kriegs um die Staatsgründung Israels 1948.

Karte: Israel - Jerusalem - Westjordanland - Gaza
Im sogenannten Sechstagekrieg 1967 besiegt Israel seine arabischen Gegner und nimmt den Gazastreifen, das Westjordanland, Ostjerusalem und die Golanhöhen ein.
Quelle: ZDF

Vor den Massenprotesten im Gazastreifen sind am Montagmorgen wegen eines Generalstreiks Geschäfte, Schulen und die Universitäten geschlossen geblieben. Zu dem Streik hatten alle politischen Fraktionen in dem Küstengebiet aufgerufen, einschließlich der radikalislamischen Hamas. Jugendliche verbrannten Reifen auf Kreuzungen von Hauptstraßen als Protest gegen die Verlegung der US-Botschaft in Israel nach Jerusalem. Busse sammelten Menschen von den Straßen auf, über Moschee-Lautsprecher wurde zur Teilnahme an den Massenprotesten aufgerufen.

Heftige Kritik an Verlegung der US-Botschaft

Neben Kundgebungen im Gazastreifen und in verschiedenen Städten der Palästinensischen Autonomiegebiete soll es eine zentrale Demonstration in der Nähe des US-Konsulats im Jerusalemer Stadtteil Arnona geben, in die US-Botschafter David Friedman mit einem kleinen Stab umziehen soll. Die Verlegung der US-Botschaft, die bislang wie alle anderen diplomatischen Vertretungen ihren Sitz in Tel Aviv hatte, hatte heftige Kritik in der Arabischen Welt und Unverständnis in vielen westlichen Staaten ausgelöst. Der endgültige Status Jerusalems solle erst im Rahmen einer Friedenslösung geklärt werden, so die internationale Position. Die Anerkennung Jerusalems als ungeteilte Hauptstadt Israels gilt als einseitiger Schritt.

Israel feiert den Schritt dagegen als großen politischen Triumph. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach von einem "bewegenden Tag für das Volk Israel und den Staat Israel". Er zitierte bei Twitter aus der Bibel: "Als der Herr die Gefangenen Zions zurückbrachte, da waren wir wie Träumende."

Israel beansprucht die ganze Stadt als seine Hauptstadt, die Palästinenser sehen hingegen in dem 1967 von Israel eroberten Ostteil die Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates.

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