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Wie Israel gegen Iran Allianzen schmiedet

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Nahost-Konferenz in Warschau - Wie Israel gegen Iran Allianzen schmiedet

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Für Israels Premier Netanjahu ist der Iran Staatsfeind Nummer eins. So strickt er an den Allianzen gegen die Expansion des Landes - mit den USA, aber auch in der arabischen Welt.

Benjamin Netanjahu, Ministerpräsident von Israel.
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu
Quelle: Gali Tibbon/POOL AFP/AP/dpa

Es ist kein Geheimnis, dass "Mr. Security", wie Israels Premierminister Benjamin Netanjahu auch genannt wird, das Thema "Iran - die Wurzel allen Übels im Nahen Osten" bereits lange als sein außenpolitisches Mantra pflegt. Mit seiner nach innen gerichteten Angstrhetorik hat er Wahlen gewonnen. Und in Israel herrscht durch alle Parteien und quer durch die eigentlich so heterogene Gesellschaft absoluter Konsens darüber, dass Iran die größte Bedrohung für den jüdischen Staat darstellt. Oft genug pflegen ja auch die Mullahs aus Teheran, ihre Vernichtungsdrohungen gegenüber Israel zu wiederholen.

Trump erfolgreich überredet

Netanjahu wiederum hat vor allem seine Bemühungen, gegen das Macht- und Expansionsbestreben des Iran vorzugehen, intensiviert. Und das sehr erfolgreich. Rhetorisch wie auch praktisch. Sein bislang größter Sieg: Er hat US-Präsident Donald Trump dazu überredet, das Atomabkommen mit Iran aufzukünden.

Ein weiterer Erfolg aus Netanjahus Sicht: Weitgehend widerstandsfrei hat die israelische Armee unilateral und präventiv hunderte Luftschläge gegen angebliche Stellungen der iranischen Brigaden oder ihrer Unterstützer durchgeführt. Das hat er jüngst auch ganz offen zugegeben und erklärt, dass Israel eine dauerhafte militärische Präsenz Irans in Syrien nicht dulden werde.

Nicht ganz neue Kontakte

Doch eine weitere Strategie Netanjahus mit Blick auf Teheran wird zunehmend deutlicher: Er schmiedet aktiv Allianzen in der sunnitisch-islamischen und arabischen Welt. Jahrzehntelang erschien diese Feindschaft ewig und unüberwindlich. Nun öffnet sich ein muslimisches Land nach dem andern dem jüdischen Staat.

Ganz neu sind die Kontakte nicht. Es galt lange Zeit als offenes Geheimnis, dass Israel wirtschaftlich mit der arabischen Welt kooperiert. Nur wollte dies auf arabischer Seite niemand öffentlich kundtun. Zum einen war es ideologisch nicht opportun, mit dem Propaganda-Feind Nummer eins zu kooperieren. Und zum anderen waren da ja noch die Palästinenser. Jene arabischen Brüder und Schwestern, die es in ihrem Kampf für einen eigenen Staat zu unterstützen galt.

Der gemeinsame Feind

Aber diese Zeiten gehören offenkundig der Vergangenheit an. Die Mehrzahl der arabischen Staaten hat die Palästinenser längst fallen gelassen. Und als ein militärischer Schlagabtausch zwischen Iran und Israel in Syrien bekannt wurde, kam für Israel Zuspruch von ungewöhnlicher Seite: Auf Twitter betonte der Außenminister des Golfstaates Bahrain, Scheich Khalid al Khalifa, der jüdische Staat habe das Recht auf Selbstverteidigung und dürfe die "Quelle der Gefahr" bekämpfen.

Die Unterstützungsbekundung für Israel ist mehr als nur die Einzelmeinung eines Ministers. Denn der kleine Golfstaat fungiert häufig auch als Sprachrohr des großen Nachbarn Saudi-Arabien. Und Riads Hauptfeind ist Iran, nicht Israel. So rücken Israel und Saudi-Arabien - nach dem Motto der "Feind meines Feindes ist mein Freund" - immer enger zusammen und dass auch sehr zur Freude der USA.

Trump selbst zeigt sich immer deutlicher als blinder Unterstützer Saudi Arabiens. Sein Schwiegersohn und Nahost-Beauftragter Jared Kushner ist ein persönlicher Freund des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. In der Khashoggi-Affäre stellen sich Trump und Netanjahu hinter ihn. Sollten sich nun die drei Hauptgegner Irans - die USA, Israel und Saudi-Arabien - in diesen Tagen auf der Nahost-Konferenz in Warschau treffen, wäre das ein weiteres Signal für die neue Allianz. Ob die allerdings die Lage im Nahen Osten stabiler macht, bezweifeln viele. Aber die Zweifler wiederum kommen auch nicht zur Konferenz nach Warschau.

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