Sie sind hier:

Netzausbau - Die Furcht vor dem Gesundheitsrisiko 5G

Datum:

Die Bundesnetzagentur bereitet den Weg für den superschnellen Mobilfunkstandard 5G. Doch Kritiker befürchten gesundheitliche Risiken durch die Strahlung. Was sagt die Forschung?

Mobilfunkantenne auf einem Hausdach
Unsichtbar und überall: Wie gefährlich ist Handystrahlung?
Quelle: imago

Nur mal zum Vergleich: Mit dem derzeitigen 4G-Netz lassen sich bis zu 100 Megabit pro Sekunde herunterladen. Mit 5G wird es das Hundertfache davon sein. Viele Handybesitzer fragen sich bei so viel Sende-Power, ob durch den Ausbau des neuen 5G-Netzes möglicherweise gesundheitliche Risiken drohen. Denn immer wieder wird Handystrahlung mit erhöhtem Krebsrisiko in Verbindung gebracht.

"Es ist zu erwarten, dass 5G zu einer massiven Zunahme der Zwangsexposition durch Funkstrahlung führt", warnt etwa der Bund für Umwelt und Naturschutz BUND. Denn auch, wenn man kein 5G-Handy besitzt, wäre man zwangsläufig der Strahlung der zusätzlichen Antennen ausgesetzt. So wolle allein die Telekom die Zahl ihrer Mobilfunkstandorte verdoppeln. Schon seit 2017 warnt ein Aufruf von über zweihundert Wissenschaftlern und Ärzten um den schwedischen Onkologen Lennart Hardell davor, den 5G-Ausbau in der EU voranzutreiben, bevor Klarheit über gesundheitliche Auswirkungen besteht.

BfS: "Keine gesundheitsrelevanten Wirkungen"

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) rät zwar zu einem umsichtigen Ausbau des Netzes und kündigt Forschungen zu dem Thema an, warnt aber vor Panikmache. "Wenn die Grenzwerte eingehalten werden, sind nach dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand keine gesundheitsrelevanten Wirkungen zu erwarten", so ein Sprecher des BfS. "Es besteht deswegen kein Grund, den Fortschritt des 5G-Ausbaus wegen gesundheitlicher Bedenken einzuschränken."

Ähnlich äußert sich Sarah Drießen vom Forschungszentrum für elektromagnetische Umweltverträglichkeit an der RWTH Aachen: "Da die jetzt versteigerten Frequenzen in ähnlichen Bereichen wie 4G und 3G liegen, sind diese 5G-Frequenzen gesundheitlich nicht anders zu bewerten." Die jetzt versteigerten Frequenzen liegen bei 2,0 und 3,6 sowie 3,7 Gigahertz.

Skepsis bei bestimmten Frequenzen - Offene Fragen bei neuen Anlagen

Eine andere Sache sei es hingegen, wenn Frequenzen von 20 Gigahertz bis 100 Gigahertz verwendet werden würden. "Denn je höher frequent die Felder sind, desto mehr Energie wird an der Köperoberfläche des Handynutzers absorbiert", sagt Drießen. Zudem gebe es zu diesem Frequenzbereich noch nicht annähernd so viele Studien, wie bei den anderen Frequenzen. Doch eben in diese Richtung von 26 Gigahertz sollen die Frequenzen perspektivisch in Deutschland gehen. "Hier sieht das BfS noch Forschungsbedarf", so der Sprecher des Bundesamtes. "Mögliche Auswirkungen betreffen vor allem Haut und Augen, da die Absorption sehr nahe an der Körperoberfläche stattfindet." Direkte Wirkungen auf innere Organe seien hingegen nicht zu erwarten.

Offene Fragen sieht das Bundesamt auch bei der Installation neuer Mobilfunkanlagen. "Hier gibt es mehrere gegenläufige Effekte", so eine BfS-Sprecherin. Einerseits würden zwar mehr Sender installiert werden, aber mit geringerer Sendeleistung. Diese würden dann näher an Orten betrieben, an denen sich tatsächlich Menschen aufhalten. "Wie sich das dann auswirkt, wie hoch die Strahlung sein wird, der jeder Einzelne ausgesetzt ist, ist im Moment schwierig abzusehen".

Langzeitstudien: Erhöhtes Krebsrisiko bei Ratten

Die aktuell versteigerten 5G-Frequenzen sind also anscheinend nicht mehr und nicht weniger schädlich als die Frequenzen, denen die Bevölkerung schon seit Jahrzehnten ausgesetzt ist. Die Frage ist somit nur: Wie gefährlich ist die Handystrahlung, der wir ausgesetzt sind? Die unbefriedigende Antwort der Forschung ist heute im Allgemeinen, dass hochfrequente Strahlung von Handys möglicherweise krebserregend ist. Zu diesem Ergebnis kam die Weltgesundheitsorganisation 2011, nachdem sie eine große Zahl von Studien dazu ausgewertet hatte. Denn während einige Untersuchungen sagten, dass das Vorkommen von Hirntumoren über die Jahre zugenommen hat, gibt es andere Studien, die das verneinen - und wieder andere, die sagen, dass sehr wohl ganz bestimmte Arten von Krebs zugenommen hätten.

Obwohl das BfS bei dieser Forschungslage keinen Grund sieht, eine Gesundheitsgefährdung anzunehmen, räumt es doch Unsicherheiten ein, was mögliche Langzeitwirkungen angeht, insbesondere bei intensiver Handynutzung. Angeregt diskutiert werden in der Fachwelt derzeit zwei Langzeitstudien, die NTP- und die Ramazzini-Studie. Über mehrere Jahre wurden Ratten Handystrahlung ausgesetzt. Dabei kam heraus, dass die untersuchten Ratten ein erhöhtes Risiko hatten, am Herzen Krebs zu bekommen. "Man sollte diese Ergebnisse ernstnehmen, aber auch nicht 1:1 auf den Menschen übertragen", sagt Drießen. So sei die Stärke der Strahlung in den Experimenten auch wesentlich höher gewesen, als Menschen ihr beim Telefonieren ausgesetzt sind.

Nur wie kann es sein, dass nach all den Jahren die gesundheitlichen Risiken immer noch nicht eindeutig bekannt sind? "Das hat viele Gründe", sagt Drießen. "Es liegt vor allem daran, dass das Risiko, wenn es bestehen würde, wahrscheinlich sehr gering ist. Denn wenn es groß wäre, hätten das die bereits durchgeführten Studien schon gezeigt." Auch hätten sich Technik, Strahlung und Nutzungsgewohnheiten im Laufe der Zeit sehr stark verändert, was Untersuchungen dazu erschwere. Dazu komme, dass heutzutage fast jeder ein Handy besitzt, weshalb den Forschern die sogenannten Kontrollgruppen ausgehen würden, also Menschen, die keiner Strahlung ausgesetzt sind und die bei Experimenten als Vergleich dienen könnten.

Für die nun versteigerten Frequenzen ist insgesamt also nicht eindeutig belegt, dass sie für die Gesundheit des Menschen schädlich sind. Für höhere Frequenzbereiche fehlt es noch an wichtigen Studien, um das sagen zu können.

So viel zu den Risiken. Welche Möglichkeiten 5G bieten könnte, sehen Sie in dieser makro-Dokumentation: "5G - Die vernetzte Welt".

Von 1G zu 5G

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.