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ZDFzoom: Kick and Cash - Macht Geld den Fußball kaputt?

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Verstörend hohe Ablösesummen im Profifußball, Zersplitterung der Spieltage, teure Pay-TV Abos. Fußball wird immer mehr zum Geschäft. Fans sind genervt. War früher alles besser?

Neymar
Wechselte für 222 Millionen von Barcelona nach Paris: Neymar
Quelle: reuters

Nein, früher war nicht alles besser. Dieser oft gepflegte Hang, Dinge zu verklären, die nicht mehr anzutreffen sind, gefällt mir nicht. Ich bin jetzt mehr als 35 Jahre für das ZDF als Fußballkommentator unterwegs. Zuerst nur in der Bundesliga, später kamen die Nationalmannschaft, WM-und EM-Turniere und die Champions League dazu.

Moderne Stadien, athletische Profi-Fußballer

Natürlich hat sich sehr vieles verändert: Die Stadien sind unvergleichbar moderner und komfortabler geworden, die Spiele athletischer, rassiger, die Profis technisch und taktisch besser ausgebildet. Aber woran liegt es, daß ich innerlich und emotional etwas vom Fußball abgerückt bin? Warum der Fußball mich als Journalist immer noch fasziniert, aber als Fan weniger berührt als früher?

Einer der Auslöser für unsere Dokumentation war der 222 Millionen teure Transfer des Brasilianers Neymar von Barcelona nach Paris. Eine Summe, die den Atem stocken lässt und die Frage nach Anstand aufwirft. In der französischen Hauptstadt erfahren wir, daß der Fußball bei Paris Saint Germain als Mittel zum Zweck dient: Er soll eine Marketingidee der katarischen Investorengruppe unterstützen. Fußball als Motor eines Unternehmens, das sich dem Pariser Lifestyle widmet und dort ein neues Produkt kreiert – garniert mit Erfolgen im Profifußball: Fünf Mal Meister, drei Mal Pokalsieger. Den meisten Fans des Vereins scheint die Marketingmaschinerie rundum egal zu sein - Hauptsache der Erfolg stimmt.

Beugt sich der deutsche Fußball dem Kommerz?

In Deutschland sind viele kritische Stimmen gegen den Kommerz zu hören. Oft aber auch eine ambivalente Haltung: Einerseits brauche man Geld, um mithalten zu können. Andererseits möge man bitte die alten Werte bewahren. Verantwortliche in Bundesliga wie Bayern-Präsident Uli Hoeneß oder Schalke-04-Sportvorstand Christian Heidel sind sich der Gefahr einer Überkommerzialisierung bewußt.

Nach mehrmonatigen Dreharbeiten gehen wir mit dem Gefühl heraus, daß früher oder später auch die Bundesliga sich dem Diktat des Großkapitals beugen wird. Man wird sich in der Breite nicht in Europa behaupten können, ohne das große Spiel mitzuspielen. Insofern: Früher war nicht alles besser - aber der Fußball hat irgendwie mehr Spaß gemacht.

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