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Namensstreit - Ist "Mohren"-Apotheke rassistisch?

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Mohrenapotheken gibt es einige in Deutschland - teilweise mit einer sehr langen Namenstradition. Aber: Ist das Wort "Mohr" nicht rassistisch? Müssen die Apotheken sich umbenennen?

Mohren-Apotheken-Schild
Quelle: ZDF

Die Diskussion hat eine Mitarbeiterin der Frankfurter Kommunalen Ausländervertretung ausgelöst, die selbst gebürtige Afrikanerin ist. Sie hat einen Antrag gestellt, damit die Mohrenapotheken in der Mainstadt ihren Namen ändern. Ihrer Meinung nach ist der Begriff rassistisch und passe nicht zu einer weltoffenen Stadt wie Frankfurt.

Viel Unterstützung und ebensoviel Protest

Das Echo auf ihren Vorstoß war gewaltig. Nicht nur medial. Sie selbst wird mit Lob, aber auch mit vielen Hassmails überschüttet, betroffene Apotheken sammeln Unterschriften gegen eine Umbenennung, und nun muss die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung entscheiden, wie es weitergeht.

Kerstin Podszus aus Friedberg kann die Diskussion jedenfalls nicht verstehen. Sie ist zwar noch nicht betroffen, aber sie macht sich schon jetzt große Sorgen, dass ihre Apotheke mit dem Namen "Zum Mohren" genauso ins Kreuzfeuer der Kritik gerät wie die im benachbarten Frankfurt. Deswegen sammelt sie seit einiger Zeit Unterschriften, damit sie von einer Umbenennung verschont bleibt. Auch eine Online-Petition hat sie gestartet. Ihre Apotheke gebe es schon seit 1621, also seit nahezu 400 Jahren, sagt Kerstin Podszus. Seit 99 Jahren sei die Apotheke im Familienbesitz, und sie führe sie seit 17 Jahren. Der "Mohr" als Maskottchen ist in ihrer Apotheke allgegenwärtig, das alles zu ändern würde eine enorme finanzielle Belastung bedeuten, sagt sie. Außerdem sei das Maskottchen ein "absoluter Sympathieträger" bei ihren Kunden. Rassistisch findet sie den Begriff Mohren überhaupt nicht.

Wäre ein Verbot Sprachzensur?

Die Frankfurter Ausländervertretung sieht das bekanntlich anders. Die Mohren-Apotheke in Frankfurt Eschersheim ist genauso betroffen, wie die auf der Frankfurter Zeil. Hier ist der Name "Zum Mohren" sogar Teil der denkmalgeschützen Steinfassade, was für Alexander Schwartz, den Leiter der Apotheke nicht das größte Problem ist. Er kann genauso wie Kerstin Podszus nicht verstehen, dass der Name "Mohr" rassistisch sein soll. Es sei auch eine Zensur der Sprache, sagt Alexander Schwartz, wenn man das Wort verbieten wolle. Der Name Mohr habe zudem lange Zeit ein positives Image gehabt. Deswegen könne er die jetzige Aufregung nicht verstehen.

Das positive Image, sagt Alexander Schwartz, komme daher, dass der der Begriff Mohr sich historisch von den Mauren ableite, die damals führend im Bereich der Medizin waren. Was auch erklären würde, warum rund 100 Apotheken hierzulande den Namen Mohr tragen.

Nicht nur Namen von Apotheken in der Diskussion

Doch es gibt auch die Mohren in der Kolonialzeit, die als Sklaven gehalten wurden. Bei den Frankfurtern wird das Thema Umbenennung jedenfalls seit Wochen kontrovers diskutiert, auch in der Stadtverordnetenversammlung. Die CDU ist gegen eine erzwungene Namensänderung, die Grünen sind dafür "Weil auch für mich dieser Begriff durchaus negativ konnotiert ist", sagt Dimitrios Bakakis von den Grünen: "Mag sein, dass er irgendwann mal positiv gemeint war, das ist heute definitiv nicht mehr der Fall." Ganz anders sieht das Thomas Kirchner, Stadtverordneter der CDU: "Ich weiß nicht, wie weit das gehen soll. Es gibt ja nicht nur Apotheken, es gibt ja auch Städte wie beispielsweise Coburg, die den Mohrenkopf, wenn ich das so sagen darf, im Stadtwappen trägt. Wie soll das denn enden?"

Die Proteste und Streit über angeblich rassistische Wörter gibt es schon länger. Die Mohrenstraße in Berlin war zum Beispiel lange im Kreuzfeuer der Kritik, bei "Pippi Langstrumpf" wurde der "Negerkönig" zum "Südseekönig", und auch in der "Kleinen Hexe" wurden die "Negerlein" aus dem Buch verbannt. Das Schicksal des "Mohrenkopfes" ist bekannt. Er wurde im "Schaumkuss" umbenannt. Und was meinen die, die es betrifft? Also die Dunkelhäutigen? In unserer nicht repräsentativen Umfrage auf der Frankfurter Zeil sagen viele, dass sie das Wort "Mohr" gar nicht kennen, deswegen sei es auch nicht beleidigend. Doch es gibt auch andere Stimmen. Pearl Hahn, Stadtverordnete der Partei "Die Linke" in Frankfurt hat eine deutsche Mutter und einen kenianischen Vater. Sie sagt: "Das Wort Mohr ist eine stereotypische Darstellung von schwarzen Menschen, und das sind nicht die schwarzen Menschen, die ich kenne. Und das bin ich auch nicht. Ich möchte als Individuum gesehen werden."

Erinnerungen an "Sarotti-Mohr"

Entscheiden über die Zukunft der Mohrenapotheken in Frankfurt wird in diesen Tagen die Stadtverordnetenversammlung. Viele rechnen damit, dass sie ihren Namen behalten dürfen, und dass es Ihnen nicht an den Kragen geht, wie bekanntlich auch dem "Sarotti-Mohr", der in "Magier der Sinne" umbenannt wurde.

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