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Warum die EZB-Geldpolitik die Sparer nervt

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Niedrige Zinsen - Warum die EZB-Geldpolitik die Sparer nervt

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Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte auf absehbare Zeit locker bleiben. Das ist ein Ärgernis für deutsche Banken und Sparer. Jammern allein hilft aber nicht.

Die EZB möchte durch Anleihen-Käufe der schwächelnden Konjunktur entgegenwirken. Auch an der häufig umstrittenen Niedrigzinspolitik hält sie fest und hat die Negativzinsen für Banken sogar erhöht.

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Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist vor allem in Deutschland heftig umstritten. Denn sie geht vor allem zu Lasten der Banken und der Sparer. Kreditnehmer hingegen profitieren – auch der Staat: Bund, Länder und Gemeinden haben zwischen 2008 und 2018 fast 370 Milliarden Euro an Schuldendienst gespart. Das teilte die Deutsche Bundesbank zu Jahresbeginn mit. An dieser Situation dürfte sich auch in den nächsten Jahren wenig ändern.

Sparer müssen Zinseinbußen hinnehmen

Die Sparer in Deutschland, das hatte die DZ-Bank im Frühjahr berechnet, haben in den letzten zehn Jahren 648 Milliarden Euro an Zinseinbußen hinnehmen müssen: Diese Summe errechnet sich aus der Differenz zu dem Durchschnittsniveau der zehn Jahre zuvor, also zwischen 1999 und 2009. "Während Sparer unter den niedrigen Zinsen leiden, freuen sich die Kreditnehmer unter den privaten Haushalten über günstige Konditionen. Deren jährliche Zinsersparnisse im Vergleich zum Normalniveau der Kreditzinsen addieren sich inzwischen auf 290 Milliarden Euro", erklärt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ-Bank.

Während Sparer unter den niedrigen Zinsen leiden, freuen sich die Kreditnehmer unter den privaten Haushalten über günstige Konditionen.
Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ-Bank


Rechnet man diese Einsparungen also dagegen, dann bleiben Netto-Zinseinbußen von 358 Milliarden Euro. Dennoch sammeln die Deutschen immer mehr Geld auf den Einlagekonten, also Giro- oder Tagesgeldkonten, laut Bundesbank waren das im Juni fast 1,5 Billionen Euro, eine Steigerung um 50 Prozent, seit der EZB-Leitzins bei 0,0 Prozent liegt.

Sollte die EZB die Negativzinsen noch weiter senken, dann fürchten viele Bankkunden, diese könnten dann auch an sie weitergegeben werden. Das haben bisher nur wenige Banken direkt getan, und dann auch meist nur für Einlagen von mehr als 100.000 Euro. Viele andere Banken haben jedoch die Gebühren erhöht und damit die Kunden zur Kasse gebeten.  

Welche Chancen erhofft sich die Europäische Zentralbank durch die neuen Maßnahmen und welche Risiken bergen sie? ZDF-Börsenexpertin Valerie Haller berichtet aus Frankfurt.

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Beraubt die EZB also den deutschen Sparer der Zinsen? Das sei die übliche Betrachtungsweise der EZB-Geldpolitik in Deutschland, sagt die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel von der Universität Bonn: "Das ist in vielerlei Hinsicht falsch, zumal ja das Mandat der EZB auch nicht darin besteht, dass der Sparer auskömmliche Zinsen hat. Sondern das Mandat der EZB besteht eben darin, die Preisstabilität zu sichern, und das versucht die Notenbank."

Sie (die EZB) kann zwar kurzfristig Preise bewegen, aber sie kann nicht die fundamentalen Veränderungen in der Wirtschaft umkehren, etwa den demographischen Trend.
Isabel Schnabel, Wirtschaftsweise Uni Bonn

Zum anderen sei die EZB auch nicht verantwortlich für die niedrigen Zinsen: "Sie kann zwar kurzfristig Preise bewegen, aber sie kann nicht die fundamentalen Veränderungen in der Wirtschaft umkehren, etwa den demographischen Trend." Und ohnehin: Die Sparer haben in den vergangenen Jahren, schon vor der lockeren Geldpolitik unter Mario Draghi, immer wieder Zinseinbußen erlitten – nicht nominal, sondern real. Seit 2003 waren die Zinsen nach Abzug der Inflationsrate in mehr als der Hälfte der Zeit negativ.

Deutsche Banken schimpfen über lockere Geldpolitik

Die Banken in Deutschland gehören zu denjenigen, die am lautesten über die lockere Geldpolitik schimpfen. 2,3 Milliarden Euro an Strafzinsen zahlten allein die deutschen Banken derzeit im Jahr, sagte Hans-Walter Peters, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken in der vergangenen Woche auf einer Bankentagung. Bei einer weiteren Senkung der Negativzinsen könnten es sogar 2,9 Milliarden Euro werden, das entspreche einem Zehntel des Jahresgewinns der deutschen Banken.

"Langfristig ruinieren diese Niedrigzinsen das Finanzsystem", fürchtet Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing sogar. Doch die Banken vergessen dabei zu erwähnen, dass sie an anderer Stelle auch von den Niedrigzinsen profitieren: Auch sie können sich günstig am Kapitalmarkt refinanzieren, das gilt ebenso für ihre Unternehmenskunden.

Langfristig ruinieren diese Niedrigzinsen das Finanzsystem.
Christian Sewing, Chef der Deutschen Bank

Deshalb ist auch die Sorge noch recht gering, dass es verstärkt zu Kreditausfällen kommen wird in der nächsten Zeit. Und die Geldhäuser profitieren außerdem in anderen Sparten: So haben die Kunden verstärkt Baufinanzierungen nachgefragt oder wollen mehr Geld in Investmentfonds anlegen. Das sind dann wieder Geschäftsfelder, in denen die Banken profitieren können. So mahnte der Chef der deutschen Bankenaufsicht Bafin, Felix Hufeld, denn auch schon, die Banken mögen aus ihrer Opfermentalität herauskommen: "Das reicht nicht. Wir müssen an die Geschäftsmodelle herangehen."

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