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Romano Prodi zu Wahl in Italien - "Ein Alarmsignal für Europa"

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Italiens Ex-Ministerpräsident Prodi warnt im exklusiven ZDF-Interview mit Antje Pieper vor dem Frust seiner Landsleute. Und den Folgen des Populismus für sein Land - und Europa.

Die Italiener wählen am Sonntag ein neues Parlament. Die Stimmung im Land ist aufgeheizt, die Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Lage groß. Rechte und europakritische Parteien sind stark in Umfragen, die Sozialdemokraten schwächeln deutlich.

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ZDF: Wie ist die Situation für die Jugend in Italien?

Romano Prodi: Die Krise, in der wir stecken, hat sich in einer ganz bestimmten Art und Weise verbreitet: Es trifft vor allem junge Menschen. Viele von ihnen, etwa zehn Prozent, leben in Armut. Und es betrifft nicht nur den Süden Italiens, sondern auch den Norden. Obwohl es nach wie vor einen Unterschied gibt, was die Armut angeht. Aber Achtung: Unser Problem betrifft nicht nur Migranten, sondern vor allem auch Italiener. Das ist wirklich ein allgemeines Problem.

ZDF: Was sind denn die konkreten Probleme der jungen Menschen?

Prodi: Die Beschäftigung sinkt und es gibt keine neuen Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt. Die alten Generationen können ihre Kaufkraft behalten, während die junge Generation auf der Strecke bleibt und wirtschaftlich nicht wächst. Also kommen sie entweder gar nicht auf den Arbeitsmarkt oder, wenn sie ihn doch betreten, geraten sie in eine prekäre Lage und haben keine langfristigen Sicherheiten.

ZDF: Gerade junge Menschen sind von der Politik enttäuscht. Was bedeutet das für Italien und Europa?

Prodi: Nein, sie sind nicht nur enttäuscht von der Politik, sie sind regelrecht frustriert. Damit meine ich, dass viele junge Menschen sich erst gar nicht an den Wahlen beteiligen werden. Was wir den Umfragen und Prognosen entnehmen können, fühlen sich manche zu populistischen Parteien hingezogen. Ein Großteil fühlt sich von der Lega angesprochen.

Aus Frust wegen der hohen Arbeitslosigkeit werden sich viele junge Italiener nicht an der Parlamentswahl beteiligen, meint Ex-Ministerpräsident Romano Prodi.

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ZDF: Hat sich Europa von den Menschen entfernt?

Prodi: Es gibt eine allgemeine Unzufriedenheit, die auch Deutschland betrifft. Demokratische Systeme stecken überall in einer tiefen Krise. Der Wunsch nach Autoritarismus ist auf der ganzen Welt zu finden. Die Gesellschaft ist kompliziert geworden und unsere traditionellen Parteien repräsentieren sie so nicht mehr.

ZDF: Der Populismus stellt eine Gefahr für ganz Europa dar. Wie sieht es mit Italien aus? Hier gibt es einerseits den Rechtspopulismus, aber auch die 5-Sterne-Bewegung?

Prodi: Achtung! Der Populismus in Italien ist ein Alarmsignal für Europa. Auch für Deutschland. Meiner Meinung nach braucht es tiefgreifende Reformen. Das hat auch Deutschland verpasst. Die befristeten Jobs müssen weniger werden, die Leute brauchen Festanstellungen. Wir müssen den Menschen dadurch Sicherheit und Selbstvertrauen zurückgeben, wie sollen die so ihr Leben planen können?

Das Interview führte Antje Pieper.

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