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Italiens Schulden - Ein Schritt noch zum Abgrund

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Die EU hat Italiens Haushaltsentwurf zurückgewiesen. Moody's stuft italienische Staatsanleihen herab. Nun muss das Land seinen "Volkshaushalt" überarbeiten.

Italienische Ein-Euro-Münze
Italienische Ein-Euro-Münze
Quelle: dpa

Ein Wochenende des Schreckens für Italien – doch zittern dürfen alle Nachbarn, Freunde und Feinde. Am Montag droht ein Debakel an den Finanzmärkten – und eine Flucht aus italienischen Anleihen und Aktien.

Herabstufung: Mamma mia!

Die italienische Regierung glaubte noch bis Freitagabend, sie müsste ihre Haushaltspläne nur besser erklären, dann werde die EU-Kommission schon beidrehen im Streit um die hohe geplante Neuverschuldung (2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung). Auf derlei nähere Erklärungen wollte die Ratingagentur Moody’s allerdings nicht warten: Nach Börsenschluss der turbulenten Woche senkte sie den Daumen über Italien, und stufte die Kreditwürdigkeit des Landes von einer schlechten Note „Baa2“ auf die schlechtere und letzte noch halbwegs akzeptable „Baa3“ – noch ein Schritt und Italien würde auf den Finanzmärkten als akut ausfallgefährdet gelten, seine Staatsanleihen mithin „Junk“, also Müll oder Ramsch. Mamma Mia!

Jetzt greifen nur noch die Zocker zu

Schon zum Wochenende notierte die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe bei zeitweise 3,62 Prozent. Diesen Zinssatz würden die Märkte verlangen, wollte Italien neue Anleihen ausgeben, und das muss die Regierung aus linksradikalen "5 Sternen" und rechtsnationaler "Lega" wohl, um ihre milliardenteuren Wahlversprechen zu bezahlen. Darunter höhere Renten und mehr Arbeitslosengeld – also erst einmal nichts, was man als Investition mit wachstumsförderndem Charakter bezeichnen könnte. Das Geld landet irgendwann im Binnenkonsum und erhöht nur die Importe des Landes, das mehr einführt als exportiert. Daraus erklärt sich die harsche Reaktion der Ratingagentur – und die beiden anderen Großen, Fitch und Standard & Poor’s, dürften rasch folgen. Kredittechnisch befindet sich Italien nun in einer Klasse mit Kasachstan oder Rumänien sowie weiteren eher weniger begehrten Nationen. Ein weiterer Abstufungsschritt würde das Land dann über die Klippe stoßen: Damit würden italienische Staatspapiere als so riskant bewertet, dass Investmentfonds, Versicherungen und andere als seriös geltende Institutionen sie nicht mehr im Bestand halten dürfen. Eine Verkaufswelle wäre die Folge mit abstürzenden Kursen. Wobei man schon zu Handelsbeginn in der Nacht zum Montag in Fernost sich besser festen Halt suchen sollte. Nicht von ungefähr warteten die Kreditwächter bis zum Wochenende, damit wenigstens direkte Panikreaktionen an den Märkten ausblieben.

Europa ratlos: Kommt jetzt die Quittung für die Rettungspolitik?

Jetzt hat man Zeit zum Grübeln. Was die EU-Kommission wohl ebenso tun dürfte wie die Europäische Zentralbank. Die blicken erschüttert auf dem Tisch herum: Wie konnte das passieren? „Nie dagewesene“ Verstöße gegen den Stabilitätspakt konstatierte die Kommission, während die EZB sich in vornehmes Schweigen hüllt. Was wird aus den italienischen Anleihen, die sich massenhaft im Giftschrank der Währungshüter befinden? Wie könnte man es der europäischen Öffentlichkeit notfalls vermitteln, dass ein Land Hilfe bräuchte, sich aber kein bisschen um die Voraussetzungen dafür schert? Die Vermutungen an den Finanzmärkten laufen darauf hinaus, dass die EU die Gläubigerländer Italiens unterstützen dürfte, zum Beispiel Frankreich, das in Rom und Mailand Milliarden im Feuer hat und dessen Banken dort einstmals renommierte Töchter ihr eigen nennen, die nun bei Tageslicht sehr hässlich aussehen. Spanien folgt als Risiko, und Deutschland ist mit Geld und guten Worten auch stets gern vorstellig geworden im touristischen Sehnsuchtsland, das doch in puncto Disziplin eher bestaunt als bewundert wurde.

O sole mio im Regierungspalast

Es sieht also ganz so aus, als müsste nicht die italienische Regierung jemandem etwas erklären, sondern sich eher selbst ein paar Dinge erklären lassen. Zum Beispiel, dass Geld und Vertrauen zusammenhängen. Oder einige grundlegende, dabei doch spannende ökonomische Gesetze: Dass man jeden Cent nur einmal ausgeben kann, und auch das nur, sofern man ihn zuvor ordentlich in seinen Besitz bringt. Die bittere Ironie der Geschichte ist eben, dass das Volk, welches die irrlichternden Parteien in die Regierung gewuchtet hat, für jeden empfangenen Euro bitter wird bezahlen müssen. Dass es so schnell gehen würde, hätten die Finanzakrobaten im Regierungspalast wohl nicht geahnt: Normalerweise vertrauen solche Politiker darauf, dass die Rechnung für ihre Taten erst der nächsten Generation präsentiert werden. Soviel Zeit hat Italien beileibe nicht.

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