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Gründung vor 75 Jahren - IWF und Weltbank - mehr beschimpft als bewundert

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Sie waren vor 75 Jahren als Heilmittel für eine finanziell geschundene Welt gedacht: Internationaler Währungsfonds und Weltbank. Doch sie werden mehr beschimpft als bewundert.

Gebäude der IWF in Washington, aufgenommen aam 12.05.2019
Der Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington
Quelle: imago images / Dean Pictures

Es war eine Art von Armageddon, die größte anzunehmende Katastrophe schlechthin für die Menschheit: Vor 75 Jahren tobte der Zweite Weltkrieg, an ein weltumspannendes Netzwerk gleich welcher Art war nicht zu denken. Oder vielleicht doch? Kurz bevor der Krieg endete, überlegten ein paar Visionäre im amerikanischen Ski-Ort Bretton Woods im Bundesstaat New Hampshire, ob der Mensch zumindest wirtschaftlich noch ganz bei Trost sein könnte. Und erfanden eine Hilfsorganisation, die mit heute 189 Mitgliedsländern nach den Vereinten Nationen wohl der größte Verein der Erde sein dürfte. Kein Wunder, denn von IWF und Weltbank gibt es Geld, viel Geld. Manchmal nur für gute Worte.

Wozu das Ganze? Der Gründungsgedanke beider Institutionen war es, Instabilität zu bekämpfen und Wackelkandidaten der Weltwirtschaft zu stabilisieren. In der gewiss richtigen Annahme, dass wirtschaftlich notleidende Länder eher dazu neigen, in einer Diktatur zu enden als solche, die ein solides Wachstum aufweisen. Das war etwa der Grundgedanke von John Maynard Keynes, der als Wirtschaftswissenschaftler seine Ära prägte. Nicht unumstritten vertrat er die Ansicht, dass Staaten in der Flaute Geld in die Volkswirtschaft pumpen sollten - und in guten Zeiten wieder einsparen.

"There is no free lunch"

Der Gedanke lag der Gründung dieser beiden weltumspannenden Institutionen zugrunde. Die meisten Unterzeichner der Abkommen hatten aber offenbar nur den ersten Teil der Verträge gelesen: Dort stand, man bekomme viel Geld. Im Kleingedruckten fand sich dann diese Sache mit der Rückzahlung. Denn "there is no free lunch", eine prägnante Formel von Milton Friedman: Es gibt nichts umsonst. Nicht einmal ein Mittagessen, sagte der amerikanische Wirtschaftsprofessor einst. Friedman prägte eine ganze Ära amerikanischer Wirtschaftspolitik und damit auch Weltbank und IWF. Das machte seinesgleichen geradezu verhasst.

Denn IWF und Weltbank waren gegründet worden, um mit Krediten auszuhelfen. Die Staatengemeinschaft griff ihren schwächeren Mitgliedern sozusagen unter die Arme. Doch wie bei allen Krediten gab es auch Bedingungen: scharfe Kontrollen der Staatsführung, rigide Sparmaßnahmen. Das war und ist es, was der Bevölkerung in notleidenden Staaten zuerst einfällt, wenn sie "Weltbank" hört. Dass in vielen afrikanischen und einigen asiatischen Ländern das theoretisch vorhandene Volksvermögen regelmäßig durch die anwesenden Potentaten verschleudert oder schlichtweg einkassiert wird, ist noch keineswegs Allgemeinwissen. Ein Wirtschaftsaufschwung, der vielleicht dem IWF zu verdanken ist, wird im Lande doch lieber der amtierenden Regierung zugeschrieben.

Als Exportmodell des Kapitalismus kritisiert

Die Kritik an den beiden Institutionen blieb: Ein Exportmodell des Kapitalismus seien sie, eine Knebelung der Entwicklungsländer. Sie selbst sehen sich eher als Paradepferd des vernünftigen Wirtschaftens, so in der Art der schwäbischen Hausfrau, wenn diese es denn international zu Berühmtheit gebracht hätte. Aber mit den Jahren wandelten sich auch die Welt-Organisationen im amerikanischen Washington: Der Zeitgeist erwischte die Kreditabteilung. Soziale, umweltschützerische und nachhaltige Projekte zählen mehr als Geld und gute Worte. IWF und Weltbank sind besser als ihr Ruf.

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