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E-Commerce-Unternehmen - Jack Ma tritt ab - Alibaba will weiter wachsen

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Alibaba-Chef Jack Ma zieht sich aus dem Geschäft zurück. Er hinterlässt eines der größten E-Commerce-Unternehmen Chinas, das jetzt verstärkt global durchstarten will.

Jack Ma
Zu seinem 55. Geburtstag tritt Alibaba-Chef Jack Ma seinen Rückzug an.
Quelle: imago

Er hatte es bereits angekündigt: Jack Ma, der Co-Gründer und Vorstand der Online-Plattform Alibaba, ist heute zurückgetreten. Der 55-Jährige hinterlässt eines der erfolgreichsten Unternehmen Chinas - mit 674 Millionen aktiven Nutzern und rasant wachsenden Umsatzzahlen eine Goldgrube für Mas Nachfolger Daniel Zhang. Der CEO hatte schon im August angekündigt, wo er mit Alibaba hin will: auf den globalen Markt.

"Alibaba hat den europäischen Händlern den Weg zu chinesischen Konsumenten, also den Weg von West nach Ost bereits geebnet", analysiert Plattform-Ökonom Holger Schmidt. Mittlerweile verkaufen massenhaft internationale Konzerne über Alibaba ihre Produkte. So können chinesische Kunden beispielsweise auf dem Alibaba-Ableger TMall Kleidung der spanischen Kette Mango kaufen oder per "Freshippo"-App in einem digitalen Supermarkt Essen nach Hause bestellen - geliefert von Robotern. Längst durchdringt Alibaba in China alle Bereiche des Lebens. Die Nutzerdaten werden dabei gesammelt, um neue Geschäftsmodelle zu erschließen.

Alibaba versus Amazon

Plattform-Ökonomen in Deutschland können davon nur träumen. "Global ist das, was Jack Ma geschaffen hat, imposant", sagt Holger Schmidt. "Er hat nahezu die perfekte Plattform kreiert." Alibaba habe Ökosysteme aufgebaut - das Unternehmen binde Partner aus verschiedenen Bereichen an sich, aus dem Finanzsektor, der Filmwelt, Medizin, der Automobilbranche und noch viele mehr. Zudem habe Ma viel Geld in Künstliche Intelligenz und die neuesten Innovationen gesteckt.

Schmidt rechnet damit, dass Alibaba auch umgekehrt den Weg von Ost nach West gehen wird. Aber bis das Unternehmen in Europa so schnell liefern könne wie etwa Amazon, werde noch viel Zeit vergehen. Und noch sei die Plattform-Ökonomie in Europa nicht so weit wie in den USA und Asien.

In Europa ist nach wie vor Amazon der mächtigste Internetkonzern - mit 232 Milliarden Euro Umsatz 2018 und einer jahrelang ausgeklügelten Infrastruktur. Denn gerade für schnelle Lieferzeiten sind Logistikzentren notwendig, über die Alibaba nicht verfügt. Dies ist auf die unterschiedlichen Ansätze der beiden Unternehmen zurückzuführen: Amazon entwickelte sich erst schrittweise vom klassischen Händler mit eigenen Lagerhallen zum Plattformsystem mit Angeboten wie Prime oder Amazon Fresh.

Alibaba war hingegen von vorneherein - seit seiner Gründung 1999 - als Plattform angelegt. Zur reinen Abwicklung der Geschäfte zwischen externen Händlern kam das Unternehmen ganz ohne teure Logistikzentren aus. Die Plattform sei eben nicht das chinesische Pendant zu Amazon, viel mehr sei "Alibaba der eigentliche Pionier und Amazon der Follower", so Holger Schmidt. Mittlerweile erziele Alibaba ein Handelsvolumen von 853 Milliarden Euro, also das Dreifache von Amazon.

Die Schlacht des E-Commerce wird nicht in Europa ausgetragen

Vor diesem Hintergrund erscheint es unwahrscheinlich, dass Alibaba all seine Anstrengungen auf den europäischen Markt richtet. Wahrscheinlicher sei eine Erweiterung nach Südamerika, Afrika oder Südostasien.

"In Indien wird momentan die Schlacht des E-Commerce ausgetragen", analysiert auch Holger Schmidt. "Zum ersten Mal prallen Alibaba und Amazon dort mit gleichen Chancen aufeinander." Der Grund: Mehr Konsumenten, ein recht unerschlossener Markt. Weder die chinesische noch die amerikanische Unternehmer- und Staatsmacht verhindern hier die jeweiligen Konkurrenten an einer freien Entfaltung. Wer sich am Ende die Marktmacht sichert, ist noch offen. Denn mit Reliance Retail, einer Online-Plattform aus Indien, müssen sowohl Amazon als auch Alibaba mit einem weiteren Konkurrenten rechnen.

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