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Jackson Hole in den USA - Notenbanker-Treffen: Warum es uns angeht

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In einem Tal am Fuß der Rocky Mountains steht bis Samstag die Geldpolitik im Fokus. Die theoretischen Diskussionen in Jackson Hole könnten aber Folgen für alle Verbraucher haben.

Grand Teton Mountains
Am Fuße der Rocky Mountains, in Jackson Hole, Wyoming, wird die große Geldpolitik gemacht.
Quelle: dpa

Was machen die Geldpolitiker in Jackson Hole?

Archiv: Jerome Powell am 31.07.2019 in Washington
Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Fed.
Quelle: Reuters

Jedes Jahr im Spätsommer treffen sich die wichtigsten Notenbanker der Welt, aber auch einige Ökonomen und Geschäftsbanker und diskutieren zentrale Fragen der Geldpolitik. Die soll nämlich die Wirtschaft in ihrem Wachstum unterstützen und für stabile Währungen und Finanzmärkte sorgen.

Dabei gilt in diesem Jahr die Aufmerksamkeit vor allem Jerome Powell, dem Chef der US-Notenbank Fed. Denn der steht unter dem Druck von US-Präsident Donald Trump: Er drängt Powell dazu, die Zinsen noch weiter zu senken, damit die Wirtschaft der USA noch stärker wachse. Ob die unabhängige Fed diesem Druck nachgibt, beobachten die Finanzmärkte mit großer Spannung. Dass die EZB die Geldpolitik noch weiter lockern und dann wohl auch die Zinsen nochmals senken wird, gilt schon als abgemacht.

Wieso ist das Treffen für Verbraucher wichtig?

Die Notenbanken entscheiden über die Leitzinsen. "Die sind der Ausgangspunkt für die Zinsen, die die Verbraucher betreffen - also sowohl die Sparzinsen als auch Kreditzinsen für Immobiliendarlehen oder Verbraucherkredite", erklärt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Deutschland. Diese Zinsen werden zwar auch von anderen Faktoren beeinflusst, aber die grundsätzliche Richtung geben die Notenbanken vor.

Niedrige Zinsen - schlecht für Sparer, aber gut für Reiche?

Diesen Eindruck kann man bekommen, wenn man auf die Entwicklung der Zinsen auf Tages- oder Festgeld schaut. Die liegen für deutsche Sparer aktuell im Schnitt bei 0,08 Prozent, Festgeld für zwei Jahre bringt im Schnitt 0,26 Prozent, hat die fmh Finanzberatung Max Herbst ermittelt. Zieht man davon die jährliche Inflationsrate von aktuell 1,7 Prozent ab, verlieren Sparer in solchen Anlagen also real Geld.

"Die Realzinsen sind aber auch nicht so viel niedriger als in der Vergangenheit", sagt Ökonom Carsten Brzeski. Denn früher gab es zwar deutlich höhere Zinsen, aber auch die Inflationsrate lag auf einem deutlich höheren Niveau. Im Mittel, so hat es die Deutsche Bundesbank errechnet, haben deutsche Haushalte im vergangenen Jahr nach Abzug der Inflation eine negative Gesamtrendite erzielt von minus 2,5 Prozent. Diese Gesamtrendite setzt sich aus den Renditen auf Bankeinlagen, Wertpapiere wie Aktien und Ansprüche an Versicherungen zusammen.

Karte der USA mit dem Bundesstaat Wyoming und der Stadt Jackson. Sie liegt im Tal Jackson Hole.
Karte der USA mit dem Bundesstaat Wyoming und der Stadt Jackson. Sie liegt im Tal Jackson Hole.
Quelle: ZDF

Denn deutsche Sparer horten ihr Geld vor allem in Bankeinlagen. Vermögende Anleger sind da etwas im Vorteil, weil sie mehr Geld übrighaben, das sie auch in Aktien oder Immobilien investieren können, Anlageformen also, die mehr Rendite bringen. Denn deren Preise sind gestiegen, weil mehr Menschen auf diese zum Teil etwas riskanteren Anlageformen ausgewichen sind.

Wird die Ungleichheit dadurch erhöht?

Auf den ersten Blick könnte man das meinen, wenn man nur die Anlageseite betrachtet. Doch nicht nur die Zinsen auf Spareinlagen sind abgeschmolzen, auch die für Kredite. Damit werden etwa überschuldete Hausbesitzer entlastet. Denn die Hypothekenzinsen sind ebenfalls stark gesunken, sie liegen für zehnjährige Darlehen jetzt schon bei unter einem Prozent, in günstigen Fällen sogar noch tiefer.

Gleichzeitig sind aber auch die Immobilienpreise gestiegen. Der Wert der Häuser hat sich also erholt. Mit der Niedrigzinspolitik verschieben die Zentralbanken eine Umverteilung von Gläubigern zu Schuldnern. Und das kann dann die Ungleichheit auch wieder dämpfen. Allerdings muss man auch sehen, dass die wenig vermögenden Verbraucher oft nicht die Möglichkeit haben, eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen, sie können also deshalb von diesem Vorteil nicht profitieren.

Welchen Effekt hat die Geldpolitik auf die Staatshaushalte?

Einen maßgeblichen Effekt. Denn wenn die Kreditzinsen sinken, dann sinken damit auch die Belastungen für die Staatshaushalte, die ihren Gläubigern ja die geliehenen Gelder zurückzahlen müssen. Das zeigt sich am Beispiel Deutschlands: Der deutsche Staat kann sich aktuell über alle Laufzeiten verschulden, ohne dafür Zinsen aufwenden zu müssen. Im Gegenteil: Die Gläubiger zahlen ihm eine Gebühr dafür, dass sie ihm Geld leihen. Selbst wer dem Staat für 30 Jahre Geld leiht, erhält dafür keinen Cent Zinsen.

Gestern gab Deutschland nämlich erstmals eine 30-jährige Anleihe mit einem Coupon von null Prozent aus. Die Idee der Geldpolitik hinter diesen niedrigen Zinsen ist eigentlich, dass die Staaten vor allem im Süden Europas ihren hohen Schuldenberg so leichter abtragen können. Die aber nutzen zum Teil die Gunst der Stunde, um sich noch mehr zu verschulden.

Was bedeutet das für den Einzelnen?

Wenn Staat und Unternehmen investieren, dann schaffen sie damit Jobs, entsprechend sinkt die Zahl der Arbeitslosen, die Menschen verfügen über mehr Geld. Damit aber können sie auch wieder mehr konsumieren, sie stützen also damit die Wirtschaft – wie aktuell in Deutschland. Die Verbraucher werden auch deshalb mehr kaufen als sparen, so jedenfalls die Theorie, weil sie für die Geldanlage eben kaum Zinsen erhalten.

Die Europäische Zentralbank hat darüber hinaus noch das Ziel, die Inflation stabil zu halten. Damit sollen Unternehmen und Verbraucher Planungssicherheit bekommen. Wer also heute eine Immobilie kaufen oder eine andere größere Anschaffung tätigen möchte, könne so sicher gehen, dass der Preis nicht in ein oder zwei Jahren sinken werde, erklärt ING-Chefvolkswirt Brzeski.

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