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Jägerinnen - Immer mehr Frauen an der Flinte

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In Deutschland steigt nicht nur die Zahl der Waffenscheine. Immer mehr Menschen machen auch einen Jagdschein, vor allem Frauen. Ein Besuch in der Jagdschule Emsland.

Immer mehr junge Frauen büffeln für den Jagd- und Waffenschein. Niedersachsen ist bundesweit Spitzenreiter, hier werden die meisten Jagdscheine vergeben.

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"Das Korn sitzt auf dem Kornsattel, die Züge fahren durch die Felder, beachtet die ganze und die halbe Dralllänge!" Es fliegt - im wahrsten Sinn des Wortes - Jägerlatein durch den Unterrichtsraum der größten und ältesten deutschen Jagdschule im niedersächsischen Papenburg. 20 Augenpaare sind auf Ausbilder Christian Symens gerichtet, der nacheinander Büchsen, Flinten, Pistolen und Revolver in die Hand nimmt - Waffenkunde, ein Teil der theoretischen Jagdschein-Prüfung. "Die Kurzwaffen haben weniger Energie als die Langwaffen", erklärt Symens. Je nach Wildtier benötigten Jägerinnen und Jäger Waffen mit der "richtigen Energie, die das Stück dann auch verenden lassen". Im Kurs sitzen auch vier Frauen.

Ernährung und Tierschutz ein Grund für den Jagdschein

Immer mehr Frauen machen einen Jagdschein
Heutzutage ist rund ein Viertel der Teilnehmer der Jagdschein-Kurse weiblich.
Quelle: ZDF

Zugegeben, für jemanden, der nicht mit der Jagd großgeworden ist, muten diese Ausführungen etwas martialisch an. In Wahrheit dienen der korrekte Gebrauch der Waffe und ein sauberer Schuss aber dem Tierschutz, lerne ich bei meinem Besuch. Die 25-jährige Jennifer Junker ist mit einigen Jägerinnen und Jägern befreundet, jetzt büffelt sie selber für das "Grüne Abitur", wie die Jäger-Prüfung auch genannt wird. "Ich bin sehr gerne in der Natur, als Landkind kenne ich das nicht anders", erzählt sie. Der ausschlaggebende Punkt sei für sie tatsächlich das Fleisch gewesen. "Ich esse gerne Wildfleisch und möchte für mich selbst entscheiden, welches Fleisch bei mir auf den Tisch kommt. Und besseres Fleisch gibt es für mich einfach nicht." Gesunde Ernährung und Tierschutz sind tatsächlich für viele Frauen ein Grund, den Jagdschein zu machen.

Vor 20 Jahren sah das Bild noch anders aus: Gerade mal ein Prozent der Kursteilnehmer war weiblich. Heute ist es rund ein Viertel. Neben Waffen- und Munitionskunde lernen die angehenden Jägerinnen und Jäger auch Wissenswertes über das Jagdrecht, über Tier- und Naturschutz, Wildbret-Hygiene oder über das Hundewesen.

Immer mehr Frauen machen einen Jagdschein
"Die gängigsten Vögel waren mir bekannt, die Amsel, Drossel oder der Eisvogel. Den Ziegenmelker kannte ich noch nicht oder die Wasseramsel", sagt Jennifer(r.), die derzeit für den Jagdschein büffelt.
Quelle: ZDF

Angehende Jägerinnen "gewissenhafter beim Lernen"

Wir wechseln den Unterrichtsraum und werden von Dutzenden Glasaugen angestarrt: Füchse, Fasane, Rehe, Wildschweine, jede Menge Enten und unzählige Raub- und Singvögel. 60 Präparate muss Jennifer bei der Jäger-Prüfung erkennen können, erklärt Christian Symens. "Die gängigsten Vögel waren mir bekannt, die Amsel, Drossel oder der Eisvogel. Den Ziegenmelker kannte ich noch nicht oder die Wasseramsel", sagt Jennifer. Nicht alle Tiere hier im Raum dürfen gejagt werden. Es gibt strenge Abschusspläne, die jeder Landkreis einzeln festlegt.

Ob sich Frauen anders verhalten bei der Ausbildung, frage ich Symens. "Die Damen sind schon ein bisschen gewissenhafter beim Lernen. Den Männern muss ich auf gut Deutsch schon mal in den Hintern treten, dass wir vorankommen", lacht der Ausbilder und verrät mir: Bei der Waffen- und Munitionskunde seien die Herren voll dabei. Viele Frauen kämen über ihre Hundeliebe zur Jagd.

Waffe als reines Mittel zum Zweck

Ein paar Klischees werden bei den angehenden Jägerinnen und Jägern also doch bestätigt. Aber jetzt Schluss mit Theorie und raus auf den Lehrpfad! Jennifer hat eine Büchse geschultert, wir nähern uns einem Erdsitz, der für die Niederwildjagd verwendet wird, also für Hasen zum Beispiel. Waffe sichern, in den Erdsitz klettern, Waffe wieder aufnehmen und laden, Oberkörper nach vorne lehnen, durch das Zielfernrohr schauen und kontrolliert abdrücken. Jennifer wird in der Jäger-Prüfung drei Schießdisziplinen absolvieren müssen. Heute schießt sie ohne Munition - Training! Aber wird sie später auch die Nerven haben, ein Tier zu töten? "Man nimmt natürlich ein Leben", sagt sie. "Aber es gehört dazu. Wenn man Fleisch essen möchte, muss man das machen." Die Waffe sei reines Mittel zum Zweck, eine Waffennärrin ist sie nicht.

"Die Jagd an sich hat tatsächlich nur einen ganz kleinen Teil mit dem Erlegen von Wild zu tun", erklärt Christian Symens, während er Jennifer Anweisungen gibt, die mit umgeschnallter Büchse einen Hochsitz besteigt. Jeder Berufsjäger, jeder Jagd-Pächter und somit auch die angehenden Jägerinnen und Jäger im Emsland werden viel mehr Zeit mit der Revier-Hege verbringen: Hecken oder Blühstreifen anpflanzen etwa, um so bedrohten Tierarten einen Lebensraum zu schaffen.

Im März ist Jäger-Prüfung in Theorie und Praxis. Danach hofft Jennifer auf eine Einladung von ihren befreundeten Jägerinnen und Jägern, um in deren Revier zu jagen. 19 Prozent der Prüflinge fallen bundesweit beim "Grünen Abitur" durch. Anders in der Jagdschule Emsland: Hier bestehen 95 Prozent der Teilnehmer - und das egal ob Mann oder Frau.

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