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Jahresrückblick der ZDF-Korrespondenten - Israel: Es kann nur besser werden

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Das Jahr in Israel: Runder Geburtstag, Jerusalem als Hauptstadt anerkannt. Im Nahost-Konflikt? Alles wie gehabt, sagt ZDF-Korrespondentin Nicola Albrecht in ihrem Jahresrückblick.

Palästinensische Demonstranten an der Grenze zu Israel.
Palästinensische Demonstranten an der Grenze zu Israel.
Quelle: --/XinHua/dpa

Eigentlich wollte ich nichts über US-Präsident Donald Trump schreiben, es wird schon genug über ihn geschrieben. Aber er lässt sich wohl auch im Nahen Osten kaum übersehen, kaum umgehen. Denn es ist der US Präsident, der im Frühjahr 2018 in einer großen Zeremonie die US-Botschaft nach Jerusalem verlegen lässt.

Ein symbolischer Akt, der Alltag und Realitäten hier zwar nicht ändert, aber stellvertretend für den Wandel der US-Nahost-Politik steht. Die israelische Regierung empfindet es als uneingeschränkte Unterstützung, in den Augen der Palästinenser ist es ein Schlag ins Gesicht. Die USA haben sich seitdem für sie als neutraler Vermittler disqualifiziert. Und in Gaza befeuert der Akt Proteste, die immer gewaltsamer werden.

Für die einen Staatsgründung, für die anderen Vertreibung

Unter dem Namen "Marsch der Rückkehr" rufen zivilgesellschaftliche Gruppen bereits im März zu friedlichen Demonstrationen auf. Denn in Israel hat man 2018 den 70. Jahrestag der Staatsgründung gefeiert - für die Palästinenser 70 Jahre "Nakba", also Vertreibung. Doch schon bald übernimmt die Palästinenser-Organisation Hamas die Regie bei den Protestmärschen.

Israels Armee reagiert mit Härte auf Tausende Demonstranten am Zaun. Mehr als 200 Palästinenser werden von Scharfschützen erschossen, darunter auch Vertreter der Presse und medizinische Ersthelfer. Ein Propaganda-Krieg ist entfacht: 'Alles Terroristen', ruft die israelische Regierung - 'brutales Vorgehen der Besatzung gegen friedliche Demonstranten' antworten die Palästinenser. Ein Sommer unter ständiger Anspannung wird von dem ein oder anderen ritualisierten Schlagabtausch unterbrochen.

Israels Kurs auch im Land umstritten

Derweil setzt Israel das sogenannte Nationalstaatsgesetz durch. Ein weiterer Schritt, der die Rechte der Minderheiten in Israel einschränkt, der ahnen lässt, wo die Politik hin will. Und die sogar Holocaustüberlebende wie Amnon Rimon zu Protesten auf die Straße treibt, weil sie es als zutiefst undemokratisch empfinden und Angst davor haben, dass sich die rechten Kräfte und Autokraten durchsetzen. 

Angst haben auch die rund 40.000 Flüchtlinge aus Eritrea und Südsudan 2018 bekommen, denn die Regierung in Israel will sie zwangsausweisen. Sie waren gekommen, bevor Netanjahu Mauern und Zäune bauen ließ. Auf internationalem Parkett sympathisiert Netanyahu in der Migrationsfrage ohnehin ganz offen mit Mauer- und Zäunebauern wie Trump oder Ungarns Regierungschef Victor Orban. 

Hinzu kommt, dass Israel dem Prinzip "Multilateralismus" nicht zugetan ist. Wertekonsens war gestern, bilaterale Zweckgemeinschaften bilden das Modell von heute. Und so überzeugt Netanjahu US-Präsident Donald Trump davon, aus dem Atomdeal mit dem Iran auszusteigen- Und macht gleichzeitig so offen wie nie zuvor Saudi Arabien und seinen sunnitischen Partnern diplomatische Avancen. 

Tiefe Gräben unter Palästinensern

Und auf palästinensischer Seite? Ein Trauerspiel. Hamas und Fatah sind weiter zerstritten, jeder für sich weitgehend isoliert. Beide Regierungen sind korrupt, unbeweglich und undemokratisch. Und die Menschen leiden. In Gaza gibt es keinen Strom, kein sauberes Wasser, zu wenig Lebensmittel und eine schlechte medizinische Versorgung. Weil die USA dann auch massiv ihre Finanzhilfen reduzieren, sieht es noch düsterer aus.

Und als sich das Jahr dem Ende neigt, erschüttern erneut Anschläge von Palästinensern auf jüdische Siedler und Soldaten die Region. Die Antwort Israels: Mehr Siedlungen, mehr Militär. Einzige Hoffnung: Wenn ein Jahr mit einem solchen Tiefpunkt zu Ende geht, kann es ja 2019 eigentlich nur besser werden.    

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