Sie sind hier:

Jahrestag Columbine-Massaker - "Es ist Zeit zu handeln"

Datum:

Vor 19 Jahren erschossen zwei Schüler der Columbine High School 13 Mitschüler und einen Lehrer. Am Jahrestag demonstrieren heute Schüler US-weit für schärfere Waffengesetze.

Schülerprotest gegen Waffengesetze
Schülerprotest gegen Waffengesetze
Quelle: ap

"Ich hatte gerade Chorprobe, als wir Schüsse hörten. Gemeinsam mit 60 Mitschülern versteckte ich mich in einem Büro. Es war heiß und eng. Wir waren dort stundenlang eingesperrt. Die ganze Zeit schrillte der Feueralarm. Und ich erinnere mich, dass wir unsere Namen an die Wand schrieben, weil wir dachten, wir würden sterben."

Albträume und Panikattacken

Heather Egeland Martin erinnert sich noch genau an den 20. April 1999. Es war ein ganz normaler Schultag, ein Dienstag, als Eric Harris und Dylan Klebold um kurz nach elf mit Gewehren und Messern bewaffnet durch die Schule stürmten. Sie erschossen zwölf Mitschüler, einen Lehrer und schliesslich sich selbst.

Als Heather von einer Spezialeinheit der Polizei Stunden später aus dem Schulgebäude geführt wurde, sah sie zwei Mitschüler tot am Boden liegen. Noch Jahre später hatte sie Albträume. "Jedes Mal, wenn ich Helikopter hörte, Sirenen oder eine Fehlzündung, war alles sofort wieder da." Nach dem Massaker am Virginia Tech College, bei dem im April 2007 32 Menschen ums Leben kamen, litt sie wochenlang unter Panikattacken.

"Da wurde mir klar, dass ich endlich etwas tun musste"

2012 arbeitet Heather Egeland Martin als Englisch-Lehrerin an der Central High School in Aurora, Colorado, als nur wenige Blocks von ihrer Schule entfernt ein Amokschütze zwölf Menschen in einem Kino tötet. "Da wurde mir klar, dass ich endlich etwas tun musste." Sie gründete das Rebels Project, eine Selbsthilfegruppe für Überlebende, benannt nach dem Schulmaskottchen der Columbine High School. Inzwischen hat das Rebels Project mehr als 600 Mitglieder. Nach jedem neuen Schulmassaker werden es mehr.

Nach dem Amoklauf in Florida traf Heather Martin sich mit Schülerinnen der Marjory Stoneman Douglas High School. "Ich bewundere sie, ich bin stolz auf sie, als Lehrerin aber auch als Überlebende. Es ist unglaublich mutig was sie tun und wie sie sich einsetzen. Diese Schüler geben mir Hoffnung, dass sich etwas ändern wird."

"Das ist Wahnsinn!"

Dass sich endlich etwas ändern muss, findet auch Arielle Geismar. "Ich bin aufgewachsen mit Lock Down Drills in der Schule. Wir werden schon als Grundschulkinder auf den Tag vorbereitet, an dem vielleicht ein Amokschütze in unserer Schule auftaucht. Ich sehe im Fernsehen, wie Schüler in Florida erschossen werden - und weiß, das hätte ich sein können. Das ist doch Wahnsinn!"

Die sechzehnjährige Schülerin der Beacon School in Manhattan war eine von hunderttausend Schülern in New York City, die nach dem Schulmassaker in Florida auf die Strasse ging. 17 Schweigeminuten - eine für jedes Opfer. "Wir haben getrauert. Jetzt ist es Zeit, zu handeln."

Gemeinsam mit Freunden rief Arielle eine Schülerkoalition ins Leben. "NYC says enough" - "New York sagt es reicht". Ihr Ziel: Schärfere Waffengesetze und Background-Checks. "Die meisten von uns dürfen noch nicht wählen, aber wir werden den Politikern, die Geld von der Waffenlobby NRA genommen haben, Druck machen."

Landesweit 2.000 Events

Für den heutigen Jahrestag des Columbine Massakers hat Arielle ein School-Walkout organisiert. Punkt 12 Uhr mittags wird sie mit tausenden Schülern aus New York, New Jersey und Connecticut am Washington Square Park demonstrieren. Als Redner eingeladen sind Überlebende der Schulschießereien in Florida  - und Columbine. "In den 19 Jahren seit dem Massaker an der Columbine Highschool hat es kein einziges ernst zu nehmendes Waffengesetz gegeben. Das ist frustrierend. Wenn wir nichts aus der Geschichte solcher Tragödien lernen, werden sie wieder und wieder passieren."

Die Rallye in New York ist nur eine von mehr als 2.000 Events landesweit. "Wir werden uns nicht stoppen lassen. Wir werden eine Revolution starten, die niemand mehr aufhalten kann. Wir sind fest entschlossen die Generation zu sein, die Waffengewalt in jeder Form endlich beendet."

Hintergrund

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.