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Beamtenbund kündigt Wandel an - Vom Ende der staubigen Amtsstuben

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Unterbesetzung, Veränderung, Digitalisierung: Die Herausforderungen der deutschen Behörden könnten kaum größer sein. Abwarten und Aussitzen sind offenbar keine Option mehr.

Dem Öffentlichen Dienst fehlt der Nachwuchs. Auf der Jahrestagung des DBB Beamtenbund und Tarifunion in Köln wird bis Dienstag darüber diskutiert, wie der öffentliche Dienst zukunftsfähig gemacht werden kann.

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"Ideenwerkstatt für den öffentlichen Dienst" - das Motto der Jahrestagung des Deutschen Beamtenbundes wirkt ambitioniert um nicht zu sagen weltfremd. Denn weder Beamte noch verstaubte Amtsstuben gelten als Sinnbild für Ideen und handfeste Umgestaltung. Die Probleme im öffentlichen Dienst sind so weitreichend wie seine Aufgabenfelder.

Niedrige Löhne - trotz Studium

Eines der Probleme ist die schlechte Bezahlung bei hoher Verantwortung, zum Beispiel bei studierten Sozialarbeitern. Sie unterstützen Familien am Rande der Gesellschaft. Sie bewahren Alleinerziehende in prekären Lebensumständen davor, weiter abzustürzen. Oder helfen Kindern und Jugendlichen dabei, vor Armut und Gewalt im Elternhaus zu fliehen, um Ausbildung und Job in Angriff zu nehmen.

Ein Dienst an der Gesellschaft, der gar nicht hoch genug zu würdigen ist - und doch zu den am schlechtesten bezahlten akademischen Berufen in Deutschland gehört. Faire Entlohnung: Fehlanzeige. Der Deutsche Beamtenbund will das ändern.

Öffentlicher Dienst im Wandel

Insgesamt verdient man im öffentlichen Dienst weniger als in der freien Wirtschaft, das ist nicht neu, das war schon immer so. Doch die Zeiten haben sich geändert und der öffentliche Dienst kann sich diesem Wandel nicht mehr entziehen. Das scheint inzwischen sogar in den Amtsstuben deutscher Behörden angekommen zu sein - zumindest in den meisten.

Behörden haben eher nicht das Mindset offen für Veränderung zu sein. Das ist ein Problem.
Christiane Germann, Gründerin der Amt 2.0 Akademie

Das bemerkt auch Christiane Germann, Gründerin der Amt 2.0 Akademie. Sie unterstützt Behörden bei deren Social-Media-Auftritten und sieht sich als Botschafterin der Veränderung. Sie hat selbst 15 Jahre im öffentlichen Dienst gearbeitet und weiß, wie schwer es ist, in Ämtern Neues zu etablieren. "Behörden haben eher nicht das Mindset offen für Veränderung zu sein. Das ist ein Problem. Es gibt Einzelkämpfer, die werden aber oft ausgebremst." Meist dann, wenn die oft ältere Behördenleitung den Sinn digitaler Möglichkeiten nicht so recht erkennen kann.

Social Media als Kanal für Bürger und Behörden

Christiane Germann
Christiane Germann
Quelle: Henning Schacht

Der Staub in deutschen Amtsstuben lässt sich eben nicht mit der "Delete"-Taste entfernen. Und doch nimmt Social-Media in immer mehr Behörden eine bedeutende Rolle ein als Schnittstelle zwischen Bürgern und Behörden. Und wer es macht, merkt schnell: Statt Hatespeech gibt es positives Feedback, statt Amtsfrust werden Behörden als Teil der Gesellschaft wahrgenommen - oder zumindest deren Arbeit wertgeschätzt.

"Neue Medien, neues Denken - dem muss man sich stellen", führt Germann weiter aus. "Die Zeiten haben sich geändert. Dabei geht es nicht nur um Social-Media, auch auf eine E-Mail sollte man nicht mehr 3 Wochen warten müssen."

Warum dem öffentlichen Dienst der Nachwuchs fehlt

Die viel gepriesene und lang verschleppte Digitalisierung könnte dem öffentlichen Dienst dabei sogar helfen. Die geburtenreichen Jahrgänge gehen in den kommenden Jahren in Rente und Pension. Weil bis 2015 nicht genug Anwärter ausgebildet wurden, bleiben laut Deutschem Beamtenbund derzeit 300.000 Stellen unbesetzt.

Man könnte aus der Not eine Tugend machen. Den Behördenapparat verschlanken, das Online-Angebot ausweiten, nicht irgendwann, sondern jetzt - zumindest damit anfangen. Fähige Bewerber gibt es zuhauf. Sei es an Unis, seien es Quereinsteiger. Es gilt die Kluft zur freien Wirtschaft sowohl beim Gehalt, als auch beim zeitgemäßen Arbeiten endlich schmaler zu machen.

Dann würde die Jobsicherheit, die der öffentliche Dienst bietet, ihn zu einem attraktiven Arbeitgeber machen - besonders in Zeiten einer aufziehenden Wirtschaftsflaute. Der Staub in den Amtsstuben könnte dem frischen Wind durch motivierte Mitarbeiter dann nicht mehr viel entgegensetzen.

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