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Jahrestagung von IWF und Weltbank - Banken-Kapital: Ein fauler Kompromiss?

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Wie groß sollte der Kapitalpuffer der Banken sein? Darüber streiten die USA und Europa schon lange. Nun scheint ein Kompromiss in Sicht. Wenn sich ab heute IWF und Weltbank in Washington treffen, könnten entscheidende Schritte gegangen werden. Sehr zum Unmut europäischer Banken.

Der Baseler Ausschuss ist ein Gremium, in dem Notenbanken und Aufsichtsbehörden aus den 28 wichtigsten Wirtschaftsnationen vertreten sind. Sie legen seit 1974 die Kapitalvorschriften für die Geldhäuser weltweit fest. Die Idee: Einheitliche Regeln sollen dafür sorgen, dass die Wettbewerbsbedingungen international gleich sind, dass also Schlupflöcher in Ländern mit weniger strengen Vorgaben geschlossen werden.

Unterschiedliche Systeme

Der Streitpunkt der vergangenen Monate: die internen Modelle, mit denen die europäischen Banken ihre Risiken messen. Für diese Risiken müssen sie einen Kapitalpuffer vorhalten. Dabei haben die Geldhäuser noch recht große Spielräume, doch diese möchten die Amerikaner einschränken. Sie aber verwenden Standards, die ohne Rücksicht auf individuelle Erfahrungswerte verwendet werden müssen. Um dies international anzugleichen, hatten die USA eine Grenze vorgeschlagen, den "Output-Floor". Damit soll festgelegt werden, wie weit die Banken vom Standard abweichen dürfen. Bisher verlangten sie 75 Prozent als Untergrenze, die Europäer 70 Prozent - nun scheint es auf 72,5 Prozent hinauszulaufen.

Das klingt nach einer guten Idee - doch nun kommen die unterschiedlichen Systeme zum Tragen. In den USA finanziert sich die Wirtschaft nämlich vor allem über die Kapitalmärkte. Und wenn Kredite vergeben werden wie etwa für Immobilien, dann lagern sie diese an die staatlichen Finanzhäuser Fannie Mae und Freddie Mac aus. Diese Kredite belasten also nicht die Bilanz der amerikanischen Geldhäuser. Entsprechend weniger Eigenkapital müssen sie vorhalten.

Rückschlag für die europäische Wirtschaft?

Anders in Europa: Hier bleiben diese Kredite auf der Bilanz. Und das bedeutet: Sie müssen entsprechend mit Kapital unterlegt werden. Wie hoch das Risiko eines Kreditausfalls ist, das berechnen die Banken bisher eben nach internen Modellen, die aber von Wirtschaftsprüfern oder von der Finanzaufsicht geprüft sind. "Die Banken wissen, in welchem Stadtteil das Risiko eines Kreditausfalls besonders hoch oder niedrig ist, entsprechend passen sie ihre Kapitalpuffer an", beschreibt Thomas Schlüter, Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken, die bisherige Praxis, die auf Erfahrungswerten beruhe. Die Amerikaner aber verwenden Standards, die ohne Rücksicht auf individuelle Erfahrungswerte verwendet werden.

Der Kompromissvorschlag, mindestens 72,5 Prozent Kapital - bemessen am Standardmodell - zurückzulegen, würde bedeuten - so ist aus der Finanzbranche zu hören - dass die großen Banken zehn bis 20 Prozent mehr Eigenkapital vorhalten müssten. Entsprechend groß ist der Unmut: "Der derzeit diskutierte Vorschlag wäre für uns nicht akzeptabel, denn er brächte einseitige Wettbewerbsnachteile für deutsche wie europäische Banken", kritisiert etwa Hans-Walter Peters, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken. Käme es zu einer Untergrenze von 72,5 Prozent, wären europäische Banken gezwungen, ihr Kreditangebot zurückzufahren, warnt er. Das beträfe langfristige Immobilienkredite ebenso wie Unternehmensfinanzierungen: "Das Ergebnis wäre somit ein klarer Rückschlag für die Wirtschaft in Europa."

Hoffen auf die EU-Kommission

Der Hausbankkredit ist vor allem für die mittelständischen Unternehmen von großer Bedeutung. Deshalb haben diese große Sorge vor einer entsprechenden Änderung. "Strenge Regeln für risikoreiche Kredite sind zwar richtig", heißt es etwa bei der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand. "Aber es ist überzogen, risikoarmes Geschäft mit denselben strengen Regularien zu überziehen." Ähnlich sehen das auch die Banken in Frankreich und den Niederlanden. "Man sollte möglichst gleiche Bedingungen für alle schaffen", sagt auch Markus Rießelmann, Analyst von Independent Research. Geschehe das nicht, hätten die Banken der USA künftig nicht nur auf dem amerikanischen, sondern auch auf dem europäischen Markt Wettbewerbsvorteile.

Sollte der Kompromiss abgesegnet werden, müsste er aber noch in europäisches Recht umgesetzt werden. Und hier könnte die EU-Kommission einschreiten, hofft man in der Finanzbranche: Die könnte gegebenenfalls Erleichterungen in bestimmten Bereichen aushandeln und etwa die Immobilienfinanzierung von den neuen Regeln ausnehmen.

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