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Brasiliens Evangelikale - Der Prediger des Präsidenten

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Silas Malafaia ist einer der mächtigsten Evangelikalen Brasiliens - und Vertrauter von Präsident Bolsonaro. Bei seinem Gottesdienst lassen sich Religion und Politik nicht trennen.

Silas Malafaia
Silas Malafaia ist einer der mächtigsten Evangelikalen Brasiliens.
Quelle: imago

Bis Pastor Silas in seiner Predigt politisch wird, dauert es keine zwei Minuten. Die Reformation war es, die den Menschen ganz unten eine Chance gab und nicht der Kommunismus, sagt er und hebt verneinend den Zeigefinger. Silas Malafaia kommt langsam in Fahrt, läuft die Bühne in Rio de Janeiro auf und ab. Seine Predigt ist eine One-Man-Show. Er gestikuliert wild und ahmt Stimmen nach, seinen Argumenten verleiht er gerne mit Lautstärke Ausdruck.

Charisma kann man dem 61-Jährigen nicht absprechen. Malafaia ist Gründer dieser Kirche und einer der bekanntesten Fernsehprediger Brasiliens. Er hat unzählige Bücher geschrieben und längst Youtube und Twitter als noch größere Bühne entdeckt. Er wettert gegen die "Gender-Ideologie", Homosexualität, Abtreibung, die Medien und die Linken. Er lehnt die Evolutionstheorie ab und glaubt, dass Gott die Guten mit Reichtum segnet. So wie er das bei ihm getan hat. Malafaia gilt als zweitreichster evangelikaler Priester Brasiliens.

Große Emotionen im Betonklotz

Sein Gotteshaus, die Associação Vitória em Cristo, steht im armen Norden von Rio. Ein Betonklotz im Stadtteil Penha, von außen mehr Shoppingcenter als Kirche. Sie gehört zur Assembleia de Deus, Brasiliens mächtiger evangelikaler Pfingstbewegung mit ultrakonservativer Auslegung des christlichen Glaubens.

Im Saal herrscht ergriffene Stimmung. Immer wieder heben Menschen die Arme in die Luft, schließen die Augen, rufen "Amen" oder "Ehre sei Gott", manche weinen. Die riesigen Leinwände zeigen Live-Bilder vom Publikum, wie bei einem Rockkonzert. Während der mitreißenden Musikeinlage kommt eine Nebelmaschine zum Einsatz. Alles nur ein Vorgeschmack für den Star der Show: Pastor Silas.

Aus den Fluten des Jordan gestiegen

Der hatte auf derselben Bühne ein Jahr zuvor den Mann zu Gast, den er unerlässlich unterstützt: Jair Messias Bolsonaro, der hier frisch gewählt und demütig bekannte: "Ich bin sicher, dass ich nicht der Fähigste bin, aber Gott ermächtigt die Auserwählten." Zwei Jahre vor seiner Kandidatur ließ sich der Katholik Bolsonaro medienwirksam im Jordan zum Evangelikalen umtaufen.

Kein schlechter Schachzug, denn im einst so katholischen Brasilien gewinnen diese Kirchen seit Jahren an Mitgliedern. Etwa jeder dritte bis vierte Brasilianer ist mittlerweile evangelikal. Mit Bolsonaro als Staatsoberhaupt ist die Macht der Evangelikalen konkret geworden. "Brasilien über allem, Gott über allen" ist der Leitspruch des Präsidenten.

Gespendet wird mit Kreditkarte

Die Menschen kommen aber nicht wegen der Politik in die Kirche. Andreza, 22, war katholisch, aber nie religiös, bis eine Freundin sie hierhin brachte. Pastor Silas nennt sie einen Berufenen, einen, der wirklich Gottes Worte spricht. Natürlich, auch sie hat Bolsonaro gewählt. Der Mann, an den ihr Pastor glaubt.

Obwohl die meisten in der Kirche selbst nicht viel haben, folgen sie den Spendenaufrufen. Freiwillige gehen mit Kartenlesegeräten durch die Reihen und sammeln das Geld der Gläubigen ein. Pastor Silas verspricht: Sie alle können es zu Wohlstand schaffen. "Vier Einstellungen, mit denen du nie deinen Job verlierst" und "Fünf Ratschläge für ein siegreiches Leben" gibt er ihnen an die Hand. Ein Predigt gewordenes Selbsthilfebuch.

Jair Bolsonaro
Jair Bolsonaro ist seit Januar im Amt des Staatspräsidenten.
Quelle: Reuters

Liebender Gott? Von wegen!

Wie ein Mantra wiederholt er etwa, mal weniger, mal mehr schreiend: "Beschwere dich nie über etwas, das du selbst zulässt." Ein Vater, der sich darüber ärgert, dass die Tochter ihren Freund nach Hause bringt? Selbst Schuld, so wie Adam, der zuließ, dass Eva von der verbotenen Frucht probierte. Männer, die keine "Verantwortung übernehmen" für das Verhalten ihrer Frauen? Weicheier.

Malafaias Gott hat nicht viel mit dem sanften Vater aus dem deutschen Weihnachtsgottesdienst zu tun. "Pah, liebender Gott!", sagt er später im Interview, angesprochen auf die Christlichkeit verbaler Attacken Bolsonaros. "Jesus spricht im Matthäus-Evangelium mehr von der Hölle als vom Himmel." Die andere Wange hinhalten? Nicht bei Pastor Silas.

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