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Reaktionen auf Jamaika-Aus - "Lieber labern als liefern"

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Viele Wähler geben den Liberalen die Schuld für das "Jamaika"-Scheitern. Sie kritisieren wochenlanges "Affentheater". FDP-Anhänger nehmen dagegen die Grünen ins Visier.

Passanten vor dem Deutschen Bundestag
Nach den gescheiterten Sondierungsgesprächen: Passanten vor dem Reichstagsgebäude Quelle: dpa

"Ei, ei, ei": Was Albert Schwarz auf seinem Handydisplay sieht, kann der Ingenieur kaum fassen. Es sind Schlagzeilen wie diese: "FDP beendet Jamaika-Gespräche - Aus dem Staub gemacht." Oder: "Aus für Jamaika - 'Lindner wollte offensichtlich nicht regieren'". Schwarz seufzt, sagt dann: "Vier Wochen machen die da rum und jetzt das - das ist doch Verarsche, Schweinerei, sorry, aber Scheiße ist das!"

"Hätte der Lindner gleich sagen können, dass er keinen Bock hat!"

Der Reisende, der an diesem Montagmittag am Mainzer Hauptbahnhof auf seinen Zug wartet, steht mit seiner Ansicht nicht allein. Wangenaufblasen, Kopfschütteln, Schulterzucken: Der Abbruch der Sondierungsgespräche durch die Liberalen und ihren Wortführer, Parteichef Christian Lindner, macht einen guten Teil der von heute.de befragten Wähler ratlos, andere wütend.

"So ein Affentheater in Berlin, die veräppeln uns doch alle", sagt eine ältere Dame, und schiebt drohend nach: "Bei Neuwahlen kriegen die aber alle eins ausgewischt!" Was genau sie damit andeuten will, behält sie dann aber lieber für sich. Ein Berufsschüler meint dagegen lapidar: "Hätte der Lindner doch gleich sagen können, dass er keinen Bock hat auf Regierung!"

Kritik an der FDP: "Lieber labern als liefern."

Ein Blick auf verschiedene Social-Media-Seiten zeigt: Auch dort sehen viele Wähler den Abbruch der Jamaika-Gespräche seitens der Liberalen kritisch. Viele reiben sich dabei an Lindners Aussage, dass es besser sei, nicht zu regieren, als falsch zu regieren. Twitter-User Keios meint dazu, das Motto der FDP sei "lieber labern als liefern". Gloomy Juliet erkennt "grenzenlose Arroganz", getarnt als "Rückgrat".

User Dani meint ironisch: "Das müsste ich mal zu meinem Chef sagen: 'Besser nicht arbeiten als falsch arbeiten.'" Garniert mit bissigen Kommentaren wird häufig auch ein Wahlkampfplakat der Liberalen mit dem Slogan "Nichtstun ist Machtmissbrauch" gepostet. Daniel Martienssen etwa kommentiert, dass die FDP unter Lindner zu einer "PR-Klitsche" verkommen sei und Twitter-User "Caethan13" meint: "Die FDP hat nun bewiesen, dass sie nach vier Jahren Abwesenheit im Bundestag noch immer nichts Konstruktives beizutragen hat."

Lob für Lindner, Zeigefinger auf Merkel und die Grünen

Trotz überwiegender Kritik am Vorgehen der Liberalen gibt es aber auch unterstützende Statements in Onlineforen. Eine Regierung, die aus lauter "zähneknirschenden Kompromissen" bestehe, könne Deutschland nicht nach vorne bringen, heißt es. Deshalb gebühre Lindner und der FDP Respekt für die klare Haltung, nicht "auf Teufel komm raus regieren zu wollen".

Viele Forenaktive geben in diesem Zusammenhang Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Grünen eine gehörige Mitschuld am Scheitern der Sondierungsgespräche. "Offensichtlich unerträglich, in welcher Weise Frau Merkel die grünen Ideologien begünstigt hat", schreibt einer. Sweelin Heuss, Greenpeace-Geschäftsführerin, hält dagegen: "Jamaika ist gescheitert an der starrköpfigen Weigerung der FDP, aber auch der Union, das Land in eine nachhaltige klimafreundliche Zukunft zu führen."

Angst vor "kübelweise Gülle" in einem erneuten Wahlkampf

Während AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel über eine "wochenlange Täuschung der Wähler" schimpft und meint, "Neuwahlen sind nun vorzubereiten", sehen viele Wähler diese Option mit gemischten Gefühlen. "Bitte keine Neuwahlen!", schreiben nicht wenige, die fürchten, dass Populisten in einem Wahlkampf "kübelweise Gülle" ausgießen, Hass und Lügen verbreiten würden.

Sven Cordes fragt dagegen auf Twitter: "Was spricht eigentlich gegen eine Minderheitsregierung und die Idee, im Parlament wieder die Inhalte in den Fokus zu rücken, wobei sich alle Fraktionen beteiligen und jeweilige Mehrheiten bilden?" Viele seiner Follower mögen diese Idee. Und auch Albert Schwarz am Mainzer Hauptbahnhof könnte sich mit diesem Gedanken anfreunden: "Hauptsache, es geht voran, und dieser Eiertanz hört auf", sagt Schwarz, bevor er zum Zug läuft. 

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