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Abe in Brüssel - Japan und EU wollen enger zusammenrücken

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Japans Regierungschef Abe trifft heute die EU-Spitze in Brüssel. Es geht auch um Details des gemeinsamen Freihandelsabkommens. Die Handelsverflechtungen sind schon jetzt stark.

Gestapelte Container mit den Fahnen von EU und Japan
JEFTA: Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan
Quelle: imago

Japan ist der zweitwichtigste Handelspartner der EU in Asien. Und nicht nur das: Beide sind wirtschaftliche Schwergewichte und bringen zusammen rund ein Viertel des weltweiten Bruttoinlandsproduktes auf die Waage.

Reger Handel zwischen Japan und der EU

Japanische Unternehmen verschiffen vor allem Industriegüter in die EU: Anlagen und Maschinen, Elektrogeräte, Autos und Motorräder, optische oder medizintechnische Instrumente und Chemikalien beispielsweise. Ähnlich läuft es umgekehrt: Europäische, vor allem deutsche Fahrzeuge und Autos, sind auch in Japan gefragt – ebenso wie Maschinen und Anlagen. Zudem aber auch Medikamente und Produkte aus der pharmazeutischen Industrie. Und bestimmte Agrarprodukte: Wein und Käse beispielsweise.

Dabei ist die Außenhandelsbeziehung beider Regionen seit Jahren asymmetrisch: Japan verbucht seit Jahren einen Exportüberschuss, verkauft also mehr Waren und Dienstleistungen in die EU als die europäischen Unternehmen nach Japan. Dabei allerdings gibt es einen grundlegenden Unterschied: Nach Zahlen und Daten der EU-Kommission geht dieser Außenhandelsüberschuss Japans vor allem auf den Export von Waren zurück. Bei Dienstleistungen ist das Verhältnis umgekehrt; da dominiert klar die Europäische Union, exportiert also mehr Dienstleistungen und Services nach Japan als umgekehrt.

Bilaterale Abkommen gibt es schon länger

Ein Ungleichgewicht schließlich gibt es bei den Direktinvestitionen. Das sind Investitionen von Firmen, die im jeweils anderen Land Zweigstellen oder Produktionsstätten aufbauen oder sich an Unternehmen im Partnerland beteiligen. Hier lagen im Jahr 2016 die japanischen Direktinvestitionen in Ländern Europas bei über 200 Milliarden Euro. Die europäischen Direktinvestitionen in Japan schafften es dagegen nur auf einen Wert von rund 80 Milliarden Euro.

Japan ist weiter ein Land, wo Geschäfte zu machen oft eine Herausforderung bedeutet.
Website der Europäischen Kommission

"Japan ist weiter ein Land, wo Geschäfte zu machen oft eine Herausforderung bedeutet", ist auf Seiten der Europäischen Kommission zu lesen, wenn es um Japan geht. Geschuldet sei dies Gegebenheiten der japanischen Gesellschaft und Wirtschaft. Aus diesem Grund hatten die Länder der EU schon früh damit begonnen, bilaterale Verhandlungen und Rahmenbedingungen zu schaffen, um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Regionen zu festigen. Dazu hatten beide Seiten in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits mehrere Abkommen zu Teilbereichen der Wirtschaft getroffen.

Mit JEFTA sollen Zölle fallen

Nun gehen Japan und die EU noch einen Schritt weiter. Denn mit dem Freihandelsabkommen JEFTA sollen Hürden fallen, die den Handel zwischen dem Land der aufgehenden Sonne und dem Abendland in der Vergangenheit im Wege standen.

Von dem Abkommen versprechen sich beide Seiten Vorteile. Denn Japan ist für die EU der sechstwichtigste Handelspartner auf der Welt, für Japan stehen die Länder der EU sogar an dritter Stelle. In der Vergangenheit waren noch rund 70 Prozent aller japanischen Exporte nach Europa mit Zöllen belegt. Umgekehrt waren rund 70 Prozent alle Europäischen Exporte nach Japan zollfrei. Nach einer Übergangszeit sollen fast alle europäischen Ausfuhren (99 Prozent) nach Japan zollfrei werden, Japans Exporte in die EU zu 94 Prozent. Dabei werden etwa die Zölle für japanische Autos in der EU wegfallen – allerdings erst nach einigen Jahren. Für diese zeitliche Übergangsregelung hatten sich vor allem die deutschen Autobauer stark gemacht. Bislang liegt auf japanischen Autos noch ein Einfuhrzoll von zehn Prozent. In sieben Jahren soll der Geschichte sein.

Kampfansage an Washington

Die EU hofft unter anderem, auf dem japanischen Agrarmarkt besser Fuß fassen zu können. Bisher ist Japans Landwirtschaft staatlich stark subventioniert. Zudem hat die Regierung in Tokio ihre Bauern durch Einfuhrzölle vor der internationalen Konkurrenz geschützt.

Japan verpflichtet sich im Rahmen des Abkommens auch, nichttarifäre Handelshemmnisse abzubauen. Das sind bestimmte Regeln und Vorgaben, die es der ausländischen Konkurrenz am heimischen Markt erschweren, sich zu etablieren.

Sollte das Freihandelsabkommen in seiner geplanten Form in den kommenden Jahren praktisch umgesetzt werden, wäre ihm ein Platz in den ökonomischen Geschichtsbüchern sicher. Tokio und Brüssel trennen rund 10.000 Kilometer. Zudem kommt es in einer Zeit, in der die USA Zollschranken aufbauen. Formal geht es nur noch um Details zwischen Japan und er EU. Politisch ist es auch eine Art Kampfansage an die Regierung Donald Trump in Washington. Allerdings hatten die Verhandlungen des Freihandelsabkommens bereits 2013 begonnen – also bevor der amerikanische Präsident ins Weiße Haus eingezogen ist.

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