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Jede zweite Rente liegt unter 900 Euro

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Altersarmut - Jede zweite Rente liegt unter 900 Euro

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Mehr als jeder zweite Rentner bekommt laut Bundesregierung weniger als 900 Euro gesetzliche Rente. Diese ist "nicht mehr armutsfest", urteilt die Linken-Abgeordnete Zimmermann.

Mehrere Euro Cent-Münzen in den Händen einer alten Frau, aufgenommen am 24.04.2019
"Prekäre Beschäftigungsformen gehören abgeschafft und durch tariflich entlohnte, gute Arbeitsverhältnisse ersetzt", fordert Sabine Zimmermann (Die Linke).
Quelle: picture alliance / Norbert Schmidt

Mehr als jede zweite Rente liegt unter 900 Euro. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Sabine Zimmermann hervor, die dem ZDF vorliegt. 51,4 Prozent der Altersrentner haben demnach im Jahr 2018 weniger als 900 Euro erhalten. Das seien mehr als 9,3 Millionen Menschen gewesen. 58,6 Prozent der Rentner bekamen demnach weniger als 1.000 Euro.

"Es lässt sich also schlicht nicht leugnen, dass die gesetzliche Rente nicht mehr armutsfest ist", sagte die Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Bundestag. Sie warnt: "Das Problem wird sich verschärfen, denn auch gute Betriebsrenten und die Absicherung über den Ehepartner werden seltener werden." Die genannten Rentendaten beziehen sich auf die Rentenzahlbeträge, also auf den Betrag der Rente nach dem Abzug von Sozialbeiträgen und vor dem Abzug von Steuern.

Altersrenten am 31. Dezember 2018
Rentenzahlbetrag
bis unter ... Euro
Anzahl der
Altersrentner
Anteil an allen
Altersrenten
800 8.095.515 44,4 %
900 9.375.4378 51,4%
1.000 10.690.406 58,6%
1.100 11.867.444 65,0%
1.200 12.927.171 70,8 %

Quelle: Deutsche Rentenversicherung / Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Zimmermann: "Bundesregierung versucht, die Zahlen kleinzureden"

Die Bundesregierung verweist darauf, dass allein aus der Höhe einer gesetzlichen Altersrente grundsätzlich nicht auf Bedürftigkeit in der Grundsicherung im Alter geschlossen werden könne, weil dabei mögliche zusätzliche Einkommensquellen und die konkrete Haushaltssituation nicht berücksichtigt seien.

"Die Mehrheit der Rentnerinnen und Rentner erhält gesetzliche Renten unterhalb der Armutsschwelle", kritisiert die Linken-Politikerin. "Die Bundesregierung versucht, die Zahlen kleinzureden. Doch zugleich räumt sie selbst ein, dass mehr als jeder siebte Mensch über 65 von relativer Armut betroffen ist."

Zahl der Menschen, die Grundsicherung im Alter beziehen, steigt

Die Armutsgefährdungsschwelle gemäß Mikrozensus lag für alleinstehende Personen im Jahr 2017 bei 999 Euro – aktuellere Werte liegen noch nicht vor. Von relativer Armut waren demnach 14,6 Prozent der Menschen über 65 und 16 Prozent der Rentner und Pensionäre betroffen.

Armutsrisikoquote im Jahr 2017 gemessen am Bundesmedian
in Prozent
Bevölkerung insgesamt 15,8
Personen im Alter ab 65 Jahren 14,6
Rentner und Pensionäre 16,0

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Die Armutsquote der gesetzlichen Altersrentner dürfte nach Einschätzung der Linken-Politikerin noch höher liegen, da Pensionäre und Menschen mit privater Altersvorsorge typischerweise über höhere Alterseinkommen verfügen. Fast 560.000 Menschen mussten 2018 sogar die Grundsicherung im Alter beziehen; ihre Zahl steigt seit 2003 fast kontinuierlich an.

Zimmermann: Zeit, gegen Niedrigrenten vorzugehen

Zimmermann sieht die "Wurzel des Übels" in den niedrigen Löhnen in Deutschland, vor allem im unteren Lohnbereich. "Niedrige Löhne ziehen niedrige Renten nach sich. Zudem zeigt die bewusste Zerstörung des gesetzlichen Rentensystems Anfang der 2000er-Jahre nun ihre Folgen", sagt die Linken-Politikerin.

Es sei höchste Zeit, systematisch gegen Niedrigrenten und Altersarmut vorzugehen. Sie fordert: "Das gesetzliche Rentenniveau muss wieder auf 53 Prozent steigen." Rentenansprüche aus Niedriglöhnen müssten höher gewertet werden. Außerdem brauche Deutschland eine "solidarische Mindestrente von 1.050 Euro" sowie einen altersarmutsfesten Mindestlohn. "Prekäre Beschäftigungsformen gehören abgeschafft und durch tariflich entlohnte, gute Arbeitsverhältnisse ersetzt", betont Zimmermann.

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