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Beyond Meat - Börse: Die Wette auf die Veggie-Bulette

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Das Produkt: veganer Fleischsatz. Beyond Meat startet an der Börse durch. Die kleine Firma ist vier Milliarden Euro wert - schreibt aber Verluste. Kann gut gehen, kann auch nicht.

Beyond Meat - Fleischersatzprodukte
Beyond Meat - Fleischersatzprodukte
Quelle: ap

Beyond Meat hat Börsengeschichte geschrieben. Denn ein solcher Raketenstart geschieht nicht oft: Das junge Unternehmen geht an die Börse, Anleger reißen sich schon am ersten Tag um die Papiere, und der Aktienkurs verdreifacht sich innerhalb von drei Börsentagen. Ab dem vierten ist der Hersteller veganer Fleischersatzprodukte sage und schreibe rund vier Milliarden Dollar wert.

Rote Beete statt Blut

"Prinzipiell ist vegan auf dem Vormarsch", konstatiert Johannes Hesche, Portfoliomanager beim Fondsanbieter Acatis. Er ist Fachmann für Tech- und Biotechnologieunternehmen. "Auf der anderen Seite profitiert Beyond Meat vom wachsenden Umweltbewusstsein".

Beyond Meat stellt Fleischersatz vor allem für Burger und Tacos her. Dabei greift das Unternehmen etwa auf Erbsenproteine zurück. Damit seine Produkte wirklich als Fleischersatz dienen können, setzen die Kalifornier zum Beispiel rote Beete ein - das sorgt für und wirkt wie "Blutersatz" in den Fleischfrikadellen. Dass derartige Alternativen einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können, liegt auf der Hand. Denn tierisches Fleisch ist ein großer Faktor für den Klimawandel. Laut Studien der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen ist die industrielle Tierhaltung für rund 15 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.

Umdenken in der Lebensmittelindustrie

Das wachsende Bewusstsein über diese Zusammenhänge macht eine Börsengeschichte wie die von Beyond Meat möglich. Dass das im Jahr 2009 gegründete Unternehmen den Nerv der Zeit trifft wird klar, wenn man sich die Reaktionen etablierter Nahrungsmittelproduzenten ansieht. Der größte amerikanische Fleischprodukthersteller, Tyson Foods, hat vor wenigen Tagen angekündigt, bis zur Jahresmitte ebenfalls fleischlose Proteinprodukte auf den Markt zu bringen - also vegane Frikadellen oder Würste.

Auch der größte Geflügelzüchter hierzulande - Wiesenhof und die dahinter stehende PHW-Gruppe - hat mittlerweile Fleischersatzprodukte im Angebot. Strategisch schlau hat sich PHW bereits die Vertriebspartnerschaft für Beyond-Meat-Produkte für Deutschland gesichert. Auch Nestlé will mitmischen im zukunftsträchtigen Post-Fleischmarkt des guten Gewissens. Der "Garden Gourmet Incredible Burger" vereine Convenience, Gesundheit und Nachhaltigkeit auf sich, sagte Marc Boersch, Vorstandsvorsitzender der Nestlé Deutschland AG vor wenigen Tagen bei der Vorstellung einer Ernährungsstudie für Deutschland.

Steigende Umsätze - aber trotzdem rote Zahlen

Genau aus diesen Gründen aber hinterlässt der Börsenhype um Beyond Meat Fragezeichen. Denn es gibt im Markt etablierte und sehr potente Konkurrenten, die das Thema erkannt haben und ihre Alternativen anbieten. Demgegenüber kann Beyond Meat zwar über stetig steigende Umsätze berichten - allerdings hat das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Verlust von 30 Millionen Dollar verbucht. Und das bei einem Umsatz von 88 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Die PHW-Gruppe hatte zuletzt einen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro, Nestlé im Jahr 2018 umgerechnet rund 80 Milliarden Euro.

Man darf davon ausgehen, dass solche Unternehmen sich die Vegan-Bulette nicht vom Brot nehmen lassen wollen. "Ein Börsenwert von über vier Milliarden Dollar für Beyond Meat bei einem Umsatz von 88 Millionen Dollar ist zumindest ein sehr saftiger Preis", meint Johannes Hesche. "Ob sich das in Zukunft rechnet, ist schwer zu sagen. Klar ist aber: Das ist ein sehr sportliches Unterfangen".

Modell Amazon

Das haben dann offenbar auch einige Anleger bemerkt. Denn nach dem Ausgabepreis der Aktien von 25 Dollar, ihrem Höhenflug zeitweise über 80 Dollar, haben sich die Papiere zuletzt auf gut 65 Dollar wieder deutlich abgekühlt und verbilligt. Trotzdem war es der erfolgreichste Börsengang seit dem Jahr 2000.

Das übrigens war die Zeit, in der das Internet an den Börsen märchenhafte Unternehmungen und Gewinne versprach. Die meisten Unternehmen waren nicht das Papier wert, auf denen ihre Perspektiven gedruckt waren. Doch Amazon und Co. haben überlebt - und wer damals den richtigen Riecher hatte, hat sich reich und gesund stoßen können. Das dürfte der Hintergrund sein und die Antwort auf die Frage, warum ein noch winziges Unternehmen die Hoffnung trägt, seine vier Milliarden Dollar auch in Zukunft noch wert zu sein.

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