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Trumps Jerusalem-Entscheidung - Ausschreitungen, viel Kritik und Appelle

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Die gewaltsamen Proteste nach der Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Trump reißen nicht ab. Derweil mehren sich die internationalen Appelle, die Entscheidung zu überdenken.

Der Streit über den Status Jerusalems sorgt weiterhin für heftige Proteste in aller Welt: Arabische Liga, Europa, auch der Papst kritisieren den Beschluss des US-Präsidenten.

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Gewalt und Proteste um die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels sind am Wochenende weiter eskaliert. Die Arabische Liga rief die internationale Gemeinschaft auf, Palästina mit Ostjerusalem als Hauptstadt anzuerkennen. Der Appell folgte am Samstagabend nach einer Krisensitzung der arabischen Außenminister in Kairo in Reaktion auf die US-amerikanische Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels. Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump stelle die Rolle der USA als Friedensvermittler in Nahost und weltweit infrage, so der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abul Gheit.

Erdogan nennt Israel "Terrorstaat"

Der palästinensische Außenminister Riad Malki hatte kurz vor dem Treffen in Kairo erklärt, die Palästinenser würden nun versuchen, einen Ersatz für die USA als Paten des Friedensprozesses mit Israel zu finden. Die USA seien mit ihrer Entscheidung Partei in dem Konflikt geworden.

Derweil verurteilte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Haltung der europäischen Länder in dem Streit als heuchlerisch. Er sei nicht bereit, "doppelte Standards" der Europäer hinzunehmen, so Netanjahu vor seinem Besuch in Paris und Brüssel. "Ich höre Stimmen von dort, die Präsident Trumps historische Erklärung verurteilen, aber ich habe keine Verurteilungen der auf Israel abgeschossenen Raketen oder der schrecklichen Hetze gegen es gehört", so Netanjahu wörtlich.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete Israel wegen seines Vorgehens gegen protestierende Palästinenser als "Terrorstaat". Man werde Jerusalem nicht einem Land der "Kindermörder" überlassen. Er werde mit allen Mitteln gegen die Anerkennung kämpfen, sagte Erdogan.

Messerangriff auf Sicherheitsbeamten in Jerusalem

Angesichts der Ausschreitungen in den Palästinensergebieten rief auch der Vatikan zur Umkehr und zu politischer Vermittlung auf. Mit Blick auf Jerusalem betonte die Kirchenspitze die "Unverzichtbarkeit der Achtung des Status quo in Übereinstimmung mit den Beratungen der internationalen Gemeinschaft". Jerusalem müsse den "singulären Charakter" einer Heiligen Stadt für Christen, Juden und Muslime aus aller Welt behalten.

Im Westjordanland, Ostjerusalem und dem Gazastreifen hielten unterdessen die palästinensischen Proteste gegen Trump an. Bei Demonstrationen am Damaskustor zur Jerusalemer Altstadt wurden am Samstagnachmittag nach Polizeiangaben vier Beamte leicht verletzt, 13 Demonstranten festgenommen. Bei Zusammenstößen im Westjordanland wurden laut dem Roten Halbmond seit Freitag rund 1.400 Palästinenser verletzt. Bei Vergeltungsschlägen der israelischen Armee gegen Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen wurden vier Palästinenser getötet. Bei einem Messerangriff am zentralen Busbahnhof in Jerusalem wurde am Sonntagnachmittag ein Sicherheitsbeamter schwer verletzt. Bei dem Täter handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 24 Jahre alten Palästinenser.

Demonstration in Berlin

Auch in Europa kam es zu Gewalt und Protesten wegen Trumps Entscheidung. Im schwedischen Göteborg verübten Vermummte einen Brandanschlag auf eine Synagoge. Medien berichteten unter Berufung auf Augenzeugen, aus einer Gruppe von rund 20 Männern sei am späten Samstagabend ein Molotowcocktail gegen das Gebäude geflogen; es sei jedoch kein Feuer ausgebrochen. Der Vorsitzende des Jüdischen Weltkongresses, Robert Singer, sprach von antisemitischer Gewalt, die nicht toleriert werden dürfe.

Nach einer antiisraelischen und antiamerikanischen Demonstration vor dem Brandenburger Tor in Berlin protestierte zudem das American Jewish Committee und appellierte an den Berliner Senat. "Wenn israelische Fahnen im Herzen Berlins verbrannt werden, erfordert dies eine unmissverständliche Reaktion der Politik. Die Proteste müssen mit aller Deutlichkeit verurteilt werden."

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