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Jim Jarmusch eröffnet mit tiefsinnigem Zombie-Film

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Filmfestival in Cannes - Jim Jarmusch eröffnet mit tiefsinnigem Zombie-Film

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Das Filmfestival von Cannes feiert eine Premiere zum Gruseln und Lachen. Jim Jarmusch übt in "The Dead Don't Die" bittere Gesellschaftskritik.

Wie tötet man eigentlich Zombies? Ganz einfach, man muss ihnen nur den Kopf abschlagen. Das weiß jeder, der schon mal einen Zombie-Film gesehen hat. Und dazu zählen jetzt auch die geladenen Gäste des Eröffnungsfilms beim Filmfestival in Cannes. Für einige von ihnen dürfte es ihr erster Zombie-Film überhaupt gewesen sein. Ziemlich mutig für das Festival, ausgerechnet Menschenfleisch fressende Untote am ersten Gala-Abend über die Leinwand wüten zu lassen.

Aber es war ja auch nicht irgendein Zombie-Film, sondern einer von Jim Jarmusch. Der hatte vor zwei Jahren die Croisette mit dem sehr stillen und poetischen Film "Paterson" das Publikum verzaubert. Adam Driver hatte damals einen wortkargen, Gedichte schreibenden Busfahrer gespielt. Und Adam Driver ist auch dieses Mal wieder dabei, in einer sehr anderen, aber ebenfalls recht lakonischen Rolle. 

Wenn die Welt aus den Fugen gerät

Es waren Zombies. Untote. Leichenfresser.
Adam Driver in "The Dead Don't Die"

Er spielt einen Hilfssheriff in einer amerikanischen Kleinstadt, in der merkwürdige Dinge geschehen: Die Tageszeiten stimmen nicht mehr, Uhren bleiben stehen, Haustiere werden aggressiv. Und dann kommt es zu grausigen Todesfällen. Die Polizei ist ratlos. Nur der Hilfssheriff hat die nötige Expertise. "Es waren Zombies. Untote. Leichenfresser", konstatiert er trocken. 

In der Tat, die Welt ist aus den Fugen geraten, die Gräber brechen auf. Zeitweise erscheint der Film wie eine riesige skurrile Halloween-Party. Da werden Gedärme geschlabbert und Knochen geknuspert, dass der ein oder andere Premierenbesucher sich vielleicht doch lieber eine romantische Komödie als Eröffnungsfilm gewünscht hätte. 

Ober-Zombie Iggy Pop

Jim Jarmusch hat für seinen Film lauter alte Bekannte zusammengetrommelt - unter ihnen mehrere Musiker und Oscar-nominierte Schauspieler. Tom Waits etwa fühlt sich in seiner Rolle als zerzauster Waldschrat sichtlich wohl. Ober-Zombie Iggy Pop sieht so aus, als habe er gar nicht viel Zeit in der Maske verbracht. Und Tilda Swinton ist die perfekte Besetzung einer schwertschwingenden Schottin mit einem Hang zum Überirdischen. 

Es ist ein Zombie-Film zum Gruseln und zum Lachen - und es ist zugleich eine bitterböse Gesellschaftssatire. Jarmusch hat sich einmal mehr eines Genres bedient, um daraus seinen sehr eigenwilligen Autorenfilm zu machen. 

Ein düsteres Abbild der heutigen Gesellschaft

Er zeigt eine amerikanische Gesellschaft, die von hemmungsloser Umweltzerstörung, lügenden Politikern, Rassisten und Konsumsucht geprägt ist. Sobald die Toten aus ihren Gräbern steigen, widmen sie sich ihren alten Begehrlichkeiten - sei es heißer Kaffee, billiger Chardonnay oder schnelles WLan. 

Aber der Film ist auch noch Jim Jarmuschs ganz persönliche Hommage ans Kino. Zahlreiche Anspielungen erinnern an große Filmklassiker - von Nosferatu (dessen Autor Werner Herzog seinen jüngsten Film auch in Cannes vorstellt) über Zombie von George Romero bis zu Star Wars. 

Jarmusch hat in Cannes schon mehrere Preise gewonnen, unter anderem die Camera d’Or für "Stranger than Paradise" und den Grand Prix für "Broken Flowers". Sollte er die Jury mit seiner originellen Leichenfledderei überzeugen, könnte er dieses Jahr auch noch eine Goldene Palme mit nach Hause nehmen. 

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