ZDFheute

Biden glaubt, die Antwort auf Trump zu sein

Sie sind hier:

Ex-US-Vize will 2020 antreten - Biden glaubt, die Antwort auf Trump zu sein

Datum:

Obamas Ex-Vizepräsident will es nochmal wissen und steigt in den Wahlkampf 2020 um die demokratische Kandidatur ein. Seine Politik-Erfahrung könnte Fluch und Segen zugleich sein.

Hinter vorgehaltener Hand wurde schon lange gemunkelt, von den Medien immer wieder angekündigt und dann verschoben. Jetzt ist es offiziell: Joe Biden wird sich um die demokratische Kandidatur für den Präsidentschaftswahlkampf 2020 bemühen. Der 74-Jährige reichert damit das unübersichtliche Feld an demokratischen Bewerbern weiter an. Sein Vorteil: Ihn kennt man schon. Geht es nur nach dem Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad, liegt "Uncle Joe" derzeit in den Umfragen klar voran.

Draht zur weißen Arbeiterschaft

In seinem ersten Wahlkampfvideo kommt er deshalb auch gleich zum Punkt: Weitere vier Jahre Donald Trump würden den Charakter Amerikas unwiderruflich verändern, ist er sich sicher. "Da kann ich nicht daneben stehen und zuschauen." So begründet Biden seine Motivation, nach erfolglosen Versuchen in den Jahren 1988 und 2008 sich noch einmal um das Präsidentenamt zu bewerben.

Seit Donald Trump am 20. Januar 2017 in das Weiße Haus eingezogen ist, zerbrechen sich die Demokraten den Kopf darüber, wie sie wieder eine Mehrheit gegen die Republikaner erringen können. Joe Biden könnte ein Schlüssel zum Erfolg sein. Der Politveteran hat als einer der wenigen Demokraten einen Draht zur weißen Arbeiterschaft, umgibt sich gerne mit Feuerwehrmännern, Bauarbeitern und Mechanikern. Sein erster offizieller Wahlkampfauftritt nächste Woche mit Gewerkschaftern in Pittsburgh liegt da auf der Hand. Eben jene Wählerschichten, die sich 2016 außerstande sahen, Hillary Clinton zu wählen, soll Biden von Trump zurückgewinnen.

Biden bietet viel Angriffsfläche

Die Herausforderung für ihn wird jedoch auch darin bestehen, progressive, jüngere Wähler für sich zu gewinnen, die bei den Kongresswahlen 2018 Wahlbeteiligungsrekorde gebrochen haben. Dass ihm nun vermehrt auf die Finger geschaut wird, bekam Biden schon vor der offiziellen Kandidatur zu spüren. Mehrere Frauen beklagten sich, er hätte ihre Intimsphäre verletzt und sie gegen ihren Willen umarmt, geküsst und berührt. Biden gab sich danach reumütig, versprach sein Verhalten anzupassen, konnte sich aber zu keiner Entschuldigung durchringen.

Neben seinem teils anachronistischen Stil ist es aber auch seine lange Karriere in der Politik, die genug Anhaltspunkte für Kritik geben wird. Auf Bidens Kappe geht zum Beispiel ein Gesetz aus dem Jahr 1994, das als Ursache für überfüllte US-Gefängnisse und einen überproportionalen Anteil an afroamerikanischen Häftlingen gesehen wird. Außerdem stimmte er für den Irakkrieg und unterstützte eine Reform, die die Schuldenerleichterung für Konsumenten erschwert und seither von linken Demokraten aktiv bekämpft wird. Hinzu kommt, dass er als ehemaliger Vize zweifelsohne Präsident Barack Obamas Präsidentschaft und Bilanz wird rechtfertigen müssen.

Im Umfragen liegt Biden weit vor Sanders

Geht es nach der Statistik, gibt es an Joe Biden kein Vorbeikommen. Vizepräsidenten, die gute Umfragewerte vorweisen konnten und sich um die Präsidentschaftskandidatur beworben haben, haben sie letztlich auch gewonnen, schreibt Nate Silver in seinem Blog FiveThirtyEight. In sämtlichen Wahlumfragen liegt Biden bis zu zehn Prozent vor Bernie Sanders. Viele der anderen demokratischen Kandidaten sind im einstelligen Prozentbereich zu finden. Auch bei den Beliebtheitswerten ist er der Frontrunnner.

Und doch kann sich bis zu den ersten Vorwahlen im Januar 2020 noch vieles ändern. Entscheidend wird sein, wie Biden auf mögliche Attacken reagiert, ob er zu jüngeren Wählerschichten und Minderheiten Vertrauen aufbauen kann oder ob er auf Altbewährtes setzt.

In seiner ersten Nachricht an die Wähler versuchte er, den amerikanischen Traum wiederzubeleben: "Amerika ist eine Idee, die stärker ist als jede Armee, größer als jeder Ozean und mächtiger als jeder Diktator und Tyrann. Diese Idee gibt den verzweifelten Menschen auf diesem Planeten Hoffnung. Sie garantiert, dass jeder würdevoll behandelt wird und Hass keinen Platz hat. Sie verankert in jedem Menschen dieses Landes den Glauben, dass - egal woher man kommt - man alles schaffen kann, wenn man daran arbeitet."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.