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Johnson bei Merkel - "Man hat sich auf das Spiel nicht eingelassen"

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Was bezweckt Boris Johnson mit seinem Europa-Besuch - ist es ein Schwarzer-Peter-Spiel? Und wie geht man im Kanzleramt damit um? Einschätzungen von Yacin Hehrlein und Theo Koll.

"Seit Boris Johnson Premierminister ist, hat er drei klare Ziele", erklärt Yacin Hehrlein, ZDF-Korrespondent in London. "Einmal: ein wenig Optimismus verbreiten. Das kommt gut an - denn ein bisschen davon kann die Insel ja nach diesen drei qualvollen Jahren seit dem Referendum gut gebrauchen. Zweitens: Er versucht, den Brexit-Hardliner zu spielen. Denn diejenigen in der Partei, die ihn in dieses Amt ja gehievt haben - das ist genau, was sie hören wollen. Und drittens: Er bereitet sich auf Neuwahlen vor. Er betreibt jetzt schon knallhart Wahlkampf."

Alles nur Strategie?

Er muss zumindest zeigen, dass er mit seinen europäischen Partnern redet.
Yacin Hehrlein

In diese Strategie passe dieser Kurztrip nach Europa auch sehr gut, so Hehrlein weiter. Johnson habe sicherlich nicht im Ernst geglaubt, dass er in Berlin oder in Paris irgendwelche Zugeständnisse bekomme. "Aber er muss zumindest zeigen, dass er mit seinen europäischen Partnern redet." Dann könne er behaupten, er habe alles versucht. "Und dann kommt es womöglich zu einem knallharten, ungeregelten Brexit."

Möglich sei aber auch, dass das britische Parlament versuche, dies zu stoppen. Zum Beispiel durch einen Misstrauensantrag gegen Johnson. "Dazu müsste man eine proeuropäische Allianz schmieden. Das ist nicht einfach. Aber nicht unmöglich." Die Strategen der Downing Street sähen, erklärt Hehrlein, dies als das beste Rezept, um eine Neuwahl für Boris Johnson erfolgreich zu gestalten.

Abgeblitzt in Berlin

Die Kanzlerin war heute eher eine erfahrene Poker-Spielerin, die nichts mit dem Schwarzer-Peter-Spiel zu tun haben wollte.
Theo Koll

Doch wie reagiert Berlin auf ein solches mögliches Schwarzer-Peter-Spiel? "Man hat sich auf das Spiel nicht eingelassen", erklärt Theo Koll, der Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios. "Die Kanzlerin war heute eher eine erfahrene Poker-Spielerin, die nichts mit dem Schwarzer-Peter-Spiel zu tun haben wollte." Angela Merkel habe sehr bewusst Gesprächsbereitschaft zu Protokoll gegeben. Sie habe sogar die Hoffnung geäußert, dass man in den kommenden 30 Tagen das zentrale Problem der irischen Grenze lösen könne.

"Aber natürlich weiß sie ganz genau, dass man das in all diesen Verhandlungsjahren ja nicht geschafft hat.  Als erfahrene Poker-Spielerin hat sich dann die Karten des Gegenübers zu sehen gefordert quasi." Großbritannien solle doch erst einmal sagen, wie es sich eine Lösung vorstelle. Schließlich habe man bei den Briten ja die viel besseren Ortskenntnisse. "Also bisher liegt keine britische Lösung auf dem Tisch", so Koll schließlich. Und soweit er heute Abend in Berlin gehört habe, wurde auch keine präsentiert. "Also: Wenn hier heute Abend ein Schwarzer-Peter-Karte kreiste - dann jedenfalls reist Boris Johnson damit wieder ab."

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